Die oberfränkischen Grünen schicken mit Lisa Badum aus Forchheim bei der Bundestagswahl 2017 eine Spitzenkandidatin ins Rennen. Die 33-jährige Politikwissenschaftlerin, die bei Naturstrom arbeitet, hatte beim Bezirksparteitag im Mönchshof-Bräuhaus fast alle Delegierten - nur eine Enthaltung - hinter sich. Außerdem wurde Christine Schörner aus Hof als Bezirksvorsitzende im Amt bestätigt.


Große Koalition heißt Stillstand

Badum setzte klare Akzente für den Wahlkampf: "Wir wollen eine bessere, wir wollen eine grüne Welt. Und wir wollen Veränderung statt des Stillstands, den wir bei der jetzigen Koalition erleben."

Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz, Mitglied im Haushaltsausschuss, stellte fest, dass die Große Koalition die eigentlichen Probleme überhaupt nicht anpacke. So reiche es nach ihrer Meinung nicht, das Wort Energiewende nur in den Mund zu nehmen, sondern man müsse diese auch gestalten.


Kampf um Energiezukunft

Badum zufolge werde unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit ein Kampf um die Energiezukunft des Landes ausgetragen: "Die Erneuerbaren, die Bürgerenergie, sind so stark geworden, dass selbst die Großkonzerne schon um ihre Existenz fürchten." Deshalb habe die Bundesregierung ihre Politik geändert. Aber die Grünen stünden weiter an der Seite von 1,5 Millionen Erzeugern von erneuerbarer Energie. "Wir stärken Genossenschaften und neue Geschäftsmodelle. Oberfranken kann Vorreiter in Bayern sein - wie schon beim Ausbau der Windkraft. Technisch ist die Energiewende möglich, jetzt gilt es die Menschen zu begeistern", sagte sie.

Nachhaltigkeit hat nach ihren Worten viele Dimensionen. Dazu zähle auch die soziale Gerechtigkeit. Badum: "Es kann nicht sein, dass einzelne Menschen immer mehr Vermögen anhäufen können." Auch die Gesellschaftspolitik bleibe grüne Kernkompetenz: Chancen und Möglichkeiten der Menschen dürften nicht vom Geschlecht abhängig sein.


Nein zu Sexismus und Rassismus

In Zeiten, in denen ein US-Präsidentschaftskandidat damit prahlt, dass er Frauen sexuell missbraucht hat, so fuhr die Forchheimer Kreisrätin fort, sei ein Aufschrei wichtiger denn je. Badum: "Wir sagen nein zu Sexismus und Rassismus. Wir sagen ja zu einer offenen, liberalen Gesellschaft mit unseren demokratischen Grundwerten", betonte die Spitzenkandidatin.

Lisa Badum forderte auch eine "ordentliche" Erbschaftssteuer: "Die Starken in diesem Land müssen mehr tragen." Genauso brauche es eine Generationengerechtigkeit zwischen Alt und Jung: "Jüngere Menschen müssen sich stärker in die Gesellschaft einbringen. Aber wir müssen auch die Renten zukunftsfest machen."


Betonlawine stoppen

Was den Flächenfraß in Bayern angeht, gab die Spitzenkandidatin der Grünen eine klare Antwort. "Wir sagen nein zur Aufweichung des Anbindegebots. Denn das würde dem Flächenfraß Tür und Tor öffnen. Die Betonlawine, die täglich 25 Fußballfelder oder 18 Hektar unter sich begräbt, muss gestoppt werden. Genauso sagen wir nein zur Verödung von Ortskernen, zum Verlust von landwirtschaftlichen Nutzflächen und zur Zunahme des Autoverkehrs", so Badum.