Sieben Unfälle haben sich in den vergangenen sechs Jahren auf dem kurzen Streckenabschnitt der B 289 zwischen Kulmbach und Kauerndorf ereignet haben. Vier Menschen haben dabei ihr Leben verloren, weitere wurden zum Teil schwerstverletzt.

Manche der Beteiligten sind bis heute gezeichnet, trugen körperliche wie seelische Narben davon. Der letzte Horror-Crash ist gerade mal zwei Wochen her- zwei Männer starben dabei. Nach Auskunft der Verkehrspolizeiinspektion in Bayreuth dauert die Untersuchung dieses jüngsten Zusammenstoßes noch an. Die Ursache sei bislang nicht geklärt, das Gutachten über den genauen Hergang kann Wochen dauern. Spekuliert wurde viel, sogar darüber, ob die tief stehende Sonne an dem besagten Vormittag des 13. Februar einen der Unfallbeteiligten geblendet haben könnte.


Unfallhäufungen geben zu denken

Für die zuständige Behörde, das Staatliche Bauamt Bayreuth, gaben die tragischen Ereignisse häufig Anlass, sich mit der Bundesstraße 289 zu befassen (das betraf zum Beispiel auch die von vielen Autofahrern als gefährlich eingestufte Auffahrtssituation in Kauernburg.) Auch die Unfallkommission für Stadt und Landkreis Kulmbach musste sich mit dem traurigen Thema beschäftigen - und damit, wie mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer gewährleistet wird.

Immerhin ist die B 289 eine der Straßen mit dem höchsten Verkehrsaufkommen in der Region; vom Kleinwagen bis zum Schwerlastverkehr ist hier alles unterwegs, was Räder hat. Und es kommt offenbar auf wenigen Kilometern Länge überproportional häufig zu schweren Unfällen auch mit Todesfolge.


Mehr Griffigkeit auf der Fahrbahn

Auf Anfrage der BR beim Bauamt in Bayreuth hieß es zum Thema Sicherheit: Zuletzt hatte es im Januar vergangenen Jahres eine Griffigkeitsmessung gegeben. "Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die Griffigkeit in diesem Bereich teilweise verbesserungswürdig ist." Aus diesem Grund sei damals umgehend mit der Vorbereitung der Feinfräsung begonnen worden. Die Rillen im Asphalt sollen den Straßenbelag rutschfester machen.
Der Forderung nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung (von 100 auf 80 Stundenkilometer), wie sie auch jüngst in den sozialen Netzwerken diskutiert wurde, ist eine Absage erteilt worden. "Ein solches Tempolimit wurde von den Verkehrsbehörden in Stadt und Landkreis nicht angeordnet, da die Unfallanalyse keine Begründung geliefert hat", schreibt das Bauamt. Und ergänzt: "Mit dem Neubau der Ortsumgehung Kauerndorf kann somit auch im vorliegenden Streckenabschnitt eine verbesserte Verkehrsabwicklung erwartet werden."


Eine Chronologie des Schreckens

  13. Februar 2017: Ein 20-jähriger Mercedesfahrer kollidiert auf Höhe des Kauernburger "Schlössla" mit einem entgegenkommenden Transporter, gelenkt von einem 67-Jährigen aus dem Landkreis Kulmbach. Beide Fahrer erliegen noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen, die Beifahrerin im Kleinlaster überlebt schwer verletzt den Aufprall.

  20. November 2016: Ein 38-jährigerGeisterfahrer aus Coburggerät kurz vor der Ausfahrt Kulmbach-Mitte, wo der vierspurige Ausbau beginnt, aus ungeklärter Ursache auf die Gegenspur. Er kracht dort in den Lieferwagen eines 47-jährigen Paketdienstboten. Beide Männer erleiden dabei schwerste Verletzungen.

  24. Juli 2016: Kurz vor Kauerndorf kommt es zum Frontalzusammenstoß zwischen einem Kia und einem Golf. In einem der Fahrzeuge sitzt ein junges Paar mit seiner achtjährigen Tochter, im anderen zwei ältere Insassen aus Kulmbach und Hof. Alle fünf Insassen werden verletzt, einige von ihnen schwer.

  7. Oktober 2015: Ein Lastwagenfahrer aus dem Raum Hamburg nimmt an der Einmündung in die B 289 bei Kauernburg einem 34-Jährigen die Vorfahrt und fährt ungebremst auf die Bundesstraße auf. Der Autofahrer kann zwar schnell reagieren und auf die Gegenspur ausweichen, prallt dort aber mit seinem Wagen nahezu ungebremst gegen ein Baustellenfahrzeug. Er erleidet dabei lebensgefährliche Verletzungen. Der Unfallverursacher flüchtet zunächst, kann aber von der Polizei kurz darauf in Untersteinach gestoppt werden.

  22. März 2015: Auf Höhe der Forstlasmühle kollidieren zwei Fahrzeuge. Dabei werden die beiden Fahrerinnen, zwei Frauen im Alter von 19 und 22 Jahren, schwer verletzt.

  17. Juni 2013: Kurz vor Kauerndorf kommt eine 44-jährige Bambergerin ums Leben, als sie über die Mittelspur gerät und einen Lastwagen rammt. Der Laster, der vollbeladen ist mit Hackschnitzel, schießt durch die Wucht des Aufpralls quer über die Fahrbahn, durchbricht die Leitplanke, rast die Böschung hinab und bohrt sich ins parallel zur Straße verlaufende Gleisbett. Der Fahrer wird leicht verletzt und hat Glück, dass zu diesem Zeitpunkt an der Stelle kein Zug verkehrt.

  16. August 2011: Ein 18-Jähriger kommt auf dem Rücksitz eines Opel Astra ums Leben. Der Fahrer, ein 18-Jähriger, kommt von einer Party und will von Untersteinach nach Kulmbach. Im Wagen sitzen insgesamt vier junge Menschen. Kurz vor Kauerndorf verliert er die Kontrolle, das Auto schleudert über die Gegenspur, wird durch eine Baumreihe katapultiert und landet auf den Bahnschienen. Ein weiterer Mitfahrer im Wagen wird schwer verletzt.


KOMMENTAR
VON ALEXANDER MÜLLER


Todesstrecke? - Vielleicht sind Sie über den Begriff in der nebenstehenden Überschrift gestolpert - wir in der Redaktion haben ihn auch diskutiert, ehe wir uns dafür entschieden haben. Keine Übertreibung, denke ich, wenn man sich die Reihe der sehr schweren Unfälle vor Augen führt, die binnen weniger Jahre eine Reihe von Menschenleben gefordert haben.

Nach jedem Unfall wird darüber debattiert, ob es Vorkehrungen geben könnte, die einen weiteren verhindern würden. Ohne Zweifel sind die Zufahrtssituationen auf die Teilstrecke der Kulmbacher Nordumgehung nicht optimal. Es fehlen Beschleunigungsspuren, wie bei der Auffahrt aus der Saalfelder Straße - oder der Fahrer muss sich beinahe das Genick verrenken, wenn er beim Kauernburger Schlössla auf die B 289 fährt.

Zu den Unfällen mit Todesopfern in den zurückliegenden Jahren haben diese Situationen freilich nicht geführt. Gleichwohl müssen sich die Fachleute darüber Gedanken machen, ob nicht besser zeitnah Abhilfe geschaffen werden kann - ehe deswegen etwas Schlimmes passiert.

Gerade nach dem jüngsten schweren Unfall wurde - nicht zuletzt auf der Facebook-Seite unserer Zeitung - über eine Temporeduzierung diskutiert. Die Unfallanalyse habe dafür keine Begründung geliefert, heißt es dazu von den Fachleuten.

Vielleicht könnte das aber der gesunde Menschenverstand tun? - Die pfeilgerade Strecke von kurz nach Mainleus bis kurz vor Kauerndorf reizt doch geradezu zum Rasen! Jeder, der dort schon einmal unterwegs war, hat das sicher erlebt oder ist vielleicht selbst mit einer höheren als der erlaubten Geschwindigkeit gefahren.

Wenn auf der Strecke Tempo 80 gelten würde, könnte man durchaus hoffen, dass die 100 Stundenkilometer nicht so oft überschritten würden. Aktuell steigt die Tachonadel wohl rascher auf 110 oder 120.

Dass Anfang des Jahres Schäden ausgebessert wurden, ist sicher gut. Immerhin ist die Griffigkeit der Straße auch ein wichtiger Sicherheitsaspekt. Insofern wird durchaus auch etwas getan.

Was mir aber völlig unverständlich in der Auskunft des Staatlichen Bauamts ist, ist der Verweis auf die Ortsumgehung Kauerndorf, die - so wünschenswert sie für die Anlieger der Ortsdurchfahrt dort wäre - zeitlich noch nicht einmal in weiter Ferne zu erkennen ist. Bis sie also Verbesserungen bringt, sind auf der B 289 weiter Menschenleben in Gefahr. Und das kann doch niemand wollen!