Jetzt wird's gerichtsmassig: Auch gegen die geplanten und teilweise schon genehmigten Windparks bei Rugendorf und auf der Kirchleuser Platte wird geklagt. Es sind zwei Privatleute, die sich gegen den Bau der 200 Meter hohen Rotoren wehren. "Es geht um unsere Heimat", sagt Jürgen Weiske aus dem Rugendorfer Ortsteil Eisenwind.

Zum Sachstand: Beim Projekt auf der Kirchleuser Platte hat das Landratsamt Kulmbach nach Abschluss des aufwendigen Prüfungsverfahrens grünes Licht für den Bau von sieben Windkraftanlagen gegeben. In Rugendorf verhält es sich etwas komplizierter.

Dort sind drei Windräder, die im Landkreis Kronach stehen, genehmigt. Für die vierte Anlage bei Eisenwind (Gemeinde Rugendorf) soll in Kürze die Genehmigung erteilt werden, so Hans-Dieter Vießmann vom Landratsamt Kulmbach.

Fichtichhöhe: Schweigen im Walde

Anders sieht es bei den drei geplanten Rotoren auf der Fichtichhöhe bei Grafendobrach (Stadtgebiet Kulmbach) aus. Dort hat das naturschutzfachliche Gutachten eine Gefährdung des streng geschützten Schwarzstorchs festgestellt, so dass sich die Rotoren von April bis September tagsüber nicht drehen dürfen. "Darüber haben wir den Antragsteller informiert, und wir warten jetzt auf die Stellungnahme der Naturstrom AG", so Umweltingenieur Vießmann.

Daher wird es mit dem Abschluss des Verfahrens noch dauern. Der Investor hätte die Möglichkeit, seinerseits gegen die eingeschränkte Genehmigung zu klagen - oder das komplette Projekt einzustampfen, weil die Kalkulationsgrundlage weggefallen ist.

Letzteres wäre den Windkraftgegnern natürlich sehr recht. "Das wäre das Beste", erklärt Hermann Dippold aus Kübelhof. Aber nichts Genaues weiß man noch nicht, da sich der Antragsteller bisher nicht geäußert hat.

"Dubios" und "undemokratisch"

Gleichwohl sehen Weiske und Dippold Fehler im Verfahren. "Es ist genauso dubios gewesen wie in Schimmendorf und Kirchleus", sagt Dippold. Weiske kritisiert, dass nur die Interessen der Betreiber und Grundeigentümer berücksichtigt worden seien. "Undemokratisch", lautet sein Urteil.

Vor allem geht es beiden um die naturschutzfachliche Prüfung, die laut Dippold "oberflächlich" und "nachlässig" durchgeführt worden sei. So seien 80 Hektar relevante FFH-Flächen am Fischbach nicht berücksichtigt worden, "was zum Himmel schreit". Außerdem sei das Vorkommen weiterer geschützter Vogelarten "untergebügelt" worden. Dippold nennt insbesondere den Uhu oder die in Deutschland sehr seltene Kornweihe, "die wir zuletzt mehrfach in der Eisenwinder Flur beobachtet haben".

Ordentliche Prüfung gefordert

"So kann man mit der Heimat nicht umgehen", schimpft Dippold und fordert: "Wir wollen erreichen, dass die Naturschutzfragen ordentlich geprüft werden." Weiske glaubt, dass dies nur vor Gericht zu erreichen sei.
Er hat ohnehin bereits den juristischen Weg beschritten, um sich zu wehren. "Es geht um meine Familie, es geht um alles. Wenn die Windräder gebaut werden, können wir dort nicht mehr leben", so Weiske, dessen Bauernhof gerade mal 700 Meter von einem der Windräder entfernt ist. Der Landwirt hat schon viel eigenes Geld investiert und klagt vor dem Verwaltungsgericht gegen die drei Windräder auf dem Gemeindegebiet von Weißenbrunn, Kronach und Marktrodach. "Und wenn Eisenwind genehmigt wird, klage ich dagegen auch."

Auch was den Windpark auf der Kirchleuser Platte bei den Ortschaften Schimmendorf, Oberdornlach und Kirchleus angeht, gibt es eine juristische Auseinandersetzung. Es klagt allerdings nicht die Stadt Kulmbach, die zweimal ihr Einvernehmen verweigert hat, sondern eine betroffene Privatperson aus einem der umliegenden Dörfer. Sie will sich derzeit öffentlich nicht äußern.