"Am Himmel ist auch viel weniger los", sagt Jasmin Stricker und erntet ein energisches "Stopp!" von ihrem Gegenüber. Fahrlehrer Thilo Holthaus steht auf, greift sich seinen Tablet-PC und ruft die Internetseite "Flightradar 24" auf. Auf einer Onlinekarte Deutschlands sieht man eine Vielzahl sich bewegender Flugzeuge.


Fast jedes Flugzeug fliegt mit Autopilot


"Schauen Sie, über uns ist jede Menge los. 90 Prozent der Maschinen fliegen mit Autopilot - und es funktioniert", erklärt Holthaus, der ein Kleinflugzeug der Marke Cessna fliegt. Und die 22-jährige Studentin, die den Führerschein der Klasse BE (Pkw mit Anhänger) erworben hat, atmet tief durch.

Beim Gedanken, sich in ein selbstfahrendes Auto zu setzten, hatte die junge Dame soeben noch das Gefühl beschlichen, ohne Lenkrad einer Maschine ausgeliefert zu sein. Der 55-jährige Stadtsteinacher, Geschäftsführer beim Verkehrsinstitut Bayern mit Sitz in Kulmbach, bringt Verständnis für die Skepsis der Untersteinacherin auf. Zugleich verfangen seine Argumente für das autonome Fahren. Holthaus ist ein Befürworter der Digitalisierung im Straßenverkehr. Einer, der sich das autonome Fahren herbeiwünscht und einen Satz sagt, den man von einem Fahrlehrer nicht erwartet hätte: "Das Autofahren nervt mich." Den Spaß am Fahren habe er schon lange verloren, gibt Holthaus zu. "Weil auf den Straßen nur noch Hektik und Gehupe herrscht." Seine Forderung: "Wir brauchen intelligente Verkehrsleitsysteme und intelligente Fahrzeuge!"


Komfortabel und sicher


Das autonome Fahren ist derzeit in aller Munde. Kaum ein Tag vergeht, an dem die Medien keine neue Meldung zu diesem Thema verbreiten. Entwicklungschef Klaus Fröhlich von BMW sprach in "Autobild" von "einem digitalen Diener, der das mobile Leben einfacher, komfortabler und sicherer macht". Der BMW i soll ab 2021 emissionsfrei und computergesteuert auf unseren Straßen fahren. Hat in diesem Szenario die Fahrschule noch ihren Platz?

VW-Digitalchef Johann Jungwirth war in einem Interview mit der dpa überzeugt: "Meine Kinder brauchen keinen Führerschein mehr!"

"Müssen Sie sich nach einem neuen Job umschauen?" Fahrlehrer Stefan Teufel lächelt nur müde. Angst um seine Zukunft macht sich der Mainleuser Fahrlehrer, der in Burgkunstadt und Kulmbach Filialen betreibt, keine. "Wir müssen den jungen Leuten den korrekten Umgang mit den Fahrassistenzsystemen beibringen, die in immer mehr Fahrzeugen verbaut sind."


Viele Autofahrer sind abgelenkt


Der 48-Jährige lässt den Worten Taten folgen: Seinem Schüler Fabian Neubauer aus Burgkunstadt erklärt er den Parklenkassistenten in seinem Fahrschulauto: "Du musst nur noch Gas geben, Kuppeln und Bremsen. Das Lenken übernimmt das Fahrzeug."

Seinen Fahrschülern impft er ein, sich nicht blind auf die elektronischen Helfer zu verlassen, sondern sich auch weiterhin auf den Verkehr zu konzentrieren. "Möchten Sie, dass ein Mensch hinter dem Steuer eines teilautonomen Fahrzeuges sitzt, der von der Straßenverkehrsordnung keine Ahnung mehr hat?", gibt er zu Bedenken und erntet Zustimmung von seinen Schülern.


Noch Zukunftsmusik


Das Lenkrad komplett aus der Hand zu geben, ist noch Zukunftsmusik. Autonomes Fahren ist für Thilo Holthaus aber auch ein Beitrag zu mehr Sicherheit. Der Experte beklagt, dass sich immer mehr Fahrer von Handy, iPad & Co. ablenken lassen. Seine Schlussfolgerung: "Wir brauchen etwas, das ihnen die eigentliche Tätigkeit, die sie nicht mehr erledigen wollen, abnimmt." Das sei das vollautonome Auto ohne Lenker und Pedale, für das man dann auch keinen Führerschein mehr benötige.

Rund 3500 Verkehrstote gab es im vergangenen Jahr in Deutschland. Über 90 Prozent aller Unfälle waren auf menschliches Versagen zurückzuführen. "So schlecht kann die Technik nicht funktionieren, dass sie so viele Fehler macht wie der Mensch", ist sich Holthaus sicher. Er möchte auch noch mit 85 Jahren mobil sein. Der Stadtsteinacher freut sich schon auf die vollautonome Zukunft: "Dann werde ich gemütlich mit meiner Frau im Wohnmobil während der Fahrt Kaffee trinken."


Was sagen junge Fahrschüler?


Wie denken junge Leute über das autonome Fahren? Wir haben uns in der Fahrschule Pühlhorn-Teufel in Burgkunstadt und im Verkehrsinstitut Bayern in Kulmbach umgehört.

Der Gedanke, auf den Führerschein zu verzichten, weil vielleicht in ein paar Jahren das vollautonome Fahren eingeführt wird, kam Louisa Kern nie. Der 16-Jährigen gibt er ein Stück mehr Selbstständigkeit. Außerdem, so die Burgkunstadterin, sei das autonome Fahren noch nicht annährend so weit entwickelt, dass es eine relevante Rolle für die jetzige Führerscheingeneration spiele. "Es gibt Risiken. Auch rechtliche Fragen, wie die Haftung im Falle eines Unfalls, müssen noch geklärt werden", betont die Schülerin.

"Wer weiß, vielleicht kommt das vollautonome Fahren erst in 15 oder 20 Jahren?", so Celine Fischer aus Hochstadt. Bis dahin brauche sie den Führerschein, der ihr mehr Mobilität verleihe, erklärt die 17-Jährige.
Fabian Neubauer kann sich vorstellen, einmal ein vollautonomes Fahrzeug zu fahren. "Allerdings nur auf längeren Strecken", schränkt der Burgkunstadter ein. Die selbstfahrenden Systeme müssten gut entwickelt sein, meint der 17-Jährige.

Als Liebhaber alter Autos gibt sich der Kulmbacher Fabio Hühnlein zu erkennen. Das kommt nicht von ungefähr: Die Eltern des 17-Jährigen fahren einen Toyota Corolla und einen VW Polo, die beide rund 25 Jahre auf dem Buckel haben. "Ich mag alte Autos, an denen man noch selbst herumbasteln kann und nicht wegen jeder Kleinigkeit zur Werkstatt muss." Er würde nur im Notfall in ein autonomes Fahrzeug steigen, weil ihm der Fahrspaß wichtig sei.


Auf Verkehr vorbereitet


Jasmin Stricker
findet es wichtig, dass junge Menschen auch weiterhin auf den Verkehr vorbereitet werden. "Ich würde mich niemals komplett auf ein teilautonomes Fahrzeug verlassen. Im Notfall muss man noch reagieren können. Das kann man nur, wenn man in einer Fahrschule das Autofahren erlernt hat", meint die 22-jährige Untersteinacherin.