Bereits seit mehreren Jahren kooperiert die staatliche "Galerie 4" aus dem tschechischen Eger mit der Stadt Kulmbach. Erste Kontakte stellte damals der heute pensionierte Direktor des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums, Hans-Werner Fischer, her. "Als ich vor vielen Jahren in Prag arbeitete, lernte ich viele Künstler und etwas später auch den Leiter der Galerie, Zbynek Illek kennen", sagte Fischer. Der Bekanntschaft folgten viele Einzelausstellungen, Schulprojekte und seit vier Jahren die jährlichen Sammelausstellungen der "Galerie 4" im Badhaus.

Seit Mittwoch und noch bis zum 13. Oktober gibt es im Badhaus eine spannende Ausstellung mit Fotografien von sechs Künstlern aus Westböhmen zu sehen. "West Side Story II ist die fotografische Umsetzung des Themas", sagte Zbynek Illek. "In Teil I der Ausstellung wurden Werke von Malern und Grafikern präsentiert, dieses Mal geht es ausschließlich um Fotografien."


Verschiedene Stilrichtungen

Vom klassischen Akt bis hin zu Alltagsszenen einfacher Bürger, von grafischen Elementen hin zu alten Fototechniken: für jeden Freund der Fotografie dürfte in dieser Ausstellung etwas geboten sein. Dabei harmonieren die Werke und bilden eine Einheit, so unterschiedlich die Techniken, Stilrichtungen und Umsetzungen auch sind.
Barbora Karpíšková etwa provoziert mit einer Fotoserie in schwarz/weiß. Darauf abgebildet eine junge, nackte Frau mit Glatze, die sich immer weiter in einem Schlauch verfängt. Beinahe entrückt wirkt dagegen der riesige Abzug einer Frau, die in weißen Tüll gehüllt davonzuschweben scheint.

Einfühlsam und doch fordernd sind die Arbeiten von Marie Fišerová, die eine Aktserie auf weißem Bett sowie drei große Abzüge von Körpern im Wald präsentiert.

Ganz anders arbeitet Pavel Hauer, der sich alten Fototechniken verschrieben hat. Seine klassischen Akte sind kolorierte Öl drucke, und wenn man seine Stillleben betrachtet, sieht man vor dem inneren Auge einen Fotografen unter dem schwarzen Tuch verschwinden.

Konzeptuelle Fotografien von Pavel Štýbr, Alltagsszenen von Menschen wie du und ich von Jan Schýbal und Naturfotografien von Borivoj Horínek runden die Ausstellung ab.

Bei einer solch ansprechenden Ausstellung bleibt nur zu wünschen, dass sich Kulmbacher Künstler finden, die im Gegenzug in Tschechien ausstellen wollen. "Auch etwas Größeres wäre durchaus vorstellbar", sagte Jürgen Treppner von der Stadtverwaltung, "die guten Beziehungen sind durchaus ausbaufähig."
Musikalisch wurde die Vernissage am Klavier von Leonie Neubauer und Diane Ernst begleitet.