Kleine Ursache, fatale Wirkung: Kürzlich ist ein 88-Jähriger, der mit dem Rollator unterwegs war, am Holzmarkt gestürzt. Schuld daran war ein Gully, dessen Einfassung deutlich über die Pflasterung des Weges hinausragte. Eine böse Stolperfalle. "Da müssen wir was machen", sagt Renate Oberdieck. Sie ist Mitglied des Seniorenbeirats, hat von dem Fall erfahren und trägt ihn bei der Seniorensprechstunde im Rathaus ihren Gremiumskollegen vor. Vorsitzende Christina Flauder notiert das Problem, gibt es gleich an die Stadtverwaltung weiter. Schon am nächsten Tag ist das Problem gelöst: Bauhof-Mitarbeiter passen die Pflasterung an. "Das hat auf Zuruf geklappt, ohne dass wir dafür extra einen Antrag stellen mussten", freut sich Flauder.

Nicht immer kann der Seniorenbeirat so fix helfen, aber die Mitglieder sind geübte Problemlöser mit einem starken Netzwerk an Kontakten.


Vermittler und Berater


"Oft wenden sich Menschen auch wegen Betreuungs- oder Pflegefragen an uns. Wir stellen dann einen Kontakt zu den zuständigen Stellen her oder organisieren einen Beratungstermin. Dabei arbeiten wir eng und sehr gut mit dem Landratsamt und auch mit den Betreuungsvereinen und den Trägern der verschiedenen Einrichtungen zusammen."

Themen, mit denen man sich im Rathaus beschäftigen muss, gibt es auch immer wieder. So wurde vor einigen Jahren auf Anregung des Seniorenbeirats ein Fußgängerüberweg in der Spitalgasse geschaffen, damit Bewohner und Mitarbeiter des Bürgerhospitals sicher zwischen den Gebäuden links und rechts der Straße queren können.


Wo gibt's Handlungsbedarf?


Bei der jüngsten Sprechstunde wurde noch ein weiteres Spitalgassen-Problem diskutiert: Tiefe Fugen zwischen den Pflastersteinen sind für alle, die auf eine Gehstütze, auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, ein Ärgernis. Allerdings ist der Überweg intakt, so dass kein sofortiger Handlungsbedarf besteht. Dennoch wünschten sich die Seniorenbeiräte, dass die ausgewaschenen Fugen möglichst bald wieder aufgefüllt werden.

Andere Probleme sind schwieriger zu lösen. Beispiel Taubenplage. Die Vögel nerven die Bewohner des Mainparks, zu denen auch Renate Oberdieck gehört, die deren Beschwerden deshalb gut nachvollziehen kann. Schilder mit dem Hinweis "Tauben füttern verboten" hätten bislang leider gar nichts genutzt, bedauert sie. "Es gibt immer wieder Leute, die die Tauben füttern, und dann kommen die natürlich in Scharen. Sie gehen auf die Balkone und sogar in die Wohnräume der Appartements. Wenn man den Taubendreck dann auf dem Kaffeetisch hat, ist das einfach eine Sauerei."

Gedanken macht sich Renate Oberdieck auch wegen des Taubenkots auf dem Mehrgenerationenspielplatz neben dem Mainpark. "Da rutschen die Kinder im Taubendreck rum. Das muss ja auch nicht sein."

Der Seniorenbeirat habe sich mit dem Taubenproblem schon öfter beschäftigt", sagt Christina Flauder. "Aber das ist wirklich schwer zu lösen. Wir appellieren deshalb weiter an die Einsicht der Leute, nicht zu füttern."

Neben konkreten Arbeitsaufträgen ist den zwölf Seniorenbeiräten die Kontaktpflege zu den Pflegeheimen wichtig. Im September haben sie sich eine ganze Woche lang Zeit genommen und jeden Nachmittag eines der fünf Kulmbacher Altenheime besucht. Beim gemeinsamen Kaffeetrinken gehen die Seniorenbeiratsmitglieder von Tisch zu Tisch, sprechen mit Bewohnern und Angehörigen. Stellvertretende Vorsitzende Helga Kern: "Da geht es dann weniger um Wünsche an uns als um Beziehungspflege und Aufmerksamkeit. Wir nehmen uns Zeit fürs Gespräch und zum Zuhören."


Direkter Draht ins Rathaus


Den Kulmbacher Seniorenbeirat gibt es schon seit mehr als 30 Jahren. Christina Flauder ist seit 26 Jahren dabei, seit 20 Jahren ist sie die Vorsitzende. Sie sieht das Gremium als etwas sehr Wertvolles an: "Wünsche, Ideen und Anregungen finden über den Seniorenbeirat direkt den Weg ins Rathaus. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil das Älterwerden heute ganz anders erlebt wird als früher." Senioren können und wollen das Leben in ihrer Stadt mitgestalten, weiß die Beiratsvorsitzende. "Deshalb freuen wir uns über jeden, der mit seinem Anliegen zu uns kommt."