Rosenkohl dünstet vor sich hin, er wird sich bald als Beilage zu einem Braten gesellen. Mit geübter Hand schmort Karl-Heinz Schröder das Stück Fleisch an. Ein Duftteppich wabert durch die Küche im "Weberhof". Doch der 56-Jährige wird hier bald die Herd-Tür ein letztes Mal hinter sich schließen. Aus, vorbei - nach sechs Jahren.

"Es war meine eigene Entscheidung", bekundet Karl-Heinz-Schröder. Er selber war es, der den Pachtvertrag vorzeitig gelöst hat. Bis Mai 2018 war eigentlich alles geregelt mit der Nährmittelfabrik Lumen, die quasi Wand an Wand liegt und seit 2014 Eigentümer des "Weberhofs" ist. Doch der gelernte Metzgermeister und Betriebswirt war im Internet auf eine Anzeige gestoßen, die ihn elektrisierte: In Untersteinach stand seit längerem der "Lindengarten" an der Hauptstraße leer.

Ein typisch fränkisches Lokal: roter Klinkerbau, dazu Biergarten, Dachterrasse und eine große Wohnung: Für den 56-Jährigen viele gute Gründe, sich das Objekt mal näher anzuschauen. "Die Wohnung ist ein Aspekt, weil ich die im Ruhestand selber nutzen kann. Im ,Weberhof' wohne ich ja zur Miete und hätte da dann früher oder später raus gemusst." Das größere Platzangebot im Freien war ein weiteres Argument, das in Karl-Heinz Schröder schließlich den Entschluss reifen ließ, das Gebäude zu kaufen. Im Dezember machte er Nägel mit Köpfen. "Ich muss noch einiges renovieren und reinstecken, aber ich habe ein gutes Gefühl dabei." Schon im Mai will er eröffnen.

Die Nachricht hat sich schnell verbreitet. "Ich gebe zu, von meinen Stammkunden in Kulmbach sind nicht alle begeistert, dass ich gehe. Ich habe mit vielen gesprochen, auch mit den Mitgliedern der diversen Stammtische, die sich hier treffen. Ich hoffe, einige ziehen einfach mit mir um", sagt der Wirt und lächelt. "Ich kann wohl in aller Bescheidenheit sagen, dass ich mir einen gewissen Namen erarbeitet habe, und hoffe, dass die Menschen auch zu mir nach Untersteinach kommen."

Die Speisekarte dort soll im Großen und Ganzen vergleichbar sein mit der jetzigen im "Weberhof": gut bürgerliche Küche - und sonntags und während der Saison Wildgerichte. Schröder ist Jäger, hat ein eigenes Revier in Grafendobrach. Zusätzlich plant er, seine Auswahl an Steaks zu erweitern.


Keine Steine in den Weg gelegt

"Die Entscheidung von Herrn Schröder kam für uns durchaus überraschend", sagt Lumen-Geschäftsführer Harry Sembach. Der Wirt sei Ende Dezember an ihn und seinen Kollegen Uwe Täuber herangetreten und habe um Auflösung des Pachtvertrags gebeten. "Wir haben in all der Zeit eine gute Kooperation mit ihm gepflegt und wollen ihm deshalb auch keine Steine in den Weg legen. Deswegen haben wir zugestimmt", sagt Sembach.

Wie es danach im "Weberhof" weitergeht? "Das müssen wir jetzt erst einmal überlegen und auch mit der Firma Ireks besprechen. Da ist jetzt erst einmal alles offen." Sembach tritt aber einem Gerücht entgegen, wonach anstelle der Gastronomie Sozialwohnungen entstehen könnten. "Da hat sich offenbar ein Missverständnis in der Öffentlichkeit verselbstständigt. Solche Wohnungen dürften wir als private Geschäftsleute ja gar nicht bauen."

Mit einem weinenden Auge verfolgt der Kulmbacher FDP-Kreisvorsitzende Thomas Nagel die Entwicklung. "Wir sind mit unseren Mitgliedern und Gästen seit langem gerne im ,Weberhof' ein- und ausgegangen. Da müssen wir uns nun nach Alternativen umsehen." Es wäre schade und bitter, so Nagel, wenn ein weiteres urtypisches Kulmbacher Wirtshaus von der Landkarte verschwindet. Was künftige Termine etwa der FPD-Ortsverbände im Landkreis angeht, "so werden wir sicher auch bei Karl-Heinz Schröder in seinem neuen Lokal in Untersteinach vorbeischauen".