Obwohl er in einer Kneipe in der Oberen Stadt brutal zusammengeschlagen wurde, konnte oder wollte sich ein 26-jähriger Mann aus Kulmbach an nichts mehr erinnern. Auch sein Bruder, der am frühen Morgen des 27. Dezember des vergangenen Jahres ebenfalls ein paar Schläge abbekommen hatte, konnte nur noch sagen, dass etwas eskaliert sei. Was, wie und warum und vor allem wer die Schläger waren, auch dazu gab es von ihm bei einem Prozess vor dem Amtsgericht in Kulmbach keine Auskunft.

Die beiden Angeklagten, ein 35- und ein 36-jähriger Türke sagten, dass sie es nicht gewesen seien. Die Verhandlung soll nun am 25. September mit der Einvernahme der Hauptbelastungszeugin fortgesetzt werden. Die junge Frau, die beide Angeklagte identifiziert hatte, war eigentlich auch geladen, hatte sich aber krankheitsbedingt entschuldigt. Nun soll sie beim Fortsetzungstermin vernommen werden.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, den 26-Jährigen am 27. Dezember gegen zwei Uhr in dem Lokal brutal zusammengeschlagen zu haben. Auch als der Mann bereits am Boden lag, hätten die beiden zusammen mit einem noch unbekannten Dritten auf ihn eingetreten. Der Mann erlitt dabei einen Nasenbeinbruch, eine Jochbein-Prellung sowie verschiedene andere Verletzungen und musste im Klinikum behandelt werden.
Er könne sich an nichts erinnern, sagte der 26 Jahre alte Angeklagte. Mit der Schlägerei habe er jedenfalls nichts zu tun, er habe an diesem Abend nur alkoholfreies Bier getrunken und habe nicht einmal jemanden schlagen sehen.

Die gleiche Aussage machte der um ein Jahr ältere Mitangeklagte. Irgendwie habe es da schon irgendwo Streit gegeben, aber er habe nichts damit zu tun. Beiden Männern war angeblich absolut schleierhaft, warum gerade sie auf die Anklagebank Platz nehmen mussten.


Weder Freund noch Feind

Die Einlassungen des Opfers waren es jedenfalls nicht, die zu den beiden Männern führte. "Wir sind weder befreundet noch verfeindet, mehr kann ich nicht dazu sagen", wiederholte der 26-Jährige immer wieder. Er wusste weder, welche Verletzungen er damals davongetragen hatte, noch warum er sich einem Alkoholtest widersetzt habe. "Da müssen wir Sie ja fast schon unter Betreuung stellen, wenn sie so gar nichts wissen", sagte Richterin Sieglinde Tettmann und bezeichnete diese Einlassungenals unglaubwürdig.

Nicht anders geriet die Aussage seines Bruders. "Irgendwas ist eskaliert", sagte der 33-jährige Koch aus Kulmbach. Immerhin hatte er noch bei der Polizei einen der beiden Angeklagten auf einem Foto identifiziert. Doch davon wollte er jetzt nichts mehr wissen. Warum, das blieb auch während der Verhandlung schleierhaft.


"Da war viel kaputt"

"Das Opfer hat die Zusammenarbeit mit der Polizei strikt verweigert", sagte der Polizeibeamte, der damals vor Ort war und der die Ermittlungen leitete. Erklärung hatte der Beamte der Polizeiinspektion Kulmbach dafür auch keine, zumal ja das Opfer ziemliche Verletzungen davongetragen hatte. "Da war viel kaputt", sagte der Polizist und erinnerte sich noch lebhaft an das blutverschmierte Gesicht des 26-Jährigen.

Nun will das Gericht noch die damalige Freundin des Bruders vernehmen. Eigentlich war die Frau schon diesmal geladen, musste sich aber entschuldigen. Sie war es, die beide Angeklagte auf ihren Facebook-Profilen ausfindig gemacht hatte und die beide auch auf polizeilichen Fotos identifizieren konnte.

Die Verhandlung wird am 25. September um 12 Uhr fortgesetzt.