Auch die zweite Premiere auf der Naturbühne Trebgast hatte, wie schon eine Woche zuvor, ein Komplott mit den Eisheiligen geschmiedet. Dabei wäre diesmal mediterranes Klima angemessen gewesen. Denn "Don Camillo und seine Herde" spielt in Norditalien - ebenfalls ein Stück von bodenständigem Temperament, diesmal aber nicht aus dem Fränkisch-Bajuwarischen.

Und wieder konnte man menschliche Tücken erleben, die im kleinen Europa nur in Sprache und kulturellem Umfeld variieren. Auch diesmal feierte das Publikum die Schauspieler (zurecht, obwohl Naturbühnen-Vorsitzender Siegfried Küspert nach wie vor behaupten will, dass es sich nicht im Profis handelt).
Zum Auftakt kündigte der (1968 gestorbene) Autor Giovannino Guereschi "höchstselbst" (Frank Ziegler) seine Komödie im "Teatro naturale in Träbegaste" an.

Wir sind in den 1950er Jahren in einem norditalienischen Dorf. Camillo Tarroci und Giuseppe Botazzi (mit Spitznamen Peppone) hatten gemeinsam als Partisanen gegen den Faschismus gekämpft. Nun kämpfen beide darum, auf welche Weise man in der neuen Demokratie das beste für die Menschen erreichen könne.

Camillo (Werner Eberhardt) ist nun Dorfpfarrer und vertraut auf die Lehren der Kirche und das Gute im Menschen. Peppone ist für die kommunistische Partei Bürgermeister, wettert gegen das Schlechte im Menschen und sieht eine bessere Zukunft in den Ideen des Sowjet-Systems. (Siegfried Küspert trainierte bekanntermaßen zwölf Jahre im Trebgaster Rathaus für diese Rolle, soll aber dem Vernehmen nach in dieser Zeit keinen revolutionären Schaden angerichtet haben).

Früher waren sie Kampfgefährten

Aus den beiden Kampfgefährten sind Gegner geworden - naja, nicht so ganz: Bis zum Ende des Stücks wird sich herausstellen, dass der eine ohne den anderen doch nicht kann. Trotzdem werden beide Lager den Kampf um den wahren Weg ewig weiter austragen. Hinter Don Camillo stehen Nonnen und Kirchgänger, die mit Gottvertrauen das Gute im Vorhandenen suchen und zelebrieren. Peppone schart Arbeiter, Arme und Benachteiligte um sich im Kampf um Veränderung unter einer roten Fahne.

Doch Dorf-Revolution hin oder her: Wenn zur Heiligen Messe gerufen wird, stimmen auch die Kampfgenossen lauthals in den Choral mit ein - wenn auch etwas forscher als die anderen Kirchgänger (symbolisch gut inszeniert). Dennoch kommt es zu einer (in der Vorstellung exzellent choreografierten und verletzungsfrei gespielten) handfesten Schlägerei in der Kirche. Don Camillo wird daraufhin in ein elendes Bergdorf strafversetzt (zu dem er wortlos über die gesamte obere Kulisse der Naturbühne wandert, immer wieder innehaltend, bis er am mickrigen Kapellchen seiner neuen Wirkungsstätte angelangt ist. Werner Eberhardt zelebriert diese Szene mit fast zen-meditations-verdächtiger Hingabe).

Doch ohne Don Camillo im Dorf brach im Tal Chaos aus. Es kommt bis zum Fast-Mord, so dass man schließlich "rein zufällig" nach dem alten Dorfpfarrer schaut. Auf Betreiben der Bürgermeisters-Gattin beim Bischof wird Don Camillo die Strafversetzung aber erlassen.

Großer Chor zum Finale

Die Inszenierung endet schließlich mit dem "Gefangenenchor" aus Verdis Nabucco, mit dem sämtliche 31 Schauspieler an der Bühnenrampe ihr zweistündiges Spiel inbrünstig feiern. Teile aus Verdis Musik unterstützen auch die eher dramatischen und die sentimentalen Szenen im Stück. Und (wer hat's gehört?) echtes Vogelgezwitscher von Vögeln irgendwo in den Bäumen war während der Szene des jungen Liebespaars zu hören. So etwas gibt es halt nur auf einer Freilichtbühne.

Die Komödie brilliert mit vielen witzigen, amüsanten und unerwarteten Einfällen, die man gesehen haben muss. Nicht zuletzt mit einem wahrhaftig und rasant durch den Zuschauerraum auf die Bühne knatternden Piaggio Ape, jenem dreirädrigen Moped, das sich als Micro-Lieferwagen getarnt hat.

Guereschi verarbeitet ganz dezent versteckt in seinen Don-Camillo-Stücken und -Romanen die Kultur- und Philosophiegeschichte seit der abendländischen Aufklärung im 18. Jahrhundert im Ringen und Disput um den wahren Weg der Menschen. Er verkündet aber keine letztendliche Erkenntnis - vielmehr scheint macht er einen ganz einfachen Vorschlag: Der Weg ist egal. Arbeitet einfach alle zusammen, dann wird sicher etwas Ordentliches werden.