Es ist ein Begriff aus längst vergangenen Zeiten, die "Krumba". Ein Festtag im kargen und arbeitsreichen Jahreslauf des Bauernstandes, der früher zu den größten Veranstaltungen im Dorf zählte und vor allem für das Gesinde eine willkommene Abwechslung war. Schon in aller Herrgottsfrühe beginnt das Hausschlachtfest, für das ein Schwein sein Leben lassen muss.

In Willmersreuth legen die Interessengemeinschaft und der Heimatpflegeverein seit 29 Jahren großen Wert auf die Fortführung dieses dörflichen Festes, auf bäuerliche Traditions- und Brauchtumspflege. So herrschte am Wochenende rund um das Bürgergemeinschaftshaus wieder ein großer Andrang. Vor allem das kulinarische Angebot mit Schlachtschüssel, sechszipfeliger Bratwurst, Haxen mit Kraut und grünen Klößen oder Sau am Spieß lockte Besucher aus nah und fern, darunter natürlich viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft. Alleinunterhalter wie Hans-Georg Busch, Rainer Eichner oder der hauseigene "Franken-Musikant" Vitus Karg sowie traditionell die Blaskapelle Marktleugast trugen mit schmissigen Weisen wieder zur Stimmung bei.

Die Worschdfohrer, zwölf abenteuerlich gekleidete junge Burschen und Mädchen mit rußgeschwärzten Gesichtern, sorgen mit viel Geschrei und lustigen Versen aus dem bäuerlichen Alltagsleben für Humor. Fast keiner der Gäste konnte ihnen ausweichen, jeder bekam ebenfalls ein rußgeschwärztes Gesicht verpasst. Gegen einen Obolus konnten die "Gezeichneten" dann eine der auf Spießen aufgereihten schweinernen Spezialitäten und einen Verdauungsschnaps ergattern.

Welche Mühe und Arbeit hinter einem solchen Fest steckt, ahnte kaum einer der Festbesucher. Allein die organisatorische Vorbereitung der viertägigen Mammutveranstaltung sorgte bei IG-Vorsitzender Cornelia Krauß und ihrem Team für harte Tage und schlaflose Nächte, bevor alles bis aufs kleinste Detail unter Dach und Fach gebracht war. Zahlreiche freiwillige ehrenamtliche Helfer und Helferinnen waren tagelang im Stress, um den Gästen frohe und erholsame Stunden zu bereiten. Metzger, Küchen-, Schank- und Reinigungspersonal taten ihr Bestes, um allen Ansprüchen gerecht zu werden. Und wenn es einmal Ärger oder Beschwerden gab, mussten die Bedienungen an vorderster Front psychologisches Geschick, Geduld und Einfühlungsvermögen beweisen.

"Eine Selbstverständlichkeit"

Eine dieser guten Geister ist Lizi Maier, allseits bekannt und beliebt und seit 29 Jahren als ehrenamtliche Bedienung bei der "Krumba" tätig. "Für mich als eingeheiratete Willmersreutherin war es eine Selbstverständlichkeit, mich wie mein Mann für die Dorfgemeinschaft zu en-gagieren", erzählt sie. Am Anfang hatte sie für die viertägige Veranstaltung sogar extra Urlaub genommen. "Die Arbeit hat mir von Beginn an viel Spaß gemacht, weil ich mit vielen Leuten zusammenkam", so die Altenpflegerin, die gerne Umgang mit vielen Menschen hat.

Am Samstagvormittag war Lizi Maier zunächst einige Jahre alleine tätig, weil nur wenige Besucher kamen. Im Laufe der Jahre erfreute sich die "Krumba" jedoch immer größerer Beliebtheit, so dass von Samstag bis Montag die Gäste täglich in vier Schichten bedient werden mussten. "Wir waren aber immer ein tolles Team", bestätigt Maier, die im gleichen Atemzug aber beklagt, dass das ehrenamtliche Engagement immer weniger. "Aber unsere Chefin Cornelia Krauß versteht es trotz allem immer wieder, junge Leute zum Mitmachen zu bewegen. Ich nehme die Gäste so, wie sie sind, doch manchmal ist es schon ein wenig stressig, vor allem wenn wir viel Gartenbetrieb haben."

Doch die Willmersreutherin weiß, dass ein freundliches Lächeln mehr bringt als tausend Entschuldigungen. Auf jeden Fall freut sie sich schon heute auf die Jubiläums-Krumba im nächsten Jahr. "Da feiert die Interessengemeinschaft 30 Jahre Krumba, und da bin ich mit meiner Tochter Jasmin natürlich wieder dabei", versichert Lizi Maier jetzt schon.