Er hat vor Monaten schon im Mainleuser Rathaus angerufen. Dann im Landratsamt. Und schließlich beim Kulmbacher Stadtbauhof. Jeder hat Detlef Hommer gesagt: Wir sind nicht zuständig, rufen Sie die anderen an. Wie beim Buchbinder Wanninger, der im telefonischen Labyrinth verzweifelt. Fast 80 Jahre alt ist der Sketch des Münchner Komikers Karl Valentin, aber offenbar immer noch modern.

Hommer betreibt am Mainleuser Ortseingang bei Neuseidenhof den Maintal-Gril. Sein Problem: Seit dort - unweit der B 289 - eine neue Stadtbushaltestelle eingerichtet wurde, ist die Böschung dahinter völlig vermüllt. Pappbecher, in denen mal Kaffee zum Mitnehmen war, Plastik, Verpackungen und vieles mehr. Der Dreck stinkt ihm gewaltig. "Ich halte mein Imbiss-Gelände sauber. Wenn daneben Sauerei ist, schaut es nicht einladend aus", sagt er und meint: "Ein kleiner Abfallkorb, der ab und zu geleert wird, würde Abhilfe schaffen. Aber wir ersticken noch an der Bürokratie."


Was sind das bloß für Leute?

Die Müllhaltestelle bietet tatsächlich keinen schönen Anblick. Aber wer ist dafür zuständig? Natürlich zuerst mal der Verursacher. Denn es steht nirgendwo geschrieben, dass ein Fahrgast, der auf den Bus wartet, mit seinem leeren Kaffeebecher die Landschaft verschmutzen muss. Man könnte den Abfall auch mitnehmen und daheim entsorgen.

Eine Müllpolizei haben wir nicht - also stellt sich die nächste Frage: Wem gehört die Böschung bei der Haltestelle? Hier ist ein Blick auf die Landkarte hilfreich: Auf der dortigen Kulmbacher Straße verläuft die Kreisstraße KU 6. Folglich müsste der Landkreis als Baulastträger unser Ansprechpartner sein.


Landkreis reagiert sofort

Volltreffer, ist doch gar nicht so schwer! Tiefbau-Abteilungsleiter Dieter Geißler für die Kreisstraßen zuständig. Er bestätigt nach kurzer Recherche: "Die KU 6 ist Kreisstraße, also sind wir zuständig. Die Böschung gehört uns." Ihm ist das Problem zwar nicht bekannt, aber er schickt umgehend einen Trupp raus, der den Unrat einsammelt. Nach Rücksprache mit der Straßenmeisterei erklärt er: "Wir mähen dort zweimal im Jahr, wenn nötig auch dreimal, und räumen den Müll weg. Aber das können wir nicht jeden Tag machen, dafür haben wir nicht das Personal."

Geißler hofft, "dass sich das Bewusstsein der Leute ändert" - glaubt aber wohl selbst nicht recht daran. Um das Problem in den Griff zu kriegen, schlägt er vor, "dass man's gemeinsam macht": der Landkreis und die Gemeinde. Mainleus könnte einen Papierkorb aufstellen und leeren. "Das kommt dem Ortsbild zugute."


Gemeinde macht mit

Der neue Bürgermeister Robert Bosch, seit einem Monat im Amt, ist durchaus aufgeschlossen. Er will sich selbst die Situation anschauen und mit dem Grill-Betreiber reden. "Wenn die Gemeinde einen Beitrag leisten kann, dann wollen wir das auch tun. Wir hatten zwischen Edeka-Markt und Bodenäckerstraße einen ähnlichen Fall - da haben wir auch gesagt, dass ein Abfallkorb hinkommt hin."



LESERTHEMA

Mit der Müll-Geschichte hat sich BR-Leser Detlef Hommer an uns gewandt. Wollen auch Sie, dass wir ein bestimmtes Thema aufgreifen, recherchieren und darüber berichten? Schicken Sie uns per E-Mail redaktion.kulmbach@infran-ken.de Ihren Vorschlag.