Martin Krauß mag es nicht glauben. Der Marktschorgaster fährt regelmäßig mit dem Zug und hat es am heimischen Bahnhof bis dato recht einfach. Über einen höhengleichen Übergang gelangt der 70-Jährige zu den Gleisen.

Bald, so fürchtet der Rentner, könnte sich das allerdings ändern. Denn die Deutsche Bahn will den Übergang neu gestalten, plant neben neuen Bahnsteigen auch ein 650 000 Euro teures und über 7,50 Meter breites Brückenbauwerk aus Stahl. Eine Überführung, die wie Krauß viele weitere Marktschorgaster nicht wollen und der der Gemeinderat (wie im November 2015 berichtet) auch schon eine Absage erteilt hat.


"Unsere letzte Hoffnung"

Was die Deutsche Bahn offenbar aber nicht daran hindert, das Projekt voranzutreiben. Jetzt soll das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. "Wir haben das zum Anlass genommen und nochmals an die große Politik appelliert, hier einzuschreiten", sagt Bürgermeister Hans Tischhöfer (FW).

Ein Brief sei an Dorothee Bär (CSU), Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, gegangen. "Das ist unsere letzte Hoffnung. Wir hoffen sehr, dass uns die Staatssekretärin unterstützt und auf die Deutsche Bahn einwirkt."


Magazin "Quer" berichtet

Über den Marktschorgaster Protest hat am Donnerstag auch das Magazin "Quer" im Bayerischen Fernsehen berichtet. In dem Beitrag hat Hans Tischhöfer noch einmal deutlich gemacht, dass der Übergang ohne Aufzüge gebaut werden soll und damit nicht barrierefrei wäre. Die Aufzüge müsste, wenn sie es wolle, die Gemeinde errichten. "Wir investieren als kleine Kommune aber doch keine 500 000 Euro, um für ein börsenorientiertes Unternehmen für die Barrierefreiheit zu sorgen", sagt der Bürgermeister.

Hans Tischhöfer hatte die zunächst auch von der Bahn anvisierte Insellösung präferiert, einen Bahnsteig zwischen den Gleisen, der einen barrierefreien Zugang sichergestellt hätte.


"Einfach Lösung wäre möglich"

"Für uns Bürger ist es nicht nachvollziehbar, dass Hunderttausende in ein Bauwerk investiert werden, das uns nichts bringt - obwohl man einen Übergang hat, der taugt und mit nur wenig Geld ertüchtigt werden könnte", meint Bahnfahrer Manfred Krauß.


Mit dem Rollator?

Nicht nur für Krauß, der seit seiner Hüft-Operationen Stöcke als Gehhilfe benötigt, wären die Treppen ein großes Hindernis. Auch für Elfriede Rauh. Die 83-Jährige ist auf den Rollator angewiesen, weiß nicht, wie sie mit diesem die Überführung passieren sollte. Dabei muss sie oft mit dem Zug fahren, auch um Facharzt-Besuche wahrnehmen zu können.

Und was sagt die Deutsche Bahn? Sie spricht heute von 370 Fahrgästen, die täglich in Marktschorgast gezählt werden. In Abstimmung mit dem Bund sei die DB gehalten, "Mittel für den barrierefreien Ausbau dort einzusetzen, wo sie vielen Reisenden nützen, also bei Bahnhöfen mit einem wesentlich höheren Fahrgastaufkommen", betonte ein Bahnsprecher gestern auf Anfrage. Er führte weiter an: "Daraus resultiert unser Vorschlag, die Kommune möge sich beteiligen und die Errichtung von Aufzügen übernehmen."


Bahn spricht vom "Steg"

Die Errichtung eines Steges für etwa 650 000 Euro sei eine Folge der Entwicklung in Marktschorgast. "Der bisherige Zuweg über die Gleise kann aus Sicherheitsgründen nicht mehr aufrechterhalten werden. Wir verstehen den Wunsch nach der Beibehaltung dieser Regelung, sind aber gehalten, der Sicherheit oberste Priorität einzuräumen", erklärt der Sprecher der Bahn weiter.


Brücke birgt Gefahren

Dass aber genau das von der DB geplante Brückenbauwerk ein hohes Gefahrenpotenzial birgt, glauben die Marktschorgaster Bahnfahrer. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Überführung für mehr Sicherheit sorgt", sagt Martin Krauß, der an ein schneereiches Jahr gar nicht denken mag. "Ich frage mich, wie man da auf der Brücke den Winterdienst sicherstellen will. Für den 70-Jährigen ist das Brückenbauwerk ein Unding.