Dass Rolf Miller "der konsequenteste Minimalist der deutschen Kabarettbühnen" sei, ist wohl ein Gerücht. Auch wenn Wikipedia es so weltweit verkündet. Ein Stuhl, eine Flasche Wasser und der ... Dings ..., der ... Dings ...
Er hat keinen Namen wie seine Kumpels, der Jürgen, der Achim, der Tschokko und deren Schwester, der "Apparat". Rolf Millers Alter Ego (die Figur, die er auf der Bühne gibt) ist nicht greifbar. Trotzdem kennen wir ihn: den Proleten, der sich mit Viertel- und Halbwissen seine beschränkte Welt aus der Perspektive Fußball, Couch, Autos und Weiber zusammenschustert - und davon auch lang und breit räsoniert. Und das im Odenwälder Dialekt, weder Fränkisch, noch Hessisch, noch Schwäbisch, aber alles zusammen.


Erinnerung an die Achtziger


Dass Rolf Miller selbst nicht so blöd ist, wie er sich auf der Bühne gibt, dazu gab es bei seinem Auftritt im Kulmbacher Brauereimuseum einen versteckten Hinweis: Mit Kulmbach assoziiert er nicht, wie die meisten Auswärtigen, nur Bier und Gottschalk, sondern auch "den einen von der Spider Murphy Gang" (Schlagzeuger Franz Trojan). Das ist Insiderwissen aus den Achtzigern, von denen der ... Dings ... sagt, "wer sich an die Achtziger nicht mehr erinnern kann, der hat sie nicht erlebt". AC/DC und sowas, die Symbole des mitteleuropäischen Machismo halt, schwirren dem ... Dings ... da durch den Kopf.

Breitbeinig auf dem Stuhl, lehnt Rolf Miller dabei den Oberkörper ganz zurück, setzt den Blick ins Leere und schweigt kurz nachdenkend - mucksmäuschenstill ist's dabei im Publikum, das auf die Verkündung der Erkenntnis wartet. Die kommt aber nicht, sondern etwas ganz anderes.


Er mischt die Geistesblitze


Millers Alter Ego denkt schneller als er formulieren kann. Er gibt nur Halbsätze von sich. Ihm fällt dabei etwas anderes ein. Er mischt beide Geistesblitze. Heraus kommt ein verdrehtes Sprichwort, nach dem er sich dann schon wieder einer anderen Sache widmet. In seiner eingeschränkten Weltsicht ist das so in Ordnung. Die Welt ist kompliziert, irgendwie muss man sie vereinfachen. Panikartiges Entspannen nennt er das, "alles andere ist primär."

Er tratscht eigentlich nur über seine Kumpels mit respektvoller Herabwürdigung. Und er schraubt sich seine eigene Weltsicht logisch, wenn auch nicht ganz real zusammen: "Warum ist eine Scheidung so teuer? Weil sie es wert ist!" vermischt er schlechte Erfahrung mit ökonomischem Wissen. Und damit ist für ihn medizinisch auch klar: "In meinem nächsten Leben beschäftige ich mit Frauen nicht mehr stationär, sondern nur noch ambulant."

Millers Pointen sind oft Plattitüden, im Zusammenhang aber überraschend, damit schon wieder witzig, wenn nicht sogar zynisch. Zumindest aber sarkastisch, wie er die Durchschnitts-Denke des ansonsten nicht sonderlich informierten und interessierten Menschen über die Bühne zerrt.


"Man muss ihm zuhören"


Der unvergessene Loriot soll einmal über Rolf Miller gesagt haben: "Man muss ihm zuhören." Wer von Miller eine Comedy-Show erwartet hatte, wurde wohl nur am Rande befriedigt. Miller macht ernsthaftes Kabarett - allerdings kein politisches, sondern über den Alltag. Damit ist er in der Szene gegenwärtig wohl einmalig.