Das war Schwerstarbeit für die beiden Hofer Staatsanwälte: Oberstaatsanwalt Peter Glocker und sein Kollege Matthias Goers mussten zum Prozessbeginn gegen einen Kulmbacher Rechtsanwalt vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hof die Anklage verlesen. 30 Seiten, eng beschrieben - es dauerte knapp eineinhalb Stunden.

Demnach wird dem angeklagten Juristen (45) besonders schwerer Betrug in fünf Fällen und versuchter Betrug in drei besonders schweren Fällen vorgeworfen. Der Rechtsanwalt soll gutgläubigen Anlegern, die in Solarparks in Rumänien und Italien investieren wollten, insgesamt mehr als eine Million Euro aus der Tasche gezogen haben.


Immer dieselbe Masche

Dabei ging er immer mit derselben Masche vor: Der Angeklagte gaukelte den Investoren beste Geschäftsbeziehungen zu Großbanken vor und sicherte ihnen zu, dass die Projekte - der Gesamtkapitalbedarf belief sich teilweise auf 100 Millionen Euro und mehr - zu 95 Prozent finanziert werden könnte, wenn vorher fünf Prozent angezahlt würden.

In fünf Fällen hatte der Kulmbacher offenbar Erfolg mit seinem Geschäftsmodell. Er nahm von acht Geschädigten über eine Million Euro ein, die er nicht vertragsgemäß verwendete, sondern auf eigene Konten verschob und für sich ausgab. In einem Schneeballsystem wollte er offenbar mit dem zweiten den ersten Betrug verdecken - und so fort.

Zu dem Zweck hatte der Anwalt Mitte 2013 gemeinsam mit einem Angestellten eine Invest GmbH gegründet, der Mitarbeiter fungierte als Geschäftsführer der Gesellschaft. Doch die Geschäfte flogen schon nach vier Monaten auf: Im November wurden beide verhaftet, die Kanzlei und die Privatwohnungen durchsucht. Der Rechtsanwalt saß bis Herbst 2014 in Untersuchungshaft. Dann musste er gegen Auflagen freigelassen werden, weil das Gericht wegen Arbeitsüberlastung in der vorgeschriebenen Frist keinen Termin für die Hauptverhandlung bestimmen konnte.


"Ich habe zu ihm hochgeschaut"

Dem Mitarbeiter (42) legt die Kammer Beihilfe zum Betrug in einem besonders schweren Fall und zweimal Beihilfe zum versuchten schweren Betrug zur Last. Vom Vorsitzenden Richter Matthias Burghardt dazu befragt, wollte sich der Angeklagte darauf hinausreden, dass er kaum etwas über die Geschäftstätigkeit der Invest GmbH gewusst habe. Seine Aufgabe sei es lediglich gewesen, die Zahlungseingänge auf dem Konto zu überwachen, sagte der gelernte Elektroinstallateur, der nach einer Pleite als Leiter eines Supermarkts und mehrmaliger Arbeitslosigkeit erst seit Anfang 2013 als Praktikant und Bürohelfer für den Anwalt gearbeitet hatte. "Ich habe zu ihm hochgeschaut und ihm vertraut", versicherte der Mann. Er habe darauf vertraut, dass bei dem Rechtsanwalt schon alles seine Richtigkeit haben wird.

"Ich habe die Verträge unterschrieben, aber verstanden habe ich sie nicht", erklärte der 42-Jährige. Was der Vorsitzende nicht glauben mochte: "Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Eimer", sagte Landgerichtsvizepräsident Burghardt.