Solche Überraschungen braucht kein Bauherr. Auch nicht die Stadt Kulmbach, die im April begonnen hat, den Roten Turm auf Vordermann zu bringen. Doch die geplante Schönheitskur mit überschaubaren Kosten von 35.000 Euro kann man sich abschminken. "Das hat sich leider nicht bewahrheitet", so Oberbürgermeister Henry Schramm. Das markante Gebäude in der Kulmbacher Altstadt braucht eine grundlegende Sanierung, nachdem enorme Schäden entdeckt worden sind. Schramm geht von einer "größeren sechsstelligen Summe" aus.

Von wegen Frühjahrsputz

Durch herabfallende Putzteile ist die Stadt auf die Schäden am Roten Turm aufmerksam geworden. Zunächst geht man davon aus, die Probleme durch einen neuen Kalkputz im Fachwerkgeschoss in den Griff zu kriegen. Dazu: Risse im Holz ausbessern und ein neuen Anstrich - fertig wäre der Frühjahrsputz gewesen.

Anfang April wird der Rote Turm, der vom eineinhalb Meter dicken Sandsteinsockel bis zur Spitze 27 Meter misst, komplett eingerüstet. Baufachleute warnen allerdings schon damals, dass man sich einen genauen Überblick über das Schadensbild erst verschaffen kann, wenn die Fassade komplett zugänglich ist. Schramm: "Nach ersten Untersuchungen haben wir gemerkt, dass der Turm wesentlich maroder ist als gedacht."

Deshalb zieht die Stadt - wie schon beim Rathaus - den erfahrenen Restaurator Uwe Franke aus Wernstein zu Rate. Franke untersucht das Baudenkmal und stellt "sehr differenzierte Schäden" fest. Betroffen sind das Holzfachwerk und das Sandsteinmauerwerk.

Franke zufolge ist davon auszugehen, dass der Turm am Konraditag 1553 beschädigt worden ist. Im Barock sei die Holzkonstruktion als Sichtfachwerk neu aufgebaut worden. Als Anfang des 19. Jahrhunderts Schäden auftraten, habe man das Fachwerk, ausgenommen die Hangseite, erneuert und komplett verputzt.

Reparaturen schaden mehr

Was dem Turm offenbar gar nicht bekommen ist, sind mehrere Reparaturen im 20. Jahrhundert gewesen, die letzte Ende der siebziger Jahre. Laut Franke hat man zunächst das Fachwerk freigelegt, was dem Bauwerk enorm geschadet hat. Durch eindringende Feuchtigkeit sei das Holz schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.

Außerdem, so der Restaurator, habe man die Statik des Fachwerkaufbaus dadurch verändert, dass die Türmerstube im Inneren ausgebaut worden ist. Zwischen Fenstern ("wo der Brandwächter Ausschau gehalten hat") und Wohnstube habe es einen umlaufenden Gang gegeben, der nun nicht mehr existiert. Die Stabilität wie früher sei nicht mehr gegeben. Das Gebäude sei an exponierter Stelle extremer Belastung ausgesetzt, und aufgrund der Bewegung unter der Windlast dringe Feuchtigkeit ein.

Turm hat lebhafte Geschichte hinter sich

Auch am Turmschaft gibt es Risse und Verformungen. "Treppen wurden aus- und eingebaut, Wasser läuft nicht ordnungsgemäß ab", sagt Franke und sieht dringenden Handlungsbedarf: "Der Turm aus dem 13. Jahrhundert hat lebhafte Zeiten hinter sich. Jetzt haben sich die Schäden summiert."

Ulrich Kahle vom Landesamt für Denkmalpflege in Schloss Seehof, Bamberg, hat die Schäden besichtigt. "Ich bin eingebunden und mit der Stadt im Gespräch", so der Hauptkonservator. Es gehe darum, einen vertretbaren finanziellen Rahmen für die Sanierung abzustecken. "Aber man muss es richtig machen", betont Kahle.

"Wir wollen den Turm als ein Wahrzeichen der Stadt denkmalgerecht herrichten und für die Nachwelt erhalten", sagt OB Schramm. Nun müssten die Kosten ermittelt werden. "Wir müssen wissen, worüber wir reden. Dann beginnt meinen Arbeit", so Schramm, der auf Förderung vom Denkmalamt, Landesstiftung und Oberfrankenstiftung hofft. "Es wird eine Finanzierungsrunde wie beim Rathaus geben." Zum Zeitplan könne er noch nichts sagen. "Aber wenn's mal losgeht, wird es mehrere Monate dauern."