Vorsitzender Siegfried Küspert war bei seiner Begrüßungsrede schon etwas stolz, sechs Jahrzehnte Schauspielkunst in einer wunderschönen Naturkulisse zu feiern: "60 Jahre Sommerspiele in Trebgast auf Deutschlands schönster Amateur-Naturbühne. Das sind 60 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit auf höchstem Niveau. 60 Jahre begeistert das Trebgaster Ensemble sein Publikum. Die Naturbühne hat eine rasante Entwicklung genommen und ist als Kulturstätte im oberfränkischen Raum nicht mehr wegzudenken."

Siegfried Küspert konnte es sich nicht verkneifen, auch ein paar kritische Anmerkungen in Richtung der politisch Verantwortlichen zu äußern, für die er aber die volle Zustimmung aller Anwesenden fand: Das Ehrenamt erfahre gerade bei der Vorbereitung solcher Feste sehr viele Nackenschläge. Der Wust an Verordnungen, Gesetzen und Auflagen belaste ungemein. Er fragte sich, ob es unbedingt notwendig sei, dass die Genehmigung eines Festzuges 30 Seiten umfassen müsse. Er appellierte an die anwesenden Entscheidungsträger, diesen typisch deutschen Regulierungswahn zurückzufahren und diesen Verordnungssumpf auszutrocknen. "Das ist keine Kritik an den zuständigen Behörden, die ja nur ihre Pflicht erledigen." Hier erhielt Küspert Rückendeckung von kompetenter Seite: Der Landrat des Kulmbacher Partner-Landkreises Zwickau, Christoph Scheurer, merkte in seinem Grußwort an: "Es ist mittlerweile wesentlich einfacher, eine Demonstration anzumelden und genehmigt zu bekommen, als einen Lampion-Umzug zum Martinsfest.

Vorstandsmitglied Doris Stein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, aus 19 Ordnern eine Chronik vorzustellen, ergänzt durch kleine gespielte Szenen aus diesen Zeiten. Chronologisch ließ sie die Theaterstücke auf einer Leinwand passieren, unterlegt mit viel Bildmaterial.

Protektor Landrat Klaus Peter Söllner sprach von einem historischen Tag. "Ich hobb a Mordsred' vorbereitet, ober die halt ich jetzt net", begann er in der ihm eigenen Art, und hielt es für besser, die Verbindungen, die der Landkreis zur Bühne hat, hochleben zu lassen. "Ihr seid glänzende Repräsentanten und wunderbare Botschafter unseres Landkreises." Im Besonderen erwähnte er den großen Anteil, den Vorsitzender Siegfried Küspert an dieser Entwicklung hat. "Du hast ja in Deiner Laufbahn auch schon einige Stationen durchlaufen, die nicht immer vergnügungssteuerpflichtig waren."

Bürgermeister Werner Diersch bezeichnete den Platz, an dem die Naturbühne steht, als einen Ort, der die Menschen schon immer fasziniert und inspiriert habe. Er erinnerte an das erste Bergfest im Juni 1898, und war stolz darauf, dass die Bühne diese Tradition wieder aufgegriffen hat.

Hartmut Koschyk bescheinigte "der 60 Jahre alten, aber ewig jungen Naturbühne", vor sechs Jahrzehnten etwas Wunderbares aus der Taufe gehoben zu haben, und beschrieb diese Zeit mit den vier Begriffen: "Schmerzensreich, manchmal auch tränenreich, immer aber auch freudenreich und am Schluss glorreich."

"Schauspielerei ist die Kunst, die Menschen in einem Theater vom Husten abzuhalten", zitierte Regierungs-Vizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin den britischen Schauspieler Sir Ralph David Richardson (1902 - 1983). "Eine Kunst, die seit 60 Jahren in Trebgast in hervorragender Weise gepflegt wird."

Jürgen Peter, Vizepräsident des Bundes deutscher Amateurtheater, in dem 2500 Mitgliedsbühnen organisiert sind, bemühte die Bibel als Begründung dafür, nicht mit drei Minuten Redezeit auszukommen. "Wes Herz voll ist, dem geht der Mund über." In das Bewusstsein Außenstehender müsse immer wieder gerückt werden: 60 Jahre Kultur in Trebgast bedeuten immerhin rund 1,5 Millionen Zuschauer, sowie eine Wertschöpfung im Ehrenamt von etwa 2 Millionen Euro. Diese nackten Zahlen belegten eindrucksvoll, dass die Naturbühne Trebgast ein wichtiger Bestandteil der großen deutschen Theaterlandschaft sei.

Die offiziellen Glückwünsche des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf überbrachte die Bezirksbürgermeisterin a. D., Monika Thiemen. Sie erinnerte an mehrere Auftritte der Bühne in Berlin, unter anderem in der dortigen Bayerischen Botschaft. Als Geschenk brachte sie die Skulptur eines "Berliner Bären" mit, der als Symbol für Frieden und Freundschaft in aller Welt gilt.

Zum Abschluss hatte Vorsitzender Siegfried Küspert noch ein Geschenk an seinen eigenen Verein: In einjähriger Arbeit hat er aus Unterlagen, die er in Mehrheit von Erna Heublein und Dieter Krause erhalten hat, eine Dokumentation der 60-jährigen Geschichte in 19 Ordnern zusammengefasst, die er an den Zweiten Vorsitzenden, Michael Schlie, und den Vorsitzenden des Verwaltungsrates, Jochen Leithoff, übergab.