Mitte der Neunziger Jahre wurden 90.000 Besucher auf der Plassenburg gezählt. 2014 waren es gerade mal noch 33.000. "Wir haben im Zeitraum von 20 Jahren zwei Drittel weniger Gäste. Das stimmt nachdenklich", sagt OB Henry Schramm (CSU). Früher seien Burgen gebaut worden, um Schutz zu bieten, heute müsse man versuchen, Burgen zu öffnen, erklärt das Stadtoberhaupt, das die negative Entwicklung auch auf die aus seiner Sicht schlechte Erschließung des Kulmbacher Wahrzeichens zurückführt. Die Burg sei schwer zu erreichen.

Schramm: "Auch bei Hochzeiten. Man kann festlich gekleideten Damen mit Stöckelschuhen nicht zumuten, mit dem Plassenburg-Express zu fahren."


Testphase nicht ausreichend

Schramm will die Öffnung für den Individualverkehr, nicht nur um den Festsaal besser vermarkten zu können, natürlich vor allem, um mehr Besucher in die Museen zu locken. Die Schlösserverwaltung will im November erst einmal eine Testphase starten. Über den Winter dürften Autos dann in den Burghof fahren. Dies wäre ein Schritt in die richtige Richtung, der aber nicht ausreiche, sagt dazu OB Schramm. Denn gerade für die besucherstarke Zeit sei eine Lösung notwendig.

Er fordert, auf dem ehemaligen Reitgelände auf der Seite zum Buchwald hin einen größeren Parkplatz auszuweisen, der über den Kasernenhof erschlossen werden könne. Die Sicherheitsbedenken, die die Schlösserverwaltung hinsichtlich des Feuerschutzes angebracht habe, dürften kein Hindernis sein. Die Stadt würde mit der Feuerwehr nach einer Lösung suchen, verspricht Schramm, der sich wünscht, dass auch Busse wieder im Kasernenhof parken können.


Die Forderung an München

Der OB hofft, dass die bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen seinen Vorschlag noch einmal eingehend prüft. Es habe in den neun Jahren seiner Amtszeit viele Willensbekundungen in Sachen Erschließung gegeben. "Getan hat sich aber nicht viel". Dabei müsse seine Forderung eigentlich im Interesse der Schlösserverwaltung sein, "die viel Geld in den Bauunterhalt investiert".

"Was nützt die schönste Baumaßnahme, wenn die Leute nicht auf die Burg kommen?", fragt der Oberbürgermeister. Er habe die Problematik auch Heimat- und Finanzminister Markus Söder erläutert und hoffe, dass dieser dazu beiträgt, "eine pragmatische Lösung" in die Wege zu leiten.


Söder müsste schlichten

Söder müsste da wohl schlichten. Die Schlösserverwaltung erteilt Schramms Forderung nach neuen Stellflächen auf dem früheren Reitgelände nämlich eine klare Absage. Aus Sicherheitsgründen sei auch künftig ein Parken hinter dem Tor zum Buchwald ausgeschlossen, heißt es aus München. Wie Pressesprecherin Cordula Mauß mitteilt, ist die Burg während der Öffnungszeiten der Museen für den Individualverkehr gesperrt worden, weil man aufgrund chaotischer Parkverhältnisse die öffentlichen Sicherheit und Ordnung nicht mehr habe gewährleisten können.

Mauß spricht von einem konstruktiven Dialog, in dem man wegen einer möglichen Öffnung des Kasernenhofes als Parkplatz mit der Stadt stehe. Diese Aussage bezieht sich allerdings nur auf die Testphase. Man könne sich vorstellen, "das Parken im Kasernenhof probeweise im nächsten Winterhalbjahr durchzuführen", schreibt Mauß. Eine Ausweitung auf den Sommer sei aufgrund des höheren Besucherzustroms nicht geplant.


Stadt ist gefordert

Auch der Winter-Test scheint noch nicht sicher. Die Schlösserverwaltung weist darauf hin, dass es für das Freihalten der Anfahrtszonen für die Feuerwehr und die Aufstellflächen unverzichtbar sei, "dass die Überwachung des ruhenden Verkehrs auf der Burg durch die städtische Verkehrsüberwachung durchgeführt wird".

Man gehe davon aus, "dass die Stadt die Räumung des Burgbergs auf der Prioritätenliste nach oben setzt, um ihrerseits die Zufahrt zu gewährleisten". Mauß schreibt dazu weiter: "Wenn alle Fragen geklärt sind, starten wir gerne den Pilotversuch, bei dem wir mögliche Probleme wie die begrenzte Anzahl an Parkplätzen im Auge behalten werden müssen."


"Keine Ideallösung"

Wie Schramm sieht auch der Verein Freunde der Plassenburg die Testphase über den Winter nur als einen ersten Schritt. "Wir hoffen seit vielen Jahren, dass sich in Sachen Erschließung endlich was tut", sagt Vorsitzender Peter Weith. Er wünscht sich, dass Pkws auch im Sommer hoch zur Burg fahren dürfen, und hält es für möglich, das Reitgelände zu erschließen, um dort zusätzliche Stellflächen auszuweisen.

"Durch das Burgtor fahren ja auch jetzt schon Autos zu den Privathäusern." Schramms Vorschlag sei ein Denkanstoß, den man auf jeden Fall weiter verfolgen sollte. Die bestehende Erschließung mit dem Bus pendel-Verkehr ist auch aus seiner Sicht "keine Ideallösung".