Ein besonderer Liebesgruß vom Himmel: Jubiläums-Premiere in triefenden Kostümen. Gerade hatte Landrat Klaus Peter Söllner die 60. Spielzeit eröffnet, goss es in Strömen, und dies zweieinhalb Stunden lang. Die Schauspieler nahmen´s cool. Die Zuschauer hatten ihre wärmenden Decken unterm Po. Und geboten wurde nicht wenig: nämlich herzhaftes Gute-Laune-Theater mit witzigen Regieeinfällen und zum Teil glanzvollen schauspielerischen Leistungen.

Der Forchheimer Regisseur Rainer Streng, der erstmals auf der Naturbühne inszeniert, hat die "Drei Dorfheiligen" aus dem "Komödienstadl"-Schrein herausgeholt und ihnen den Staub von fast hundert Jahren weggepustet (1920 von Max Neal und Max Ferner geschrieben): Die Damen dürfen in feschen Dirndln und Flechtfrisuren heutiger Bierstadel-Besucherinnen zeigen, was in ihnen steckt (Kostüme: Sabine Leithner). Und ohne Handys geht es heute auch bei den "Dorfheiligen" nicht mehr ab. Ihre Amigo-Deals werden selbstredend in Euros abgewickelt.

Fränkisch, was sonst?

Zweite Veränderung durch die Textbearbeitung von Siegfried Küspert: die Verlegung vom Oberbayerischen ins Oberfränkische. Klar, nach Trebgast, mit zahlreichen Anspielungen auf reale Personen aus der Gemeinde.
Spielt das Original in der Bauernstube mit Kitsch-Ambiente, verlegt Rainer Streng das Stück in einen luftigen Biergarten: drei buntbedeckte Biertische, im Hintergrund ein Gartenhaus für den Ausschank, das Ganze umfriedet von einem Zäunchen (Bühne: André Putzmann und Dieter Krause).

Ein idealer Ort für fränkische Gemütlichkeit, so möchte man meinen. Doch eben hier läuft die Selbstzerlegung der drei "Dorfheiligen" ab: die honorigen Lokalpolitiker und Ehemänner hatten vor zwanzig Jahren ihren Spaß mit der "Schwarzen Mandy", einer früheren Trebgaster Bedienung. Der Sprengsatz droht hochzugehen, weil der neue Pfarrer Oetter (Jochen Böhm: ein sanftmütiger Moralapostel) an verfängliche Briefe gelangt ist und die Sache aufklären möchte.

Drei indische Äffchen

Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist der Wirt und Bürgermeister Christian Hahn. Georg Küfner spielt ihn souverän und bühnenpräsent als raubauziges fränkisches Mannsbild, das in typischer Lokalpolitiker-Manier gegen den Skandal ankämpft.

Als Mitbetroffene an seiner Seite: Georg Bauer, Automechaniker in Trebgast (Werner Eberhardt), und der Bäcker Peter Wagner (Stefan Kossmann). Wie die Jungstiere von einst sehen die Herren nicht mehr aus. Bedröppelt sitzen sie am Biertisch und sprechen sich aus: die "schwarze Mandy" hat jeden von ihnen kräftig abgezockt. Jeder hat brav seine Alimente entrichtet, doch wer ist der wahre "Vodder von dem Bumm"? In einem klasse Regieeinfall halten sie sich wie die indischen Äffchen Augen, Ohren und Mund zu: Nichts hören und sehen wollen sie am liebsten und das Maul halten über den Testosteron-Überschuss von einst.

Grässlicher Hausdrache

Für Bürgermeister Hahn ist die Lage besonders heikel. Denn der Lehrer Martin Lauterbach (Konrad Sauerteig: smart gedresst) erpresst ihn mit der Veröffentlichung der Briefe, sollte er sich länger gegen eine Ehe mit seiner Tochter Lore sperren (Sonja Welsch: liebreizend und selbstbewusst). Marion Regnet spielt die Bürgermeisters-Gattin als garstigen Hausdrachen mit der Tendenz zu überzeichnen. Sie ist resolut und herrschsüchtig, kommandiert die Bedienung herum (Diana Hentschel) und macht ihren Mann als "Schlappschwanz" nieder, wenn er nicht spurt. Für ihre Tochter hat sie eine stinkreiche Partie in Sachsen im Auge.

Als der Kandidat dann auftaucht, ist er der Kracher des Abends: Lars, ein zartes Muttersöhnchen mit Intellektuellen-Brille, das wie vor einer Mathe-Klausur herumtapst. Alexander Böhm verkörpert ihn zum Schreien komisch, zum Beispiel, wenn er seine erotischen Gehversuche vorher gestisch durchprobt. Besonders köstlich: sein charakteristisches Idiom aus dem "Land der Frühaufsteher". Kein Wunder, dass Lores putzige Freundinnen Heidi (Francesca Canola) und Anni (Natascha Eckert) über ihn lästern, bis die Eine sich in ihn verliebt. Am Ende, wen überrascht´s , kriegt jede den Richtigen. Rhythmischer Applaus von den wohlgefüllten Rängen.