Verantwortungslose Hundehaltung: Am vergangenen Samstag wurde ein Neunjähriger von zwei Rottweilern angegriffen, als er am Grundstück eines Hundehalters im Ortsteil Ziegelhütten vorbeiging. Beim Versuch, zu entkommen, stürzte er und erlitt neben der Bisswunde am Arm eine stark blutende Platzwunde am Kopf. Angesichts dieses Vorfalls fordert die Tierrechtsorganisation Peta die Einführung eines sogenannten Hundeführerscheins in Bayern: Ein solcher Nachweis könne sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen und die Signale ihres Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter sei unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern. Zudem vermittele das Training Kenntnisse über die Anforderungen der Hundehaltung, die für ein tiergerechtes Leben der Hunde unerlässlich seien.


Ursache für Attacken beim Halter zu suchen - nicht beim Tier

"Offenbar können viele Halter ihre Hunde nicht einschätzen. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen - nicht beim Tier. Die Hunde hätten gar nicht vom Grundstück entkommen und in die Nähe des Jungen gelangen dürfen", so Dörte Röhl, Tierärztin und Fachreferentin bei Peta. "Jeder Hund, der falsch gehalten und behandelt wird, kann zu einer Gefahr für den Menschen werden - unabhängig davon, ob er einer ,Rasse' angehört oder ein Mischling ist."


Hundeführerschein: Theorie und Praxis

Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, bei dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend an den theoretischen Kurs folgt für Halter und Hund ein gemeinsames obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule.


Hundeführerschein: In Niedersachsen seit 2013 Pflicht

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen - der allgemeine Hundeführerschein ist dort seit Juli 2013 verpflichtend. Wer in München nach dem 1. Mai 2014 einen Hundeführerschein absolviert hat, kann sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen. In Mannheim gilt eine zweijährige Steuerbefreiung für alle Hunde, deren Halter den Hundeführerschein nach dem 1. Januar 2016 erworben haben. Wer in Berlin ab dem 1. Januar 2017 einen Hund neu aufnimmt, ist dazu aufgefordert, sich die notwendige Sachkunde anzueignen.


Die Einführung eines Hundeführerscheins hat einen weiteren Vorteil: Sie kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit dem Thema Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt "angeschafft" wurden.