"So viel haben wir schon lange nicht mehr gelacht!" Das war wohl der häufigsten geäußerte Satz am Ende einer umjubelten Premiere der Theatergruppe der Lanzendorfer "Gartler". Das Volksstück "Männer haben's auch nicht leicht" war ein Frontalangriff auf die Lachmuskeln. Man hattte den Eindruck, Autorin Regina Rösch hätte ihr Stück eigens für Wolfgang Müller aus Streit geschrieben. Was der Landwirtschaftsmeister in der Rolle des Junggesellen Rudolf Struppe bot, war Laienspiel vom Feinsten. Wenn man ihn nur anschaute, musste man lachen, weil seine Mimik und Gestik so authentisch und ausdrucksstark waren.


Wolfgang Müller zum Schreine komisch


Es passte einfach alles. Wolfgang Müller schien förmlich über sich hinauszuwachsen. Was die Inszenierung außerdem auszeichnete, war der Lokalkolorit, der immer wieder aufblitzte. Egal, ob es das bekannte Mühlenfest war, das sich wie ein roter Faden durch das Stück zog, oder der ländlich geprägte und überschaubare Ortsteil Kremitz, in dem auch der Bürgermeister der Gemeinde Himmelkron wohnt.

"Männer haben's auch nicht leicht!" Das war die zentrale Botschaft, mit der Tanja Dupke das Lustspiel eröffnete. Augenzwinkernd fügte die resolute Schwester des Junggesellen und Automechanikers Rudolf Struppe gleich hinzu: "Aber die Frauen auch nicht immer!" Auch Tanja Dupke war für die putzwütige Schwester eine Idealbesetzung. Schon mit dem ersten Dialog der beiden nahm das Stück Fahrt auf.


Die Heimsuchung des Putzteufels


Die Gängeleien, mit denen Ehemänner gemeinhin im täglichen Leben konfrontiert werden, kennt der eingefleischte Junggeselle Rudolf Struppe nur aus den Erzählungen seiner verheirateten und schwer geknechteten Freunde Schorsch Maier (Andre Mühlbauer) und Willi Gruber (Hans Engelhardt). Eigentlich könnte er ganz entspannt und frei von allen Zwängen leben, wäre da nicht seine Schwester Apollonia, die Rudolf vor allen Feiertagen "heimsucht", um seine heruntergekommene Wohnung durch eine wahre Putzorgie wieder auf Vordermann zu bringen.

Unterstützt von den Ehefrauen der Freunde, Greta (Anja Gumtow) und Gunda (Ute Schmitt), sowie der Nachbarin Irene (Michaela Hartmann), vernichtet die Schwester jedes Staubkorn und jede noch so winzige Bazille. Getrieben von der Sorge um ihren verwahrlosten Bruder, dessen Cholesterinwerte wirklich unter aller Kanone sind, treibt Apollonia Rudolf so allmählich in den Wahnsinn. Sie streicht nicht nur seine geliebte Fleischwurst, sondern auch die täglichen sieben Biere und ersetzt sie gnadenlos durch Tofuwürstchen, Müsli und Kräutertee. Statt wie gewohnt in langer Unterhose auf dem alten ramponierten Sofa zu nächtigen, muss Rudolf nun im engen, zwickenden Schlafanzug ins Bett und wird selbst da in seinen Träumen von Staubtüchern und Putzlappen verfolgt.


Happy-end mit Fleischwurst


Damit noch nicht genug! Spätestens als die Schwester beschließt, bis zum traditionellen Mühlenfest volle neun Wochen bei ihrem Bruder zu wohnen und danach entweder ganz bei ihm zu bleiben oder ihn endlich unter die Haube zu bringen, beginnt für Rudolf der Kampf ums nackte Überleben. Unterstützt von Vinzenz (Manuel Hartmann), dessen flippiger Schwester (Nadine Hartmann) und dem Frauenschwarm Gustav Schön (Klaus Rossner) beginnen Rudolfs Freunde Schorsch und Willi einen Plan zur Rettung ihres Freundes zu schmieden. Einfach köstlich, wie Hans Engelhardt dabei als "Annemarie" in ein fesches Dirndl schlüpft. Doch auch die holde Weiblichkeit des Ortes bleibt nicht untätig. Die Ereignisse überstürzen sich, doch am Ende sorgt die Lieblingswurst dann doch für ein Happy-End ...

Die Leistung aller Akteure kann man nicht hoch genug bewerten. Hinter den Kulissen leisteten Ingeborg Ulm, Christa Täuber und Beathe Lang für Maske und Frisuren eine professionelle Arbeit gemacht.