Es gibt sie und noch viel mehr: Landkarten, Glückwunschkarten, Schafkopfkarten, Post- und Ansichtskarten. Es war am 16. Juli 1870, als der Oldenburger Hofbuchhändler August Schwarz eine Karte mit dem Bild eines Kanoniers bedruckte und verschickt. Die erste Ansichtskarte ging auf die Reise und eine unglaubliche Erfolgsstory begann. Auch in Marktschorgast.


Johann Gareis hatte eine Vision


Welch eine Vision musste doch der Marktschorgaster Buchbinder Johann Gareis gehabt haben. Zehn Jahre nach der "Erfindung" der Ansichtskarte erschien bereits 1880 in seinem Verlag die erste Ansichtskarte von Marktschorgast. So hat es jedenfalls Buchbinder Martin Heinz festgehalten.

Recherchen im Gewerbeverzeichnis der Marktgemeinde Marktschorgast, das ab 1895 angelegt wurde, haben ergeben, dass Kuni Gareis, geborene Schaller, am 1. April 1902 dieses Gewerbe abgemeldet hat. In die Fußstapfen trat Kunigunde Heinz, geborene Gareis. Die Tradition setzte Buchbinder Martin Heinz nach seiner Lehre bei Rehm in Kulmbach am 23. Dezember 1925 fort.

Die Archivare Rudi Kurz, Peter Munk und Hans Jürgen Schiphorst haben zig Ansichtskarten mit den verschiedensten Motiven, die in den Marktschorgaster Verlagen Johann Gareis, Martin Heinz und Andreas Michel, bei Foto Nietert und weiteren 34 Verlagen erschienen sind, zusammengetragen und sie im Rathaus-Foyer in Glasvitrinen zur Schau gestellt.


Nur Originale

Gezeigt werden nur Originale, gegliedert nach Themen wie Ortsansichten, Kirchen, Grundmühle oder Goldberg. Zu sehen ist aber auch Kurioses in Form von Leihgaben von Rudi Kurz, Felix Heinz und Peter Munk. Eine "historische" Ausstellung, die Marktschorgast in einem besonderen Licht erscheinen lässt.

Da ist auch der Marktplatz von "Marktschorgast i. B." (Fotografie oben) zu sehen, wie er vor 120 Jahren ausgesehen hat - gänzlich ohne Bepflanzung. Und Pfarrer Konrad Schrepfer schrieb 1934 eine im Verlag Martin Heinz erschienene Ansichtskarte an S. Hochwürden Herrn Pfarrer F. Englert Leuterod, Post Siershahn, Westerwald b. Koblenz: "Carissime! Seit 16. September bin ich in diesem herrlichen Fichtelgebirgsort als Pfarrer ernannt. 1200 Seelen, sehr schön. Bahnlinie Lichtenfels - Hof. Gestern war Installation. Herzl. Grüsse, auch an Frl. Endlich. Ihr K. Schrepfer, Pfr. Marktschorgast, 24. 9. 1934."


Heute selten geworden


Fragt man heute bei Felix Heinz im Schreibwarenladen von Stephanie Heinz in Marktschorgast nach, so erhält man als Antwort, dass seit der Wende nur noch selten Ansichtskarten vom Erholungsort "Marktschorgast im Fichtelgebirge" hinaus in die Welt gehen.