Der Bau eines Legehennenstalls in Mannsflur hat den Gemeinderat Marktleugast zwar passiert, doch der Widerstand dagegen hat nicht abgenommen. Das Treffen der Bürgerinitiative gegen einen solchen Stall für 12 000 Legehühner am Sonntagnachmittag gleicht einem Wahlkampfbüro. Argumente gegen den Stallbau werden nicht mehr verkündet. Die Bürgerinitiative organisiert sich jetzt systematisch.
Gleich am Eingang des Sportheims liegen Listen für eine Petition an den Bayerischen Landtag auf. Außerdem Papiere mit der Sammlung von Argumenten gegen den Stallbau. Die entsprechenden Behörden sollen jetzt in individuellen Anschreiben der Betroffenen über die Befürchtungen der Mannsflurer informiert werden - auch mit gesundheitlichen Fakten.


Mehrheit fühlt sich betroffen

Der überwiegende Teil des Dorfes mit 400 Einwohnern fühlt sich vom Bau eines Hühnerstalls des geplanten Ausmaßes betroffen; 268 Unterschriften gegen den Bau wurden Bürgermeister Franz Uome (CSU) bereits überreicht. Die Halle soll 88 Meter lang, 30 Meter breit und sechs Meter hoch werden, dazu ein Freigelände, das fast an die bestehende Wohnbebauung reicht.

Bei dieser Größe sieht die Bürgerinitiative im Projekt keine landwirtschaftliche Nutzung mehr, sondern unterstellt eine Agrar-Investition, landläufig formuliert: Eine Eier-Fabrik. Klar sei, dass die Landwirte bei Investitionsvorhaben anders beraten würden als früher. Weg von der Milchviehhaltung hin zur Hühnerhaltung. "Und wenn es dann noch um Bio-Eier geht, verfallen Landwirtschaft bis hinauf zur Politik in Ehrfurchtsstarre", registriert Bürgerinitiative-Sprecherin Dagmar Knade zynisch. Auch die Informationen seitens des Erbauers hält man eher für den Versuch, zu beschwichtigen. Dass die furchtsamen Hühner sich aus dem Stall höchstens 25 Meter ins Freie trauen zum Beispiel, halten die Gegner für ein albernes Argument und fragen, weshalb der Begrenzungszaun überhaupt weiter entfernt stünde.

Die Bürgerinitiative wehrt sich nicht gegen die Bauherren Ernst und Stephan Haag persönlich. Aber auf seinen, nach eigenem Bekunden, 80 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche werde sich sicher ein besserer Platz für seine Hühnerhaltung finden. Die jetzt gedachte Wiese neben Mannsflur sei laut Geofachdaten-Atlas ein "Standort mit potenziell starkem Stauwassereinfluss", Quellgebiet der Kleinen Koser; werde außerdem durch Radwanderwege umsäumt, die man ja auch touristisch verwerten möchte, und grenze an verschiedene ausgewiesene Biotope an.


Wertverlust und Gesundheitsprobleme befürchtet

Man habe "nichts gegen Ställe mit artgerechter Haltung in mittelständischen, bäuerlichen Strukturen”, so die Bürgerinitiative. Sie wehrt sich gegen Anlagen, die schon durch ihre Größe keine artgerechte Tierhaltung ermöglichen und die Umwelt beeinträchtige, die mit ihrer ruinösen Überschussproduktion die mittelständischen Betriebe weiter aus dem Markt drängen würden." Was die Mannsflurer aber insbesondere befürchten sind neben dem Wertverlust ihrer Häuser Auswirkungen auf ihre Gesundheit.

Es sei ein Fakt, dass gerade in Hühnerbetrieben die höchste Konzentrationen an Gesamtkeimen, Staphylokokken, Enterobakterien und Schimmelpilzen zu verzeichnen sei - 80 bis 90 Prozent Staphylokokken. Solche Erwartungen rufen Allergiker und Asthmatiker auf den Plan. An den Tischen im Sportheim tauschte man individuelle Krankengeschichten aus. Und dass man gerade wegen der günstigen Höhenluft nach Mannsflur gezogen sei, sich gerade deswegen hier angesiedelt habe. Auch bereits mit dem Hinblick auf einen passenden Altersruhesitz. "Alles, was wir haben, ist jetzt hier. Wir können nicht einfach so umziehen", hört man wiederholt.
Nicht unbemerkt bleibt auch die Eile, mit der das Projekt durchgezogen werden solle: Der Bauantrag wurde am 14. November 2016 im Rathaus abgegeben, am 23. November erhielt die Marktgemeinde ein Fax der Rechtsanwaltskanzlei Schipper, in dem der Bürgermeister aufgefordert wurde, den Bauantrag am 28. November in der Gemeinderatsitzung zu behandeln. Andernfalls würden Schadensersatzansprüche gegen den Bürgermeister im Wege seiner Amtshaftung geltend gemacht werden. Das gleiche Schreiben erhielt der Bürgermeister am 25. November per Einschreiben und per Gerichtsvollzieher am 28. November. Walter Stingl von der Firma Poulano unterbreitete am 24. November einen zweiten Vorschlag, den geplanten Bio-Legehennen-Stall um 50 Meter weiter in den Außenbereich zu verlegen.

Für den 22. November war ein informatives Treffen von direkten Anliegern mit den Bauherrn angeraumt. Erwartet war ein Treffen mit fünf Familien, zu dem allerdings mehr Mannsflurer ins BRK-Heim gekommen waren als dort Platz gefunden hätten, so dass Bürgermeister Uome das Treffen auf einen späteren Zeitpunkt in den Gemeindesaal vertagte - daran teilzunehmen sich Bauherr Haas dann allerdings nicht mehr bereit erklärte.
Der Bauantrag wurde für die Sitzung am 28. November von Uome dennoch zurückgezogen, da das Bauvorhaben umfangreich sei. Eine bauplanungsrechtliche Beurteilung könne auf die Schnelle nicht erfolgen. "Bis dato und das ist ein wichtiger Grund liegen widersprüchliche Plansätze vor." In der Gemeinderatssitzung am 9. Januar wurde der Antrag schließlich behandelt. Dazu hatte Verwaltung in ihrer Stellungnahme unter anderem bemängelt, dass die Zustimmung der Nachbarn nur teilweise eingeholt und keine Angaben zur Einzäunung der Freiflächen gemacht wurden. Das Vorhaben verstoße gegen die Planungshoheit der Gemeinde, die Erschließung sei nicht gesichert, die "fabrikartige Produktionshalle" verunstalte das Orts- und Landschaftsbild, und durch den Mindestabstand von nur 180 Metern zur nächsten Wohnbebauung sei eine Gesundheitsgefährdung nicht auszuschließen. Außerdem hätten die Wasserversorgungsleitungen in Mannsflur die Grenzen der Belastbarkeit erreicht, weshalb der Brandschutz nicht mehr gewährleistet wäre.

Umfangreich gewürdigt wurden seitens der Verwaltung die Bedenken der Bürgerinitiative, die dem Bürgermeister einen Schriftsatz mit Fragen und Forderungen sowie eine Liste mit 268 Unterschriften gegen den Legehennenstall übergeben hatte.

Ungeachtet der Vorlage der Verwaltung genehmigte der Gemeinderat schließlich mit zehn zu fünf Stimmen den Bauantrag. Cornelia Buß (HBG) verstand nicht, warum die Planungshoheit des Marktes beeinträchtigt sein sollte, und kritisierte, dass Behauptungen über Umwelteinwirkungen aufgestellt werden, ohne dass eine fachliche Beurteilung vorliege. "Wie wär's denn, wenn wir unter Vorbehalt zustimmen?", fragte sie. Irina Klier (WGM) wies die Bedenken nicht zurück, sah aber wie Markus Suttner (CSU) ein "sehr arges Horrorszenario". Norbert Volk (WGM) hielt der Verwaltung vor, es werde immer beklagt, dass die Jugend wegziehe, weil es keine Arbeitsplätze gebe. "Der Antragsteller bemüht sich, für seine drei Kinder etwas zu schaffen. Es geht doch hier auch um die Zukunft der Familie Haas."

Für den Vorschlag der Verwaltung, also gegen die Hühnerhalle in vorgelegter Form, hatten Bürgermeister Franz Uome ("Mannsflur ist eine naturnahe Wohnsiedlung, die wird da schon beeinträchtigt."), dessen Stellvertreter Reiner Meisel (FW, "Wir sind gewählt, die Bedenken der Bürger ernst zu nehmen"), Dritter Bürgermeister Martin Döring, Daniel Schramm und Klaus-Dieter Witzgall (alle CSU) gestimmt. Paul Schott (CSU) und Siegfried Baierlein (WGM) fehlten. Mit dem vom Gemeinderat mehrheitlich abgesegneten Bauvorhaben muss sich nun das Landratsamt befassen.


Landratsamt ist jetzt gefordert

Das Landratsamt wird nun der Empfänger der Einwendungen der betroffenen Mannsflurer sein, die das persönliche und individuelle Maß ihrer Beeinträchtigungen darin vorbringen. Zudem soll Landrat Klaus Peter Söllner um die Terminierung einer zugesagten Ortsbegehung gebeten werden. Für mögliche juristische Auseinandersetzung hat die Initiative bis jetzt bereits 2000 Euro in der "Kriegskasse" gesammelt.