Aufgeregte Stimmung herrschte in der Caféteria der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Melkendorf. Endlich war es so weit: Rainer Fischer läutete mit seiner Glocke den Beginn des Schauspiels "Schneewittchen" ein.


Melancholie am Klavier


Nach einer kurzen Einführung durch Stefan Bestler und Burkard Bruhn betraten die Zwerge den Raum, und Lennard Bleyl spielte am Klavier dazu ein melancholisches Stück. "Wieso ist die Musik so traurig?", wollte da einer wissen. "Na, es kommt der Tod darin vor, und außerdem Hass und Neid", kam prompt die Antwort.

Dann nahm das Märchen seinen Lauf. Auf bekannten Strukturen aufbauend, haben jedoch Regisseur Rüdiger Baumann und seine Schauspielkollegen das Stück etwas angepasst, sie wollten etwas Besonderes kreieren - und das ist ihnen auch gelungen. "Am Anfang war die Frage, was wir überhaupt spielen sollten. Wir einigten uns dann auf das Märchen von Schneewittchen, weil das jeder kennt", sagte Rüdiger Baumann.


Viel Lachen angesagt


So fiel es leichter, der ganzen Inszenierung einen humorigen Touch zu verleihen und dem Stück den eigenen Stempel der Mitwirkenden aufzudrücken. "Anfangs hatten die Akteure etwas Bedenken, das Ganze humorig zu gestalten, denn sie wollten keinesfalls veräppelt werden", fuhr der Regisseur fort. Aber es wäre ja schade, dass etwas Lustiges tabu sein sollte, nur weil man eine Behinderung hat.

Also entschied sich das Ensemble gemeinsam für eine Komödie, und die bereitete sichtlich allen Mitwirkenden und Zuschauern viel Spaß. Ralf Bayerköhler und Tyrone Feidi hielten das Projekt für eine klasse Idee, und nachdem sie den Aushang gesehen hatten, wollten sie gleich dabei sein. "Die Proben waren sehr lustig", sagte Ralf und zeigte sich äußerst ehrgeizig: "Wir werden so lange weiter üben, bis wir es so richtig gut können." Tyrone fand die Proben auch ab und zu mal schwer, weil er sich manchmal seinen Text nicht merken konnte - aber bei der Premiere hat dann doch alles super geklappt. Auch Stefan Bestler zeigte sich begeistert von dem Theaterworkshop, ist er doch bereits ein halber Profi, nachdem er bereits 2009 im "Glöckner von Notre Dame" auf der Naturbühne Trebgast vor Publikum stand.


"Großes Lob an Rüdiger Baumann"


"Ich muss aber sagen: großes Lob an Rüdiger Baumann", sagte der begeisterte Hobbyschauspieler. "Jeder andere Regisseur hätte bei uns wohl schon öfters das Handtuch geschmissen." Die Akteure sehen sich also durchaus kritisch, können aber wirklich stolz auf ihre Leistung sein. Lange und ernsthaft genug haben sie auch dafür geprobt, und das seit März.

Auch Lennard Bleyl, der das Schauspiel musikalisch am Klavier begleitete, hat ein paar extra Probestunden eingelegt. "Es braucht echt viel Übung", fasste der Musikbegeisterte, der schon als Kind gerne Klavierspielen lernen wollte, zusammen.


Tosender Beifall


Am Ende gab es tosenden Applaus für das gesamte Ensemble und natürlich für Rüdiger Baumann und seinen Assistenten bei diesem Projekt, Georg Mädl. Die Idee für diesen Theaterworkshop kam übrigens von Lothar Seyfferth, dem Zweiten Vorsitzenden des Fördervereins der WfB. Er rief spontan bei Rüdiger Baumann an, der gleich sagte: "Das probieren wir."
Ein solches Engagement begrüßte auch Klaus Drescher, der Vorsitzende des Fördervereins: "Wir versuchen immer, durch verschiedene Aktivitäten Erlöse für unsere Mitarbeiter in der Werkstatt einzuspielen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu engagieren", sagte er . Und deshalb seien auch für das Theaterstück weitere Auftrittstermine geplant, als nächstes vor geladenem Publikum in der Waaggasse. "Und dann werden wir auf Tournee gehen", sagten die Schauspieler voll Eifer und Motivation, und benannten ihre Einrichtung kurzerhand um in die "Werkstatt für Menschen mit besonderer Begabung (WfMmbB)".