Dass auch der Markt Wonsees einen aktiven Beitrag bei der Unterbringung von Flüchtlingen leisten möchte, steht seit langem fest. Jetzt haben sich Bürgermeister Andreas Pöhner und die Gemeinderäte auf eine Lösung geeinigt: Dabei geht es um das gelbe Eckhaus direkt am Marktplatz.

"Die Eigentümerin ist vor wenigen Wochen auf mich zugekommen und hat angefragt, welche Möglichkeiten es gäbe, ihr Haus mit insgesamt drei Wohnungen für die Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen", berichtete der Bürgermeister.

Pöhner klärte die Eigentümerin, die in Würzburg lebt, darüber auf, dass auch eine gewisse "soziale" Betreuung gefordert sei. Nach internen Beratungen mit den Marktgemeinderäten bot er an, dass der Markt das Haus anmietet und die Ausstattung, die Betreuung und integrative Aufgaben übernimmt.


Wohnungen bis 70 Quadratmeter

In dem Haus befinden sich drei separate Wohnungen mit bis zu 70 Quadratmetern. Jedem Flüchtling steht ein Wohnraum von sieben Quadratmetern zu, damit ist genug Platz für drei Familien, egal wie viele Kinder diese haben.

"Wir wollen die Wohnungen bis Mitte Oktober auf Vordermann bringen, dann könnten die ersten Flüchtlinge zum 15. Oktober einziehen", so Pöhner.

Der Bürgermeister rechnet damit, dass in Wonsees für zwölf bis 15 Flüchtlinge Platz wäre. "Wir haben 1150 Einwohner, damit wäre eine gute und äußerst akzeptable Quote erfüllt - übrigens genau die Ein-Prozent-Quote, die der Wirsberger Bürgermeister Hermann Anselstetter einmal als landkreisweiten Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge gefordert hat", so Pöhner. Er hofft auf die Ansiedlung von Familien: "Wir haben einen Kindergarten, einen Sportverein und eine Hebamme vor Ort. Solch einen Beitrag könnten wir leisten."


Integration von Anfang an

Der Markt Wonsees will allerdings auch mit der Art der Unterbringung neue Wege gehen. Die Wohnungen mitten im Ort sollen dazu beitragen, die Menschen von Anfang an gut zu integrieren. Schon im Vorfeld hat der Markt Gespräche mit Vereinen und mit der Kirche geführt. Die Flüchtlinge sollen nicht einfach nur Wohnraum in Wonsees finden, sondern es soll eigens für sie ein 400-Euro-Jobber angestellt werden, der sich um die Familien kümmert. "Die Flüchtlinge sollen Hilfe bekommen bei der Beheizung der Wohnungen. Ein Betreuer kann ihnen zeigen, wie man Waschmaschinen bedient und andere Dinge", schwebt Pöhner eine kompetente Unterstützung vor.

"Zwischenzeitlich haben wir schon Helfer gefunden, die sich um die Einrichtung der Wohnungen kümmern würden, und wir haben sogar einen seit Jahrzehnten in Deutschland lebenden Bürger syrischer Abstammung gefunden, der sich als Dolmetscher zur Verfügung stellen würde", betonte er.

Allerdings bittet Pöhner die Wonseeser, bei der Ausstattung der Räume Schützenhilfe zu leisten: "Der Ggemeinderat geht davon aus, dass sich die Mehrheit der Bürger der humanitären Verantwortung für die Bürgerkriegsflüchtlinge bewusst ist und es befürwortet, dass die Marktgemeinde Wonsees ihren Beitrag zur Aufnahme der Asylsuchenden leistet."

Der Sitzungssaal platzte am Mittwochabend aus allen Nähten. Viele Wonseeser waren gekommen, um Näheres über die Unterbringung der Flüchtlinge zu erfahren. Wie ein Lauffeuer hatte sich das Vorhaben des Marktes herumgesprochen - und nicht bei allen stießen die Pläne auf Begeisterung.

Ein Nachbar gab zu bedenken, dass zu dem ausgewählten Haus kein Grund gehöre. "Selbstverständlich ist anfangs mit gewissen Irritationen zu rechnen, da von beiden Seiten zunächst kulturelle, soziale und sprachliche Barrieren überwunden werden müssen.


Appell an Bürger

Hier appellieren wir aber an jeden einzelnen Bürger, auf die Asylsuchenden vorurteilsfrei zuzugehen und ihnen das Gefühl zu geben, in Wonsees willkommen zu sein", argumentierte Pöhner.

Mit dem Vorstoß, mitten im Ort Flüchtlingen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wolle der Markt auch Vorstellungen entgegentreten, dass die Menschen in der leer stehenden Schule untergebracht werden könnten. Natürlich sei in dem Gebäude eine Menge Platz, auch für über hundert Flüchtlinge. "Aber man muss auch sehen, dass wir im Hauptort 430 Menschen haben. Wenn man noch die Arbeitenden und die Schüler, die tagsüber weg sind, abzieht, würde sich ein ungutes Ungleichgewicht ergeben", befürchtet der Bürgermeister.

Wie Pöhner sprachen auch die Mitglieder des Gemeinderats einhellig von "humanitärer Verpflichtung" und von "Solidarität". Sie fassten ohne Gegenstimme den Beschluss, dem Landratsamt Unterkunft zu melden. Bis Mitte Oktober soll das Haus am Marktplatz bezugsfertig ausgestattet sein.


Spenden

Ausstattung Alle Bürger aus Wonsees oder Umgebung, die für die Flüchtinge Einrichtungsgegenstände, Küchenutensilien, Waschmaschinen, Stühle, Geschirr oder Sonstiges zur Verfügung stellen möchten, können sich mit der Gemeindeverwaltung in Kasendorf in Verbindung setzen (Telefon (09228/99960).

Abholung Die ehrenamtlichen Helfer werden sich dann mit den potenziellen Spendern in Verbindung setzen. Gegebenenfalls werden die Spenden abgeholt.