Nur wenigen ganz Großen der Unterhaltungsmusik des 20. Jahrhunderts wiederfährt das, was auch die klassische Musik ausmacht: sie werden interpretiert, nachgespielt, immer wieder aufgeführt. Bei Elvis Presley ist das so, bei Abba, natürlich bei den Beatles und bei der englischen Rockband Queen. Zahlreiche Ensembles touren um die Welt, um die Musik des englischen Quartetts am Leben zu halten und immer wieder neu aufzuführen. So auch das Queen-Tribute mit dem witzigen Namen "God save the Queen" - eine fabelhafte Revival-Band rund um Frontman Harry Rose, der den charismatischen Freddie Mercury gibt. Das Queen-Tribute am Dienstagabend war zugleich der Auftakt zu den Plassenburg-Open-Airs, die heuer an sechs Abenden hintereinander mit einem überaus abwechslungsreichen Programm auf einen neuen Besucherrekord zusteuern.
1970 gegründet, hatte das englische Quartett Queen um den Gitarristen Brian May, dem Schlagzeuger Roger Taylor, dem Bassisten John Deacon und Sänger Freddie Mercury mit großem technischen Aufwand eine Mischung aus Led Zeppelin, Black Sabbath und Yes-Versatzstücken präsentiert , die mit der Attitüde des Glamrocks vermischt wurde. Unumstrittener Mittelpunkt der Queen-Shows war freilich Freddy Mercury, der die Songs mit operettenhafter, oftmals pathetischer Geste unverwechselbar performte. Die perfekte Show stand dabei stets im Vordergrund. Queen nutzten für die Liveaufführung ihres pompös arrangierten Kunstrocks die jeweils neuesten Techniken für Akustik und Licht. Die Musiker übertrafen dabei mit Gespür für den richtigen dramatischen Zeitpunkt stets alle anderen Bands in der Größe der Ton- und Lichtanlagen und Spezialeffekte.
Das alles ist für eine Coverband schwer nachzumachen. Doch das Konzept von "God save the Queen" ging auf, mit einer Mischung aus täuschend echt interpretierten Queen-Songs und eigenen kreativen Stilistiken. Die Vollblutmusiker überzeugten selbst eingeschworene Fans und luden zu einem außergewöhnlichen, über zweieinhalbstündigen Konzerterlebnis ein. Als Freddy Mercury überzeugte Frontman Harry Rose nicht nur optisch im typischen Mercury-Outfit, sondern auch stimmlich gerade in den anspruchsvollen Passagen, und da gibt es bei Queen einige. "Who wants to live forever" ist so eine Ballade, bei der Rose seine opernhafte Stimme voll aussingen kann. Aber auch die typischen Angewohnheiten von Freddie Mercury hat sich Harry Rose längst zu eigen gemacht. Der Mikrofonständer ist für ihn Tanzstange und Luftgitarre zugleich, die (englischen) Ansagen hat er sich von "Queen live at Wembley 1986" abgehört, und die linke Faust reckt er beinahe bei jedem Song pathetisch gen Himmel.
"God save the Queen" gab das her, was Queen ausmachte: die ersten Songs, die noch deutlich vom Hardrock der frühen 1970er Jahre beeinflusst waren, aber auch die Queen-Ära ab 1975 als die Band das Album "A night at the opera" veröffentlichte. Darauf war unter anderem der Song "Bohemian Rhapsody" zu finden, der nun die neue Richtung vorgab und auch in Kulmbach - hervorragend interpretiert - nicht fehlen durfte. Queen wurden damals glatter und stellten das hymnenhafte Pathos in den Vordergrund. All das hatte die Cover-Band hervorragend realisiert und umgesetzt. Genau das brachten sie auf die Open-Air-Bühne des Schönen Hofes der Plassenburg: eine gelungene Kombination aus brillantem Sound, einer aufwändigen Lichtshow und schrillen Kostümen. Auch und besonders bei "I want to break free": Wie im Originalvideo kommt Frontman Harry Rose als Frau verkleidet auf die Bühne und tänzelt mit einem Staubsauger.
Auch die dritte Queen-Periode fehlte nicht, als sie Band ab den 1980er Jahren wohl auch als Reaktion auf Punk und New Wave, ihren zuckrigen Sound sparsamer einsetzte und stattdessen Funk und Disco-Einflüsse zuließ. Ihre Hits belegten damals die höchsten Chart-Positionen, live war das Quartett ein unvergleichliches Erlebnis. All das brachte die Coverband hervorragend rüber inklusive eines fulminanten Schlusses mit den Hymnen "I want it all", "We will rock you" und "We are the champions". Queen lebt und wird überleben, das hat dieser Abend deutlich gemacht.