"Niemand kann so Geschichten erzählen wie Rafik Schami", sagte Geschäftsführerin Maria Rupprecht in ihrer Begrüßung.

Für Groß und Klein schreibt der gebürtige Syrer seit etlichen Jahrzehnten amüsante, melancholische oder auch kritische Erzählungen, und am Montag war er gekommen, um die Kulmbacher auf einen Streifzug durch seine Heimatstadt Damaskus mitzunehmen. Doch wer vermutete, der Autor würde sich an einen Tisch setzen und aus seinem aktuellen Werk vortragen, der war noch nie auf einer Lesung von Rafik Schami. "Ich wollte eigentlich ohnehin nie schreiben", sagte er, "ich wollte immer ein Erzähler sein." Nur weil er irgendwann gefragt wurde, wo man denn seine wunderbaren Geschichten nachlesen könne, habe er angefangen, sie aufzuschreiben.

Und so berichtete Rafik Schami am Beispiel einzelner Straßen und Gassen in Damaskus von seinen Kindheitserlebnissen, von seinem Onkel Salim, dem begnadeten Geschichtenerzähler, von seinen samstäglichen Beichterlebnissen als katholischer Junge oder von orientalischen Handelsgewohnheiten. "Das, was ihr hier in Deutschland Einkaufen nennt, nennt man bei uns Abholen."

Seine Landsleute beleuchtet der Geschichtenmagier dabei mit Humor und Kritik gleichzeitig, beschreibt liebenswert und farbenfroh das Leben in den Straßen von Damaskus und erklärt den Zuhörern die arabische Seele. "Wenn du einen Araber verstehen willst, vergiss nie die Wüste", sagte Rafik Schami, "denn die hat uns geprägt." Die Wüste lasse niemanden Wurzeln schlagen, Überleben sei das Wichtigste. Und dazu erfanden die Araber die Sippe, die weit mehr sei als eine Familie, und in der Zusammenhalt und Gehorsam zum Überleben absolut notwendig seien. "Der Einzelne hat bei den Arabern keinen Erfolg", sagte Schami, "nur leider baut die moderne Zivilisation auf dem Einzelnen auf."

Als junger Student war Rafik Schami Anfang der 70er Jahre gezwungen, aus Syrien vor dem diktatorischen Regime über den Libanon zu flüchten. Ob er sich Deutschland explizit als Ziel ausgesucht habe? "Ich habe damals an zehn Universitäten in ganz Europa und in den USA geschrieben, und die Uni Heidelberg hat am schnellsten reagiert."

Nie wieder in einer Diktatur leben zu müssen, war dabei sein erklärtes Ziel, und deswegen engagiert sich der Autor auch heute aktiv für den Frieden und die Linderung des Leids der Kinder Syriens. Krieg und Hetze sind dem Mann aus Damaskus ein echter Dorn im Auge, und auch die Pegida-Bewegung beobachtet er mit Argwohn: "Das zu sehen macht mich wütend", sagte Rafik Schami, "und ich werde weiterhin aufklären und gegen diese Gesinnung ankämpfen."