Das erste Premierengewitter ist verzogen, und mit ihm, wie vorausgesagt, das erste Lampenfieber. Und obwohl die weit über dreißig Darsteller von Beginn an bis zum stimmungsvollen Schlussgesang im Dauerregen auf der Bühne stehen und sogar liegen mussten: Sie sind ja einiges gewohnt, steckten diese Widrigkeiten erstaunlich gut weg und durften sich am Ende völlig zu Recht vom ausverkauften Haus mit teilweise hochdekoriertem Publikum stürmisch feiern lassen. Einhellige Meinung aller Beteiligten: Von den Begleitumständen her kann es eigentlich nur besser werden.

Doch Vorsicht. Bereits an diesem Freitag um 20.30 Uhr droht mit der "Schlammschlacht" (Autor Fitzgerald Kusz) neues Ungemach, allerdings ganz anderer Art. Vieles deutet darauf hin, dass auf dem Wehlitzer Berg diesmal "schmutzige Wäsche" gewaschen wird. Und zwar wegen einer Kläranlage, in der eigentlich alles Schmutzige gereinigt werden sollte.

Dabei geht es in diesem ebenso bösartigen wie witzigen Stück nicht nur um den Schlamm aus dieser Anlage, sondern auch um den "Schlamm", mit dem ein gewiefter Kommunalpolitiker die eigennützigen Interessen der Bauausschuss-Mitglieder dazu benutzt, seine eigenen Wünsche zu verwirklichen, ohne dabei seinen eigenen Vorteil zu vernachlässigen. Ob nach einem Defekt der neuen Kläranlage tatsächlich Schlamm - mit all seinen Folgen, zum Beispiel üble Gerüche - die Bühne überschwemmt, oder die Schauspieler so gut spielen, dass dieser nur in der Fantasie der Zuschauer entsteht, bleibt - zumindest bis zur Premiere - noch "ungeklärt".
"Die Schlammschlacht" ist kein Volksstück im eigentlichen Sinn, kein Schenkelklopfer, sondern eher eine Farce, ein satirischer Politthriller. Regisseur Rainer Streng ist überzeugt: "Viele im Publikum werden sich vielleicht denken, das kenne ich aus der einen oder anderen Gemeinderatssitzung oder aus der großen Politik. Eben wie aus dem Leben gegriffen."

"Die Stimmung im Team ist sehr gut, die Proben waren lustig, das ist für das Stück sehr wichtig", sagt Streng. Trotz des relativ ernsten Themas habe man versucht, durch Musik, Gags und Sprachwitze sehr viel Humor hineinzubringen, damit es für das Publikum unterhaltsam wird. "Durch das überschaubare Ensemble war es möglich, einzelne Charaktere sehr gut herauszuarbeiten." Zwar dreht sich fast alles um den Bürgermeister. Aber es gibt auch andere Typen, die versuchen, ihre eigenen Zielvorstellungen um- und durchzusetzen: den Wirt, Alternative, Besserwisser, eine überkandidelte Bedienung.

Eine Simultanbühne erspart große Umbauten während des Stücks. Damit können die Akteure von einer Szene zur nächsten springen, und die Unterbrechungen für das Publikum so gering wie möglich halten. Die Kulisse beschränkt sich auf ein Beauty-Studio, ein Forsthaus, eine Putenfarm, und den Gasthof "Schwarzer Adler", in dem nicht nur die - meistens nichtöffentlichen - Sitzungen des gemeindlichen Bauausschusses stattfinden, sondern auch das große Feuerwehrfest gefeiert wird. Bei der Technik wird auf unnötigen Firlefanz verzichtet.


Bissige Kritik

Fitzgerald Kusz ist bekannt dafür, menschliche Schwächen und gesellschaftliche Fehlentwicklungen mit überzeichnender Ironie bloßzulegen. Auch bei diesem Stück übt er bissige Kritik an unserer Gesellschaft. Bleibt nur noch abzuwarten, ob der fränkische Autor, der sich zur Premiere angemeldet hat, sein Stück wiedererkennt. Oder ob es ihm wie 2012 ergeht. Da war Fitzgerald Kusz nicht unbedingt darüber begeistert, dass der Regisseur bei der Inszenierung seines Stücks "Unkraut" Männer in Frauenkleidern auftreten ließ. Die Naturbühne Trebgast will mit dieser politisch unkorrekten und "anrüchigen" Kloakenkomödie um Geklüngel und Vetterleswirtschaft aufzeigen, wie brisant modernes Volkstheater sein kann.


Kusz kommt zu seiner "Kloakenkomödie" nach Trebgast - Interview

Lieber Fitzgerald, was fällt Dir zu Trebgast ein?
Fitzgerald Kusz: Seit "Unkraut", das 1987 zum ersten Mal in der wunderbaren Regie von Jürgen Peter und mit Liedern des noch unbekannten Wolfgang Buck aufgeführt wurde, bin ich freundschaftlich mit der Naturbühne verbunden. Ich friere gerne mit. Als Mittelfranke hat man es gern ä weng wärmer.

Die Aufführung Deines letzten Stückes auf der Naturbühne vor fünf Jahren - "Unkraut" - ist vielen Zuschauern noch als Gruselkabinett der Madame Tussaud in Erinnerung. Stichwort Geschlechtertausch: bärtige Mannsbilder drei Stunden auf Stöckelschuhen, Frauen testosterongeschwängert in tiefem Bass.
Da hat wieder mal das Regietheater zugeschlagen, das ohne Rücksicht auf Verluste ein starres Konzept durchsetzt. Der Text des Autors darf dabei ruhig auf der Strecke bleiben.

Deine "Schammschlacht" wurde 2006 am Ohnsorg-Theater uraufgeführt. Die Kritiker waren aus dem Häuschen. Warum aber Hamburg? Gibt es in Franken keinen Schlamm?
Es war ein Auftrag des Ohnsorg-Theaters, aber geschrieben habe ich das Stück in meinem landnürnberger Dialekt, der dann ins Plattdeutsche übersetzt wurde. Aus "Schlammschlacht" wurde "Slammslacht." In dieser Spielzeit hat nun das Stück endlich Bayern erreicht. Fünf Theater haben sich dafür entschieden!

Kusz und knackig gesagt, worum geht es in dem Stück ?
Um Kommunalpolitik, Kuhhandel und Korruption, die unausrottbare "Bauernschläue" .

Die Männer sind ja recht normal - durchschnittlich korrupt und sexuell aktiv. Die Frauen aber sind schon heavy: Ökotussi, Exprostituierte, Dorfschlampe. Wer wählt sowas in den Gemeinderat?
Ohne Zuspitzung gibt es kein Theater! Die "Schlammschlacht" ist eine politische Satire. Da muss doch jeder "Schlamm" am Stecken haben.

Am Freitag ist Premiere. Du sitzt in der ersten Reihe?
Klar, Kusz kommt.

Und erwartest?
Dass der Himmel gefallen an der Kloakenkomödie findet und keinen Sturzbach schickt wie beim "Luther".

Das Gespräch führte Wolfgang Schoberth.