Schon eine Minute, nachdem die beiden Schauspieler Wolfgang Krebs und Angelique Verdel die Bühne im Schlosstheater Thurnau betreten hatten, waren die ersten Lacher aus dem Publikum zu hören. Und so ging es fast zwei Stunden lang weiter. Die Premiere des Stücks "Anderthalb Stunden zu spät" von Gérald Sibleyras und Jean Dell - Regie: Wolfgang Krebs; Regieassistenz und Technik: Simon de Ridder - am Samstag war ein voller Erfolg.

Die Zuschauer waren begeistert. Vor allem deshalb, weil sich viele von ihnen selbst in dem Stück wiederfinden konnten. Es handelt von einem Ehepaar in den fünfziger Jahren, Pierre und Laurence. Sie sind zum Essen eingeladen und kommen, wie der Titel schon sagt, anderthalb Stunden zu spät.


Panik, Verzweiflung, Langeweile

Denn Laurence packt die Panik, die Verzweiflung, die Langeweile oder irgendwie alles zusammen. Laurence fühlt sich alt, zu alt, um am Leben teilzunehmen und gleichzeitig zu jung als dass dies das Ende sein sollte. Jetzt, da die Kinder aus dem Haus sind, fühlt sie sich überflüssig und leer. Zuerst hält Pierre das Verhalten seiner Frau für eine Spinnerei. Zwischendurch wendet sich aber das Blatt, und auch Pierre, der bald in Frührente geht, ergreift die Panik.

Es sind die Themen, die Paare an der Schwelle zum Ruhestand tatsächlich bewegen. Das gefällt vielen Besuchern bei der Premiere besonders gut. Sie erkennen sich selbst und ihre Gefühlswelten darin wieder. Es geht um die Kinder, um Erwartungen, Enttäuschungen, um verpasste Chancen, um Ehrlichkeit.

Besonderen Witz versprüht die Episode, in der herauskommt, dass Laurence einst einen Liebhaber erfunden hat. Die Diskussion um den Wert einer Affäre einmal andersherum steckt voller Erkenntnisse und Komik. Wie beide damit umgehen, in welcher Offenheit und mit welchem Gefühl der Sicherheit, das ist wunderschön anzusehen.


Alles darf gesagt werden

Auch wenn zwischendurch die Fetzen fliegen, wenn Pierre sogar droht, Laurence zu verlassen, ist diese Paarbeziehung ein Sinnbild für offenen und respektvollen Umgang. Alles darf gesagt werden, und gleichzeitig wird die Würde beider gewahrt. Und am Ende ist die Liebe wohl größer als zuvor.

Ein besonders lustiges und ehrliches Stück. Es reiht sich in die erfolgreiche Serie französischer Komödien am Schloss-theater Thurnau ein.


Spielplan Das Stück "Anderthalb Stunden zu spät" ist noch an folgenden Terminen im Schlosstheater Thurnau zu sehen: Sonntag, 26. März, 17 Uhr (ausverkauft), 31. März, 1. April, 7. April, 8. April und 20. Mai jeweils um 20 Uhr sowie 21. Mai um 17 Uhr.

Premiere Die nächste Premiere "Lampenfieber - jetzt mal in echt" ist ein Solo-Gastspiel mit Markus Veith und findet am 7. Mai um 17 Uhr statt.