Weder sie noch ihr Ehemann hätten den Vertrag bei einem Stromanbieter bekommen. Der Schufa-Eintrag sprach dagegen. Also schloss eine 48-jährige Frau aus Kulmbach den Vertrag kurzerhand auf den Namen ihres Sohnes ab, der davon gar nichts wusste.

Der 24-Jährige fiel aus allen Wolken, als er plötzlich Mahnungen und schließlich einen Vollstreckungsbescheid bekam. Da zeigte er kurzerhand die eigene Mutter an. Wegen Betrugs wurde die Frau jetzt vor dem Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro verurteilt.


Falschen Vertragspartner vorgespielt


"Sie haben dem Stromanbieter den falschen Vertragspartner vorgespielt und damit über ihre eigene Zahlungsunfähigkeit hinweggetäuscht", sagte Richterin Sieglinde Tettmann zu der Angeklagten. Besonders zu Lasten der Frau wertete es die Richterin, dass sie ihren eigenen Sohn in ein Vollstreckungsverfahren hineinlaufen ließ. Von der Gesinnung her sei dies nicht sehr nobel, fand Tettmann in der Urteilsbegründung klare Worte.

Insgesamt ging es um rund 2200 Euro für den Zeitraum Juli 2012 bis April 2014. Mit ihrem Mann, von dem sie inzwischen getrennt lebt, hatte die Frau im Internet den Stromanbieter gewechselt. Kurz danach musste sie die eidesstattliche Versicherung ablegen. Sämtliche Lastschriften, die der Stromanbieter in Rechnung stellte, wurden nicht mehr eingelöst.


Keinen Kontakt mehr


Das angegebene Konto sei gar nicht das ihres Sohnes, sondern das ihrer Tochter, für das sie verfügungsberechtigt sei, sagte die Angeklagte zu ihrer Verteidigung. Nachvollziehen ließ sich das alles nicht mehr so recht.

Sicher war dagegen, dass die Frau kein eigenes Konto mehr eröffnen durfte. Dazu kommt, dass die Angeklagte keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn hat und mit ihm kein Wort mehr spricht. Der Betrug sei damit aber schon sicher, so Richterin Tettmann, denn die Angeklagte habe dem Stromanbieter einen falschen Vertragspartner vorgegaukelt.

Der Sohn berichtete von Mahnbescheiden in der Post, und dass er erst durch eigene Recherche darauf gekommen sei, dass ihm seine Mutter den Vertrag untergejubelt hatte.


Inkassobüro riet zur Anzeige


Um nicht selbst in Haftung zu geraten habe ihm das Inkassobüro gleich zu einer Anzeige geraten. Mit der Mutter sei auf jeden Fall nichts abgesprochen gewesen und er habe auch nichts von dem Vertrag gewusst, beteuerte der 24-Jährige.

Der getrennt lebende Ehemann der Angeklagten räumte offen ein, dass er den Vertrag zusammen mit seiner Frau im Internet ausgefüllt habe und dass mit dem Namen des Sohnes, weil man selbst keinen Vertrag bekommen hätte. Deshalb muss aller Voraussicht nach nun auch der Ehemann mit einem Betrugsverfahren rechnen.

Oberstaatsanwältin Juliane Krause forderte die letztlich auch vom Gericht verhängte Geldstrafe von 2700 Euro. Die Angeklagte habe genau gewusst, dass sie auf ihren eigenen Namen keinen Vertrag bekommt. Darüber hinaus sei ein relativ hoher Schaden entstanden.