Der Prozess gegen einen Kulmbacher Rechtsanwalt wegen Anlagebetrugs vor dem Landgericht Hof ist am Mittwoch mit der Befragung des Hauptangeklagten fortgesetzt worden. Dieses Mal hat das Gericht Schwerstarbeit zu verrichten. Es muss ein internationales Firmen- und Vertragsgeflecht entwirren mit Beteiligten aus Kulmbach, Freiburg, Spanien, Rumänien, Italien, England und womöglich noch mehr Ländern. Offenbar ein verzweigtes Netz mit dem Anklagten in der Mitte.

Den ganzen Vormittag dauert die Einvernahme des Ex-Anwalts. Ihm wird vorgeworfen, Anleger, die in Solarparks in Rumänien und Italien investierten wollten, um mehr als eine Million Euro betrogen zu haben. In der Verhandlung wird klar, dass es kein Vorteil sein muss, wenn ein Jurist - hier der Vorsitzende der Wirtschaftsstrafkammer, Matthias Burghardt - einen anderen Juristen - hier den 45-Jährigen Kulmbacher - zu befragen hat.

Das Gericht folgt nicht der Anregung des Verteidigers Walter Bagnoli, Hof, dass sein Mandant den "relativ komplexen Sachverhalt" zunächst mit einem Statement selbst darstellt. Der Vorsitzende lässt sich nicht in die Verhandlungsführung reinreden ("Wir müssen schön langsam vorgehen, dass wir alles verstehen") und will lieber Punkt für Punkt abzuarbeiten.

Ein zähes Unterfangen, wie sich herausstellt. Der Ex-Anwalt bemüht sich, weitschweifig und angereichert mit wohlklingenden Begriffen, die wohl etwas mit Wirtschaftsenglisch zu tun haben sollen, seine Beteiligung an den Geschäften zu erklären. Was er nicht schafft: dass die Zuhörer auch nur ansatzweise verstehen, wie diese Photovoltaikanlagen für 80 und noch mehr Millionen Euro hätten finanziert werden sollen.

"Das sagt mir gar nichts. Reden Sie nicht wolkig und wirtschaftlich-schaumschlägerisch. Das bringt uns nicht weiter", sagt der Richter und weist den Angeklagten zurecht, er solle sich nicht auf den Richtertisch lümmeln wie auf eine Theke in der Kneipe. Der Ex-Anwalt lässt sich nicht beirren und bekommt für Aussagen wie "In Rumänien geht es hoch her, ein Tohuwabou, ein absolutes Chaos" erneut einen Rüffel des Gerichts ein.
Und es kommt noch besser. Auf Vorhalt des Richters, dass ein Kreditvertrag über elf Millionen Euro, die der Anwalt von einer spanischen Gesellschaft hätte bekommen sollen, wie "fingiert" aussehe, schimpft der Angeklagte: "Das ist eine Frechheit." Dafür gibt es die nächste Rüge. "Sie haben sich selbst als fähigen Rechtsanwalt beschrieben. Dann müssten Sie wissen, dass sie so was nicht zum Vorsitzenden sagen können. Wir sind nicht im Gerichtsfernsehen", so Burghardt, der den Ex-Anwalt seinerseits auffordert, solche "Frechheiten" künftig zu unterlassen.

In der Sache gibt es nicht viel Neues. Außer jede Menge Worthülsen hat der Angeklagte nicht viel zu bieten, was ihn entlasten würde. Jedenfalls kann keiner nachvollziehen, wie die Geschäfte in den Jahren 2012 und 2013 hätten laufen sollen. "Das ist ein Perpetuum Mobile", meint der Vorsitzende und mutmaßt, dass sich die Geschäfte vielleicht auch nicht erklären lassen.

Die Befragung des Angeklagten wird am Nachmittag fortgesetzt.