Am Anger - diese kleine Straße im Stadtteil Höferänger dürfte nur den allerwenigsten Kulmbacher bekannt sein. Hanglage, eng, verwinkelt, nicht asphaltiert, Autofahren ist hier nicht einfach. Besonders, wenn es sich um große und schwere Baustellenfahrzeuge handelt.

Es geht erneut um das geplante Neubaugebiet in Höferänger, gegen das die Anwohner protestiert haben, beziehungsweise um eine kleine Lösung, die möglicherweise auch große Probleme aufwirft. Ein Thema, das den Kulmbacher Stadtrat am Donnerstag beschäftigt.


Gegen den Verkehr

Zur Vorgeschichte: Am nördlichen Ortsrand von Höferänger wollte die Firma Vogel Bau, Unterzettlitz, 17 Parzellen mit 22 Wohneinheiten bebauen. Gegen neue Nachbarn hätten die Anwohner nichts, aber gegen den Verkehr, der über die schmale Dorfstraße nach Rosengrund rollen sollte. Es gab massive Bürgerproteste. Im Juli machten die Anlieger bei einer Versammlung im Hotel "Dobrachtal" ihrem Ärger Luft.

"Wir haben die breite Ablehnung einer Erschließung über die Dorfstraße zur Kenntnis genommen", sagt Oberbürgermeister Henry Schramm auf Anfrage. Argumente wie die Erweiterung des Ortes und die Stärkung der Infrastruktur hätten die Leute nicht überzeugt. Andererseits habe das Bauunternehmen der Stadt mitgeteilt, dass eine Zufahrt über die Straße nach Sackenreuth aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage komme.


Dilemma und Konsequenzen

Aus dem Dilemma zieht der OB Konsequenzen. "Ich bleibe bei meinem Leitspruch, keine Politik gegen die Menschen zu machen, und werde dem Stadtrat vorschlagen, des Bebauungsplanverfahren für das große Gebiet einzustellen", so Schramm.

Wenn der Stadtrat - woran nicht zu zweifeln ist - hier zustimmt, kommt die große Lösung also nicht. "Wir sind erfreut, dass der Protest der Bürger, die komplett dahinterstanden, etwas gebracht hat", sagen Burkhard Roßmark und Klaus Bornschlegel und geben die Ansicht der Anlieger wieder.


Kein Baugebiet durch die Hintertür

Aber es kommt noch ein Tagesordnungspunkt, der Höferänger betrifft: ein Sachstandsbericht nach Verfahrenseinstellung. "Ohne Beschlussempfehlung, ich präferiere nichts", versichert Schramm und betont, dass auch kein großes Baugebiet durch die Hintertür geplant sei.

Zur Debatte steht eine Teilfläche, die der Vogel Perspektiven GmbH gehört. Bei drei "innerliegenden Grundstücken", die am Anger angrenzen, habe der Eigentümer ein Baurecht, so Schramm. Für den Investor wäre es wünschenswert, noch zwei Parzellen dazu zu nehmen und sechs Häuser zu bauen. Dafür wäre ein erneutes, aber vereinfachtes Bebauungsplanverfahren notwendig. Die Erschließung des kleinen Baugebiets müsse der Investor bezahlen.

Was sich einfach anhört, ist aber nicht einfach. Die Erschließung dürfte Probleme aufwerfen. Das wissen Roßmark, Bornschlegel und alle, die am Anger wohnen. Besonders Elisabeth Lindner und Mirjam Klatt. Die Schwestern bewohnen bei der oberen Anger-Zufahrt ein Doppelhaus, dessen älterer Teil 200 Jahre alt ist und kein ausreichendes Fundament hat.


"Irreparable Schäden"

"Wir haben ein Gutachten, dass durch Baustellenverkehr oder Kanalbau irreparable Schäden an unserem Bauernhaus zu erwarten sind", sagt Lindner. Diese Erkenntnis sei vor 20 Jahren der Hauptgrund gewesen, warum das Baugebiet schon einmal gescheitert ist. "Und die Verhältnisse haben sich seither nicht geändert." Weiter erklärt sie: "Es kann nicht sein, dass für ein paar neue Häuser ein anderes Haus den Bach runtergeht." Außerdem, so Klatt, sei der Kanal, "den wir auf unsere Kosten gebaut haben", nicht dafür ausgelegt, weitere Häuser anzuschließen.

Auch in der anderen Richtung - zur unteren Anger-Zufahrt - sieht Architekt Bornschlegel Schwierigkeiten. Wegen der großen Eichen, deren Wurzeln nicht beschädigt werden dürfen. Und wegen der Erschließungskosten, die die Anlieger nicht zahlen wollen.

Es bleibt also Raum für Spekulationen. Geschäftsführerin Hannelore Vogel von der Vogel Perspektiven GmbH sagt nur: "Wir warten die Stadtratssitzung ab, dann sehen wir weiter."