Draußen regnete es in Strömen, drinnen spendeten 61 fünfarmige Kandelaber warmes Kerzenlicht. Das Weiß der festlich geschmückten Tische und Stühle kontrastierte prächtig zu Roben, Smokings und dem, was die Kulmbacher an so einem Tag an Outfit zu bieten haben. Bei der Ballnacht der sechs Service-Clubs, federführend heuer vom Ladies Circle mi Präsidentin Nicole Neuber an der Spitze und Ball-Präsidentin Cosima Schmidt initiiert, erlebte man wieder ein Fest für Augen und Ohren mit einem kultur- sozialen Hintergrund.

Bevor dieser aber in den Blickpunkt rückte, setzten sich vor allem die Damen ins rechte Licht, glänzten im verführerischem Traum in abgestuften Kardinalsrot mit andalusischem Zigeunertouch oder einem umwerfenden Prinzessinnen-Kleid. Das oben die Reize mi Pailletten verdeckte und nach unten im bauschigen Tüll-Gewebe mündete. Die 21-jährige Julia aus Kulmbach rauschte damit wie eine Adelige durch die Räume. Man sah auch teure Mode nach Pariser Art und Selbstgeschneidertes - der Fantasie waren kaum Grenzen gesetzt.

Schon zu Beginn füllte sich die Tanzfläche zu den Rhythmen der Band "Pik 7", stilistisch warfen die 500 Besucher in der ausverkauften Dr. Stammberger-Halle alles in die Waagschale: vom Eröffnungswalzer über Disco-Fox und lateinamerikanischen Schrittfolgen bis zum wilden Rock'n'Roll. Selbst in den Gängen tanzte man. Als Überraschung gab es die Francaise und weitere elegante Tanz-Figuren der Rokoko-Gruppe des Tanzsportvereins Kulmbach aus der Zeit der Kaiser und Könige. Die Herren und Damen gaben in ihren historischen Kostümen ein schönes Bild ab.


Freudestrahlende Vorsitzende

Der Höhepunkt des Abends und der Nacht: die Auszeichnung mit dem Kultur-und Sozialpreis der Serviceclubs für den Kreisverband der Landjugend Kulmbach. Urkunde und einen Scheck über 3000 Euro nahm die freudestrahlende Vorsitzende Yvonne Hohlweg entgegen.

Warum gerade der Kreisverband ausgewählt wurde, machte Lions-Mann Gerhard Müller in seiner Laudatio als Insider deutlich. Denn der Steuerberater war viele Jahre mit dieser Gruppierung eng verbunden, hatte dort Führungsämter inne und kennt daher die Szene genau. Er würdigte den Kreisverband, zu dem die Landjugenden Großenhül, Rugendorf, Zaubach und Waldau zählen, als "eine Gemeinschaft, die jungen Leuten eine Plattform bietet zum Gedankenaustausch und zu kulturellen und sozialen Aktivitäten". Dazu zählten so schöne Traditionen wie das Binden von Erntekronen oder das Aufstellen des Maibaums.


Weltoffen und gastfreundlich

Weltoffenheit zeige der Kreisverband, so Müller, mit internationalen Jugendbegegnungen, etwa in der Normandie oder in Russland. Völkerverständigung sei eines der Ziele. Zudem beteilige man sich am jährlichen Familien-Fan-Festival, ist vor Ort beim Laienschauspiel präsent oder vor großem Publikum auf der "Grünen Woche" in Berlin.

Zu den herausragenden Taten gehört die 72-Stunden-Aktion, wo Landjugenden freiwillig und unentgeltlich Bushäuschen bauen, Badeweiher und die Terrassen zu einem Dorfladen erneuern, wie in Rugendorf geschehen. "Die jungen Leute aus dem Kreisverband sind aktiv, haben Ideen und packen an", sagte Müller. Daher sei die Auszeichnung verdient.

Und Yvonne Hohlweg weiß auch schon, was mit dem Geld passieren soll: "Wir verwenden es, wenn heuer eine Gruppe Schüler und Studenten aus dem weiten Umkreis von Moskau zu uns kommt. Da lassen wir uns für diese Gäste was Besonderes einfallen."

Zum Ritual der Kulmbacher Ballnacht gehört die Tombola mit über 170 Preisen im Wert von 14 000 Euro. Glücksgöttin Fortuna war Sandra Englisch hold: Sie nahm den Hauptgewinn, eine Damenarmbanduhr im Wert von 745 Euro, mit heim.


Beeindruckendes Modell

Oft umlagert im Foyer war ein wunderschönes Holzmodell der Stadt, das Schüler des Caspar-Vischer-Gymnasiums im Kunstunterricht gebaut hatten. Es wird Ende April in einer spektakulären Aktion verbrannt, um auf den Conraditag im Jahr 1553 hinzuweisen.

Nonchalant führte Rainer Ludwig durchs Programm, was eine Besucherin zu der Feststellung veranlasste: "Seine Stimme gleicht einer Melodie."