Der Volkstrauertag ist keine Veranstaltung von gestern. Natürlich gedenken die Menschen am Volkstrauertag in erster Linie der Gefallenen der beiden Weltkriege. Doch der Volkstrauertag sollte auch eine Mahnung gegen die Kriege unserer Zeit sein, machte Oberbürgermeister Henry Schramm in seiner Festansprache bei der zentralen Gedenkfeier am Kriegerdenkmal in Kulmbach deutlich.

Ob in Afrika oder Afghanistan, ob im Kosovo oder in anderen Gebieten, in denen Not, Armut und Auseinandersetzungen herrschen - Frieden sei nicht selbstverständlich, so Schramm. Er erinnerte an die Flüchtlinge aus Somalia, die unglaubliche Strapazen und Gefahren auf nicht ozeantauglichen Schiffen auf sich nehmen, um zu ihrem ganz persönlichen "Tor zu einer neuen Welt" - nach Lampedusa - zu kommen. "Es sind Armut, Not und pure Verzweiflung, die diese Menschen aufs offene Meer treibt", so Schramm.

Mit Schrecken erinnerte sich der Kulmbacher Oberbürgermeister an einen Vorfall im Februar diesen Jahres. Ein 23 Jahre alter Asylbewerber aus Afghanistan, der abgeschoben werden sollte, wollte sich vom Schlot auf dem alten Spinnerei-Gelände stürzen. Lieber tot in Deutschland als lebendig in Afghanistan. "Dieser Mann darf jetzt bleiben und er lernt unsere Sprache. Er hat wieder eine Lebensperspektive", sagte Schramm.

Die Gebiete, in denen Krieg herrscht, sind gar nicht so weit weg. Denn überall sind auch deutsche Soldaten im Einsatz. Und allein in diesem Jahr sind bereits 53 deutsche Soldaten der Bundeswehr in den fremden Ländern geblieben. "Die Toten brauchen keine Fahnen, sie brauchen unser Gedächtnis", sagte der Kulmbacher Oberbürgermeister. Denn nur durch das Gedächtnis könne es gelingen, Frieden zu sichern und den Anfängen schädlicher Strömungen zu trotzen. "Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, dass es nie wieder Krieg gibt", so Schramm.
Höhepunkt der zentralen Gedenkfeier war die Verneigung des Oberbürgermeister und des Landrats Klaus Peter Söllner vor den Toten der beiden Weltkriege. Ein Kranz, der mit weißen, gelben, rosafarbenen, lachsfarbenen und roten Gerbera geschmückt war, wurde von zwei Uniformierten durch die Stadt zum Kriegerdenkmal getragen und dort feierlich niedergelegt. Fackeln brannten und mahnten gegen das Vergessen.

Zahlreiche Soldatenvereinigungen waren gekommen, um der Gedenkfeier beizuwohnen. Das Bläserensemble der Stadtkapelle und der Gesangverein Höferänger schmückten die Feier musikalisch aus.