Nach dem Abriss des radonbelasteten Rathauses ist mitten in Marktleugast ein Platz entstanden, der seitdem "nur" als Parkfläche genutzt wird. "Mit dem Zustand können wir aber nicht zufrieden sein. Hier wird wild geparkt, manchmal kommen die Autos nicht mehr raus, und außerdem ist der Platz voller Stufen und Stolperfallen", sagt Bürgermeister Franz Uome (CSU). Seine Partei sei schon mit dem Abriss des alten Rathauses nicht einverstanden gewesen und sei jetzt auch mit dem Platz nicht glücklich. "Es ist ein Schandfleck, hier muss sich etwas tun", betont Uome klipp und klar.

Als er von der Elektrotankstellen-Offensive des Landkreises Kulmbach erfuhr, hat sich Uome als einer der ersten und als einziger Bürgermeister einer Oberlandgemeinde um eine Station der N-Ergie beworben.

"Wir hatten ursprünglich mit N-Ergie drei 22 kW-Tankstellen mit Typ2-Steckern angedacht, aber die Firma hat wegen des großen Interesses jetzt auf sechs Tankstellen aufgestockt", erklärt Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger vom Landratsamt und freut sich über die Aufgeschlossenheit im Landkreis in punkto E-Mobilität.
Als erste Kommunen haben Marktleugast, Thurnau, Himmelkron und Wirsberg Interesse an den Elektro-Tankstellen angemeldet. Dann folgten Neuenmarkt, Kasendorf, Marktschorgast und Stadtsteinach. Auch sie will einen kostenlosen Elektro-Ladepunkt der N-Ergie haben.

Die Kommunen müssen lediglich zwei Parkplätze zur Verfügung stellen, die Netzanschluss-Kosten tragen und eine Pauschale von 1200 Euro je Ladesäule bezahlen. Die Säule wird von der N-Ergie betrieben und gewartet und in den Ladeverbund Franken+ integriert.


Moderates Nutzungsentgelt

Für das Zapfen von Strom wird von N-Ergie irgendwann in der Zukunft ein "moderates Nutzungsentgelt" von den Elektroautofahrern erhoben, sagt Annemarie Endner von der N-Ergie. "Für die Auswahl der Standorte ist entscheidend, dass sie eine hohe Akzeptanz sowohl bei den Gemeinden als auch bei potenziellen Nutzern finden."

Der Radonplatz erfüllt alle Anforderungen. Er liegt zentral. Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten sowie der Ortskern sind in der Nähe. "Wir wollen den Platz mit Mitteln der Städtebauförderung neu gestalten", so Uome.
Bauamtsleiter André Weber zeigt den Plan: Im hinteren Bereich des Platzes in Richtung Wohnbebauung ist ein Grünstreifen geplant. Dieser grenzt elf Parkplätze ab, zwei Stellflächen für Elektroautos und Ladesäulen inklusive. "Die Elektrotankstelle soll ganz hinten in die Ecke", sagt der Bürgermeister. Dies habe technische Ursachen: Denn so könnten auch die Schaltschränke in den Grünbereich integriert werden.
Der Platz selbst soll mit Betonpflaster eben gestaltet werden. "Wir wollen auf jeden Fall die Stolperfallen, die jetzt vorhanden sind, beseitigen."

Der Bereich zur Straße soll besonders "aufgehübscht" werden. "Das Buswartehäuschen ist nicht mehr zeitgemäß", findet Uome, der das dunkle Gebäude durch ein freundliches, modernes mit Sitzbank und Glasdach ersetzen will. Der Platz soll mit Holztoren und viel Grün gestaltet werden. Es soll Rankpflanzen geben, Fahrradstände und als Clou eine Holzstele mit LED-Anzeige. "Die kann man für Veranstaltungen nutzen", erläutert Bauamtsleiter Weber. Außerdem soll ein neuer Info-Punkt aufgestellt werden. Auch eine überdachte Sitzgelegenheit mit Hotspot ist geplant.


Parkplätze: elf plus drei

In Zukunft, so der Bürgermeister, werde es elf Parkplätze geben plus drei weitere an der Straße. Die Kosten der Neugestaltung des Platzes bezifferte er mit 150 000 Euro.
In Bezug auf die Ladestation vertritt Uome die Überzeugung, dass die Elektromobilität nicht mehr aufzuhalten ist. Auch Bauamtsleiter Weber hat keine Zweifel daran, dass die Stromtankstelle nur ein erster Schritt in Richtung Zukunft ist.

Kein Problem ist übrigens der Umstand, dass Marktleugast Konsolidierungsgemeinde ist und jeden Cent zwei Mal umdrehen muss. Uome: "Wir haben schon im Vorfeld alles mit der Regierung von Oberfranken abgesprochen. Wir bekommen auch eine Förderung auf die Anschlusskosten in Höhe von 1200 Euro. Wir müssen den Platz sowieso neu gestalten, da sind ohnehin Erdarbeiten und Angleichungsmaßnahmen nötig."

Die Firmat N-Ergie hat allein im vergangenen Jahr 25 Ladepunkte in Betrieb genommen, weitere 60 sollen heuer in der Metropolregion Nürnberg folgen. Im Landkreis Kulmbach sind derzeit 30 Fahrzeuge unterwegs, die rein elektrisch betrieben werden, außerdem 125 Hybridfahrzeuge. Obwohl der Anteil verschwindend gering ist, soll das Ladenetz ausgebaut werden. "Es geht tatsächlich aufwärts", sagt Uwe Limmer von der Kfz-Zulassungsstelle. "Allein im vergangenen halben Jahr wurden sieben neue Elektrofahrzeuge zugelassen und 15 neue Hybridfahrzeuge."

Landrat Klaus Peter Söllner glaubt ebenfalls an die "Technologie der Zukunft". Zwar habe es die Elektromobilität momentan wegen der niedrigen Öl- und Benzinpreise nicht einfach, aber auf lange Frist führe kein Weg daran vorbei. "Das ist sicherlich der richtige Weg."