Die Raiffeisenbank Obermain Nord machte im vergangenen Jahr beim Bilanzgewinn einen Sprung nach oben. "Dank Kosteneinsparungen, zum Beispiel bei den Verwaltungsaufwendungen und den Abschreibungen, konnten wir im unseren Ertrag von 878 auf 985 Millionen Euro steigern", freute sich Vorstandsvorsitzender Thomas Siebenaller im Gespräch mit der BR. Getrübt wurde seine Freude bei der Mitgliederversammlung in der Kordigasthalle durch das anhaltend niedrige Zinsniveau.

Die massiven Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank bekommen die Kunden der Bank, die Filialen in den Landkreisen Kronach, Kulmbach und Lichtenfels unterhält, deutlich zu spüren: Um die "Ertragskraft der Bank auch künftig zu erhalten", wie es der Vorstand wörtlich formulierte, mussten Maßnahmen zur Kostensenkung ergriffen werden. Seit 1. April gibt es nach Auskunft Siebenallers kein gebührenfreies Konto mehr bei der Genossenschaftsbank.

Der Kunde kann aus drei Kontomodellen auswählen, für die ein monatlicher Grundpreis fällig wird: Für die Tarife "Online" und "Flexibel" beträgt dieser jeweils 2,90 Euro, für das Premiummodell 7,90 Euro. "Zehn Jahre lang hatten wir stabile Kontoführungspreise. Zugleich erhöhten sich in diesem Zeitraum die Kosten für den Zahlungsverkehr merklich. Bislang haben wir diese an die Kunden nicht weitergegeben, obwohl bereits seit drei Jahren die Kosten die Einnahmen in diesem Bereich übersteigen", erläuterte der Vorstandsvorsitzende. Nachdem im vergangenen Jahr dann auch noch der Zinsüberschuss von 17,6 auf 17,2 Millionen Euro gesunken sei, habe man die Reißleine ziehen und den kontofreien Gebührentarif abschaffen müssen.

Filialnetz ausgedünnt

Ferner verwies der Redner darauf, dass das Filialnetz ausgedünnt wurde: Die Niederlassungen in Kirchleus (Landkreis Kulmbach) und Neuensee (Landkreis Lichtenfels) habe man geschlossen, die in Strössendorf und Mainroth (beide Landkreis Lichtenfels) in Geschäftsstellen mit Selbstbedienung umgewandelt.

Beifall spendeten die 460 Mitglieder, als Siebenaller verkündete, dass die Dividende heuer noch einmal vier Prozent betragen werde. Doch beim Nachsatz verfinsterte sich die Miene: "Im nächsten Jahr werden wir nur noch eine Dividende von drei Prozent ausschütten können." Als Grund nannte er gegenüber der Bayerischen Rundschau die niedrigen Zinsen.

An Attraktivität hat die Raiffeisenbank nicht eingebüßt. Die Zahl der Mitglieder hat sich nach Auskunft Siebenallers im vergangenen Jahr von 11 463 auf 11 980 erhöht. Das niedrige Zinsniveau hatte viele von ihnen dazu bewogen, Kredite in Anspruch zu nehmen: Die Kreditvergabe an Privat und Firmenkunden erhöhte sich von 253 auf 269 Millionen Euro, was einer Steigerung von sechs Prozent entspricht. Die Zahl der Mitarbeiter bei der Bank bezifferte er auf 140. Bei der Bilanzsumme ging es abermals nach oben: Sie kletterte von 707 auf 726 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wurden 14 500 Euro an örtliche Vereine, Kirchen und Institutionen gespendet.

Rege Bautätigkeit

Wie den Ausführungen des Redners zu entnehmen war, herrscht bei der Raiffeisenbank Obermain Nord eG derzeit eine rege Bautätigkeit. Im Landkreis Lichtenfels werden mehrere Filialen zu Kompetenzzentren mit zusätzlichen Beratungsräumen umgebaut. In Schwürbitz (Landkreis Lichtenfels) ist die Maßnahme so gut wie abgeschlossen, in Weismain in vollem Gange und in Burgkunstadt in der Planung. Zum Jahresende soll in der ehemaligen Schuhstadt mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Bürgermeister Robert Hümmer würdigte die Raiffeisenbank als bedeutenden Arbeitgeber und verlässlichen Steuerzahler, der mit der Förderung von Vereinen und Schulen seine soziale Ader hervorkehre. Aufsichtsratsvorsitzender Georg Vonbrunn hatte kurz die Arbeit des Gremiums angerissen, Andreas Fischer als zweiter Vorstandsvorsitzender über das konjunkturelle Umfeld, in dem sich das Bankhaus mit Sitz in Altenkunstadt bewegt, referiert.

Die Erlöse aus dem Gewinnsparen kommen der Behinderteneinrichtung Regens Wagner und dem kleinen Luis Hofmann aus Burgkunstadt zugute, der seit seiner Geburt an einer Muskelschwäche leidet.