Allerdings: "Da ist eine grundlegende Sanierung notwendig, da ist ein Liebhaber gefragt", sagt sie über die Entscheidung des Gemeinderates, das Gebäude zu verkaufen.

Wann genau der Marktflecken Ludwigschorgast einen eigenen Bahnhof bekommen hat, lässt sich nicht mehr genau feststellen. "Im rechtsrheinischen Bahnhofsverzeichnis von 1906 ist das Gebäude jedenfalls nicht aufgeführt", sagt Doris Leit hner-Bisani. Alte Protokolle aber belegen, dass der Gemeinderat am 14. März 1907 "200 Mark Zuschuss zur Förderung der Eisenbahnhaltestelle" beschlossen hat. Insofern ist davon auszugehen, dass der Bahnhof im Zeitraum zwischen 1910 und 1915 errichtet wurde, als die Bahnstrecke zwischen Neuenmarkt und Untersteinach ertüchtigt wurde.

Ein Waggon als Warenlager

In einer Zeit, als der Individualverkehr noch keine große Rolle spielte, kam dem Haltepunkt Ludwigschorgast eine wichtige Bedeutung zu - auch im Hinblick auf den Gütertransport. Ludwig Leithner, Vater der Bürgermeisterin, kann sich noch gut an diese Zeiten erinnern. So stand direkt neben dem Bahnhof ein Waggon, in dem die angelieferten Waren bis zur Abholung durch die Empfänger aufbewahrt wurden.

Und so drückte an einem warmen Sommertag Anfang der 1950er Jahre der Bahnhofswärter dem jungen Ludwig 50 Pfennige in die Hand und schickte ihn mit dem Fahrrad nach Unterbirkenhof. Dort sollte er Bescheid geben, dass am Bahnhof verderbliche Ware auf ihren Abnehmer wartet. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um Küken. Den heißen Tag im Waggon hätten sie wohl nicht überlebt. Und da hätte sich der Bahnhofswärter jede Menge Ärger eingehandelt...

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war das mittlerweile um eine Wartehalle erweiterte Gebäude von Eisenbahnerfamilien bewohnt. Doch die Zeiten änderten sich. Bis Ende der 1970er Jahre stand Johann Schmidt nur noch stundenweise am Fahrkartenschalter oder gab Reiseauskünfte. Heute gibt es Zugfahrkarten nur noch aus dem unansehnlichen Automaten.

1987 von der Marktgemeinde übernommen

Nur noch sporadisch bewohnt, wechselte das Gebäude 1987 den Besitzer. Die Marktgemeinde übernahm den Bahnhof zusammen mit einem großen Grundstück, auf dem ein Regenüberlaufbecken angelegt wurde. Zugleich ergab sich für die Kommune damit die Möglichkeit, eine Sozialwohnung vorzuhalten. Das Nutzungsrecht für die Schalterräume blieb zunächst noch bei der Bahn.

Inzwischen steht der Bahnhof Ludwigschorgast leer. Er wird nun von der Gemeinde zum Kauf angeboten. Und nicht nur Bürgermeisterin Doris Leithner-Bisani hofft, dass sich ein Liebhaber für das Anwesen findet und das Gebäude wieder genutzt wird. Was den Preis angeht, kann sie momentan noch keine konkreten Angaben machen. Da eine Kommune Eigentum nicht zum Schätzpreis veräußern darf, wird derzeit ein Gutachten angefertigt. Interessenten können sich aber schon vorab melden.