Das hat es in Himmelkron schon lange nicht mehr gegeben! Geschlagene drei Stunden dauerte die Bürgerversammlung am Mittwochabend im Rasthaus Opel, ehe Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) völlig durchschwitzt das Schlusswort sprach.
Eine knappe Stunde hatte Schneider seinen Rechenschaftsbericht abgelegt, danach hatte Landrat Klaus Peter Söllner (FW) zu aktuellen Themen Stellung genommen. Danach brachten einige Bürger die üblichen Probleme vor. Soweit alles ganz normal.

Eine "Widerstandsbewegung"

Dann nutzte Jochen Neumann die Plattform, um dem Bürgermeister 230 Unterschriften von Himmelkronern und 112 weiter von auswärtigen Bürgern zu überreichen. Sie alle sprechen sich gegen die Ansiedlung eines XXXL Lutz Möbelmarktesaussprachen. Neumann musste allerdings einigen "Gegenwind" einstecken. Vor allem bei seiner Frage "Für wen brauchen wir noch die 400 Arbeitsplätze?", setzte es deutliche Worte der Kritik.
Jochen Neumann stellte sich als Sprecher der Widerstandsbewegung "Gegen den Möbelmarkt XXXL Lutz" vor. Nachdem sich der Gemeinderat für die Ansiedlung ausgesprochen habe, habe er Anrufe bekommen, er müsse als Naturschützer etwas dagegen tun. Es könne nicht sein, dass alles auf der grünen Wiese zugebaut werde. "Wir haben uns dann mit dem Bund Naturschutz und dem Landesbund für Vogelschutz in Verbindung gesetzt. Beide haben sich klar gegen die Ansiedlung ausgesprochen", so Neumann. Ihm sei dann vom Bürgermeister "unterste Schublade" vorgeworfen worden.
Innerhalb von drei bis vier Wochen waren Neumann zufolge "einige Aktivisten" unterwegs, um Unterschriften gegen den Bau des Möbelmarktes zu sammeln. "Alle, die gegen die Monsterstromtrasse sind, müssten eigentlich auch gegen den Monstermöbelmarkt sein. Wenn ich den in Schweinfurt sehe, da kommt mir das kalte Grausen." Neumann sprach auch die Zerstörung der Landschaft an und mögliche Nachteile für Einzelhandel und Gastronomie an.
Gerhard Schneider bedauerte, dass bei dem Pressegespräch mit dem Bund Naturschutz viele Punkte "einfach nicht gepasst" hätten. "Ich biete Euch an, lasst uns miteinander reden." Der Bürgermeister wies darauf hin, dass der BN vor fünf Jahren die landwirtschaftlichen Flächen in Gössenreuth noch als ausgeräumte Flur und ökologisch minderwertig gebrandmarkt habe, jetzt auf einmal seien sie hochwertig. "Das ist für mich schwer verständlich."

Fläche ist viel kleiner

Schneider verwies auf die derzeitige Verfahrenslage und auch auf das Kaufkraftgutachten, das vom Investor vorgelegt werden muss. Die Gemeinde bemühe sich seit Jahren, diese Chance zu ergreifen, die 24 Hektar große Fläche nördlich der B 303 sei seit Jahren als Bauerwartungsland ausgewiesen. Das Vorgehen einer Gemeinde, in einem Zielabweichungsverfahren die Genehmigung für die Ansiedlung eines großflächigen Möbelmarktes zu erhalten, bezeichnete Schneider als legitim. Er habe darüber immer offen und ehrlich informiert. "Wir wussten, dass die Ansiedlung vom Grundsatz her gegen die Ziele der Raumordnung verstößt." Daher strebe man direkt im Ministerium eine Zustimmung an.
Fakt sei, dass es nur um eine Nutzfläche von zehn Hektar geht: "Die gesamte Fläche dieses Gewerbegebietes ist 24,5 Hektar groß und nicht, wie immer geschrieben wird, 40. Ich kann alles überdimensioniert darstellen, damit ich die Leute dazu bringe, dagegen zu sein."
Hans-Günther Naefken machte deutlich, dass bei derartigen Ansiedlungen das Für und Wider abzuwägen ist. Für ihn überwiege die positive Seite. Das Rapsfeld, auf dem heute die Firma Mann+ Hummel angesiedelt ist, habe früher eine Familie ernährt, heute ernähre die Firma 300 Familien." Erwin Tischer pflichtete bei: "Unsere jungen Leute in der Region brauchen die Arbeitsplätze."

Gebäude ist keine Gefahr

"Kümmert euch lieber um die Monstertrasse und die Windräder", rief Uwe Schmidt. Und Norbert Reuther meinte: "Bei der Gleichstromtrasse geht es mir darum, dass da eine Gefahr für die Menschen ausgeht, die hier wohnen. Von einem Glas- oder Betonbau auf der Wiese geht für mich keine Gefahr aus."
Siegfried Degenkolb sprach die Seniorenarbeit in der Gemeinde an. Er schlug vor, im Haus "Schloss" ein Seniorenstift einzurichten.

Heim für Senioren?

Gerhard Schneider kündigte für Herbst Gespräche mit möglichen Partnern an. "Das ist ein wichtiges Thema, aber das lässt sich nicht über das Knie biegen."
Erwin Tischer erkundigte sich nach dem Stand der Sanierungsarbeiten am "Adlersaal". Die Diakonie ist laut Schneider bemüht, diese mit einem Kostenaufwand von 500 000 Euro umzusetzen.
Erich Lange klagte über den fehlenden Gehweg in der Bernecker Straße.