"Wir haben uns überlegt, wie wir mit diesem Tagesordnungspunkt umgehen. Die Ereignisse von Würzburg, München und jetzt auch Ansbach tangieren ihn zumindest teilweise." Landrat Klaus Peter Söllner wählte seine Worte mit Bedacht, als er gestern den ersten Punkt der Kreistagssitzung ankündigte: "Koordination der Bildungsangebote des Landkreises für Neuzugewanderte; Integrationsphase II."

Das Thema war bereits lange vor den Anschlägen und Amokläufen der vergangenen Tage und Wochen vorbereitet worden. Konkret geht es darum, dass die Mitglieder des Kreistags gebeten werden, in ihrem persönlichen Umfeld Bürger anzusprechen, die sich als Coaches gewinnen lassen - als Betreuer für jene Flüchtlinge und Asylbewerber, die in den Berufsvorbereitungs- beziehungsweise Berufsprozess einsteigen.


"Mit Mut und Kreativität"

Zuständig für den Aufbau der Stabsstelle "Flüchtlingsarbeit" ist Peter Müller vom Referat Öffentliche Sicherheit, Soziales (Telefon: 09221/707123). Er erläuterte, dass die Bundesregierung den Kommunen die Möglichkeit gibt, eine Koordinatorenstelle zu schaffen, die aus einem Fördertopf bezahlt wird. Dazu müsse nun ein entsprechender Antrag beim Bundesministerium für Bildung und Forschung gestellt werden. "Mit Entschlossenheit, Mut und Kreativität gelingt es nun vielleicht, solche Ereignisse zu verhindern", sagte Müller, der ebenfalls nicht an den verheerenden Taten des vergangenen Wochenendes vorbeikam. "Wir haben die Ängste der Bürger wahrzunehmen, wir müssen der Gesellschaft aber auch erklären, welche Konzepte wir haben."

Nachdem die Phase der Willkommenskultur abgeschlossen sei, gelte es nun, einen Steuerungs-, Unterstützungs- und Entscheidungsprozess sowie die Förderung in allen Bereichen (Kindergarten, Schule, Ausbildung, Arbeitsplatz) einzuleiten. Ideal wäre es, so Müller, wenn sich die jungen Flüchtlinge folgendes Ziel verinnerlichen könnten: "Spätestens 2022 fahre ich einen 3er-BMW."


"Nach unseren Regeln"

Die Coaches, die möglichst Kompetenzen in Sachen Personalführung mitbringen sollten, hätten dabei die Aufgabe, den Flüchtlingen "unser System" zu verdeutlichen und ihnen die Erkenntnis zu vermitteln, "dass ein geordnetes Leben nach unseren Regeln eigenverantwortlich möglich ist, ohne dabei seine Herkunft, Traditionen und Wurzeln verleugnen zu müssen.

Für interessierte Bürger bezifferte Müller den wöchentlichen Zeitaufwand auf eine Stunde pro Flüchtling. Die Rahmenbedingungen lege der jeweilige Coach selbst fest, das Coaching könne jederzeit beendet werden.
Dies unterstrich Landrat Söllner, für den Integration ein professionelles Vorgehen erfordert. Er sah in dem Coaching die Chance, jungen Menschen, die vielleicht orientierungslos sind, eine Hilfestellung zu geben. Deren Verhalten müsse dabei auch analysiert werden, und bei Bedarf sollte im Notfall auch ein entschlossenes Einschreiten gewährleistet sein.


592 Flüchtlinge im Landkreis

Die Kreistagsmitglieder wurden gestern auch mit aktuellen Zahlen versorgt. Demnach leben im Landkreis 592 Flüchtlinge, davon 185 in einer Gemeinschaftsunterkunft und 298 dezentral in 17 Gemeinden. Als unbegleitete Jugendliche sind 65 Personen registriert. Anerkannt (Stand: 22. Juli) sind bisher 205 Menschen aus Syrien, 100 aus Afghanistan und 116 aus Iran/Irak.

Für die Zugewanderten, die vom Jobcenter betreut werden, weist die Statistik 238 Personen aus. Davon sind 90 Prozent ohne Beruf, aber nicht ohne Qualifikation. 70 Prozent sind männlich, 30 Prozent weiblich, 85 Frauen und Männer sind verheiratet. 92 Personen sind unter 15 Jahre alt, 141 unter 25 Jahre.

Die Agentur für Arbeit betreut 90 Flüchtlinge im Landkreis Kulmbach, zum großen Teil Männer, deren Frauen und Kinder noch in der Heimat leben. Schwerpunkt der Herkunftsländer sind Syrien, Afghanistan, Irak und Ukraine.


Sanierung des Awo-Förderzentrums ist beendet

Die Generalsanierung des Förderzentrums der Arbeiterwohlfahrt in der Hannes-Strehly-Straße (Werner-Grampp-Schule) ist abgeschlossen. Das hat der Awo-Kreisverband mitgeteilt, weshalb die finanzielle Beteiligung an dem Projekt auf der Tagesordnung der Kreistagssitzung stand.

"Das Gebäude ist komplett saniert und energetisch auf dem neuesten Stand", betonte Architekt Hans-Hermann Drenske, der die einzelnen Maßnahmen erläuterte. Landrat Klaus Peter Söllner wies darauf hin, dass die tatsächlichen Aufwendungen unter den veranschlagten förderfähigen Gesamtkosten geblieben sind, weshalb sich der auf den Landkreis Kulmbach entfallende Kostenanteil von 417 000 auf 384 214 Euro verringert habe. Abzüglich der bereits ausgezahlten Fördersumme von 130 000 Euro verbleibe nun noch ein Restbetrag von 254 214 Euro. Einstimmig beschloss das Gremium die Auszahlung des Kreiszuschusses in dieser Höhe.

Über die Schulbaumaßnahmen 2008 bis 2016 informierte Kreisbaumeister Andreas Schülein. So betrugen die gesamten Aufwendungen (Neubauten und Sanierungsmaßnahmen) für das CVG 7 193 000 Euro, für das MGF 7 730 000, für die Realschule 2 517 000 Euro, für die Dreifach-Sporthalle 1 231 000 Euro, für das Berufliche Schulzentrum 4 547 000 Euro und für die Fachschule für Lebensmitteltechnik 1 417 600 Euro. Insgesamt wurden somit 24,6 Millionen Euro investiert.

Beim CVG soll heuer die Fassade am Verbindungsbau fertiggestellt werden, ebenso die Dachsanierung der Ganztagsbetreuung und die Sanierung der Zweifach-Sporthalle. Bis Februar 2017 steht der Neubau der Pausenhalle am MGF-Gymnasium auf der Agenda, für die Sanierung der Dreifach-Halle reicht das Zeitfenster bis 2020. Die Sanierung der kleinen Fluchttreppe, des Flachdachs über der Tribüne und der Ringlaufbahn ist heuer geplant.

Am Beruflichen Schulzentrum soll die Erneuerung der Elektroinstallation 2017 abgeschlossen werden. In den Sommerferien wird das Dach der neuen Kfz-Halle mit einer Photovoltaikanlage versehen.

Aus Sicht der Hochbauverwaltung, betonte Schülein, seien künftig drei Millionen jährlich für Bau- beziehungsweise Sanierungsmaßnahmen notwendig. "Dann sollten wir in zehn bis 15 Jahren fertig sein." Nahezu unisono antworteten mehrere Kreisräte darauf: "Und dann geht es wieder von vorne los."

Veit Pöhlmann (Freie Demokraten) legte Wert auf die Feststellung, dass die Planungen nur zur Kenntnis genommen werden: "Da ist schon noch Diskussionsbedarf. Wir bräuchten erst einmal eine neue Schätzung in Bezug auf die Entwicklung der Schülerzahlen."


Ist das BayernWLAN zu teuer?

Kulmbach — Der Freistaat Bayern hat die Ziele für sein WLAN-Netz erweitert: Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens 10 000 freie Access-Points an 5000 Standorten eingerichtet werden, dazu kommen weitere 10 000 Hotspots an touristisch interessanten Punkten sowie an Hochschulen und Universitäten. Das erläuterte der Leiter des Kulmbacher Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, Detlef Arnold, in der Kreistagssitzung am Montag.
Betrieben werde das BayernWLAN vom Provider Vodafone, die Hardware ermögliche eine realistische Ausleuchtung bis etwa 200 Meter. Laut Arnold ist auch ein Jugendschutzfilter vorgesehen. Die Investitionskosten belaufen sich auf rund zehn Millionen Euro, wobei eine Kommune bei zwei Hotspots mit Kosten von 5000 Euro rechnen müsse. Außerdem müssten die Gemeinden die Betriebskosten inklusive Wartung übernehmen.


"Günstigere Möglichkeiten"

Thomas Nagel (FDP/Freie Demokraten) wies auf die Freifunklösungen hin. Eine solche sei in Untersteinach von der Blasmusik umgesetzt worden. "Da gibt es wesentlich günstigere Möglichkeiten ohne das Werbefenster der bayerischen Staatsregierung", sagte Nagel, der die Durchführung einer Infoveranstaltung für die Entscheidungsträger anregte.


Thema: Häusliche Gewalt

Die "Interventionsstelle - Proaktive Beratung" Bayreuth-Kulmbach war ein weiteres Thema der Kreistagssitzung. Die Einrichtung, die sich an Opfer häuslicher Gewalt richtet und auch vom Landkreis mit unterstützt wird, stellten der Geschäftsführer des Caritasverbands Bayreuth, Hermann Hinterstößer, und Sozialpädagogin Gunhild Scheidler vor.

Laut Hinterstößer geht es darum, betroffene Frauen zu beraten, zu informieren und zu unterstützen, damit sie mögliche Wege aus der von Gewalt geprägten Lebenssituation beschreiten können. "Proaktiv" bedeute dabei ein Beratungsangebot nach einem Polizeikontakt oder -einsatz. Die Interventionsstelle sei mit elf Wochenstunden ausgestattet und werde mit einer pädagogischen Fachkraft besetzt, die bereits Erfahrungen aus der Frauenhausarbeit mitbringe. Für die Beratung stehe ein Raum im Bayreuther Stadtviertel St. Georgen zur Verfügung.