Gestern begrüßte Chef Heinz Ohnemüller den jungen Japaner, der bei ihm das Rüstzeug für die Metzger-Meisterprüfung erhalten soll. Am Montag um vier Uhr morgens tritt Naoki Naito seinen Job im Stadtteil Weiher an. Geschickt hat ihn sein Ar-beitgeber, Shinshu Ham, einer der großen japanischen Fleischwarenhersteller aus Nagano.

Keine duale Ausbildung

Wurst- und Fleischwaren werden immer wichtiger auf dem japanischen Lebensmittelmarkt. Nur: Es gibt keinen vorgeschriebenen Ausbildungsweg zum Metzger. In Japan ist die duale Berufsausbildung völlig unbekannt. "Dort kann quasi jeder Metzger werden, er muss nur eine Prüfung über hygienische Standards abgelegen", berichtet Paul Konstantinidis von T.E.A., der den Austausch organisiert hat. Das reiche den innovativen Unternehmen aber nicht: "Deshalb schicken sie ihre jungen, vielversprechenden Kräfte nach Deutschland, um sich das Handwerkszeug anzueignen."
Der studierte Agrarökonom Naoki Naito arbeitet seit acht Jahren für das Unternehmen Shinshu Ham und ist dort Leiter der Produktionsabteilung. Hergestellt werden in Nagano fast ausschließlich Würstchen, Kochschinken und Aufschnittware, ähnlich der Lyoner.
Naito berichtet: "In Japan wird natürlich auch Wurst und Fleisch gegessen, allerdings weniger würzig als in Deutschland." Was also ist in der japanischen Brotzeitdose, der Bento-Box? "Sushi, eingelegter Kürbis, Ingwer und oft auch kleine Wiener Würstchen", antwortet Naito.

Deutsche Snacks beliebt

Die "typisch deutschen" Snacks seien mittlerweile sehr beliebt bei japanischen Schulkindern. Das Ziel von Naito ist es, mit den Kenntnissen aus der Meisterausbildung eine neue Produktlinie zu kreieren, die japanischen Geschmack und deutsche Handwerkskunst in sich vereint.
Das Praktikum von Naoki Naito ist bereits das zweite, das die Metzgerei Ohnemüller einem jungen Japaner anbietet. Vor etwa einem Jahr hat der 26-jährige Yushi Matsumura von Nippon Ham (Tokio) bei Ohnemüller gelernt und an der Flei-scherschule Augsburg/Akademie des Fleischerhandwerks erfolgreich die Meisterprüfung abgelegt. Heinz Ohnemüller: "Wir freuen uns sehr, wenn deutsche Metzger-Handwerkskunst im Ausland so gefragt ist. Gerne leisten wir unseren Beitrag dazu, denn auch wir sammeln mit den Praktikanten interessante Erfahrungen."