Eine Nockenwelle für einen VW Polo, fast neu und für nur 75 Euro - das klingt gut, dachte sich ein 65-jähriger Rentner aus Coburg und bestellte das Teil über das Online-Aktionshaus Ebay. Er bestellte nicht nur, sondern überwies auch gleich den Betrag auf das angegebene Konto.


Anrufe blieben erfolglos, E-Mails unbeantwortet

Der Verkäufer, ein 23-jähriger Arbeiter aus Kulmbach, lieferte allerdings nicht. Anrufe blieben erfolglos, E-Mails unbeantwortet. Also ging der Rentner zur Polizei und erstattete Anzeige wegen Betrugs. Das Kulmbacher Amtsgericht stellte den Fall jedoch überraschend ein.

Gründe für die Einstellung: Zum einen will der junge Mann das Ersatzteil per Post aufgegeben haben, das Gegenteil war ihm nicht nachzuweisen. Zum anderen entschuldigte er sich noch vor der Verhandlung bei dem Rentner, dass er trotz dessen Anrufe und Mails nichts unternommen hatte.

Nicht zuletzt hatte der Angeklagte wohl auf Anraten seines Verteidigers Ralph Pittroff aus Kulmbach am Tag vor der Verhandlung die 75 Euro zurück überwiesen.


Einlieferungsschein oder Kassenzettel fehlten

Er habe schon immer gern über Ebay gehandelt und sein gesamtes Ersatzteillager aufgelöst, behauptete der Angeklagte. Auch die Nockenwelle will er verpackt und zur Post gegeben haben. Einlieferungsschein oder Kassenzettel hatte er natürlich nicht mehr. Der junge Mann gab aber auch zu, dass er auf die Mails des Coburgers nicht reagiert habe.

Problem des Angeklagten war, dass er unter einer offenen Bewährung stand. Zuletzt wurde er wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Hehlerei und wegen einer Falschaussage zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt.


Entschuldigung reichte dem Geschädigten

Was für ein Glück für ihn, dass der Rentner so nachsichtig war. Einzig das sei ihm wichtig, dass sich der Angeklagte bei ihm entschuldigt habe, sagte der Coburger. Wenn er nun tatsächlich auch noch sein Geld zurückbekommt, sei er an einer Strafverfolgung nicht mehr interessiert, so der Geschädigte in seiner Zeugenaussage.
Die Nockenwelle könne er jetzt aber nicht mehr brauchen, obwohl der Angeklagte angeblich noch zwei baugleiche Teile besitzt.

Ein weiterer Grund für den milden Ausgang des Verfahrens dürfte sein, dass der Angeklagte im September eine vielversprechende Ausbildung begonnen hatte. "Schweren Herzens und mit Bauchschmerzen" stimmte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Ramona Herold der Einstellung zu. So recht könne sie dem Angeklagten nicht glauben, doch wenn der Geschädigte keinerlei Interesse an einer Strafverfolgung habe, dann müsse man den jungen Mann auch nicht verurteilen, so die Anklagevertreterin.


Richterin; "Das ist doch kein Benehmen"

Richterin Sieglinde Tettmann nahm den Angeklagten noch einmal ins Gebet. Sich einfach nicht mehr zu melden und auf E-Mails nicht zu reagieren, das sei doch kein Benehmen, sagte sie . Der Angeklagte hatte Glück, selbst die Verfahrenskosten fallen zu Lasten der Staatskasse, und Auflagen gab es auch keine.