Er hätte vor Freude das ganze Gericht umarmen können. "Wahnsinn, ich bin so was von erleichtert", sagt der Ex-Chef des Bunker-Manns, dessen Fall seit zwei Wochen vor dem Landgericht Bayreuth verhandelt wird. Es geht um Untreue, Sprengstoff-, Waffen- und Drogenbesitz. Am Dienstag ist das Lügengebäude des Angeklagten zusammengestürzt.

Richter spürt Geldfluss auf
Im schwerwiegendsten Anklagepunkt - laut Staatsanwaltschaft soll der 36-Jährige aus Himmelkron 240.000 Euro Firmengelder eines Elektrobetriebs aus dem Landkreis Kulmbach auf seine Konten verschoben haben - herrscht nun Klarheit. Beisitzender Richter Yves Döll belegt mit einer akribischen Aufstellung, dass der Buchhalter in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. Döll kann den Geldfluss in jedem der 28 Einzelfälle zwischen 2009 und 2013 nachweisen, nachdem er die verschiedenen Konten des Angeklagten durchleuchtet hat.

Damit wird die Story des Bunker-Manns von den Scheinrechungen widerlegt. Er hat sich bisher damit verteidigt, dass er auf Anweisung des Elektromeisters gehandelt habe. Der Firmenchef habe Druck ausgeübt und ihn zu den Steuertricksereien angestiftet. Die undurchsichtigen Transaktionen sollen folgendermaßen abgelaufen sein: Er habe, so der Angeklagte, Beträge zwischen 5000 und 15.000 Euro von der Firma auf eines seiner Konten überwiesen, die Beträge in bar abgehoben und - abzüglich 25 Prozent Aufwandsentschädigung - dem Elektromeister übergeben.

Die Argumentation hält das Gericht für unglaubwürdig. Es mache "null Sinn", so Vorsitzender Richter Michael Eckstein, dass der Firmenchef sehr viel privates Geld ins Unternehmen pumpt, um es vor der Insolvenz zu retten, und sich dann nur 75 Prozent wieder auszahlen lässt.

Eine Nacht drüber schlafen
Trotz erdrückender Beweislage und Ermahnung des Vorsitzenden ("Man muss einmal die Fakten anerkennen") kann sich der Angeklagte nicht zu einem Geständnis durchringen. Nach kurzer Pause gibt Pflichtverteidiger Johannes Driendl bekannt, dass sein Mandant die neue Sachlage"sehr ernst" nehme. Er brauche allerdings Bedenkzeit. "Weil es eine Lebensentscheidung darstellt, will er noch mal eine Nacht drüber schlafen", sagt der Rechtsanwalt und kündigt für Mittwoch eine Erklärung an.

Wobei die Ankündigung etwas befremdlich anmutet: Denn die weitreichende Lebensentscheidung, kriminell zu werden, hat der Buchhalter bereits vor sechs Jahren getroffen. "Sie müssen sich überlegen, wie lange Sie ins Gefängnis wollen", gibt ihm Staatsanwalt Bernhard Pöxler mit auf den Weg.

Während der Bunker-Mann in Fußfesseln wieder ins Gefängnis gebracht wird, wo er seit acht Monaten sitzt, brechen bei seinem Ex-Chef alle Dämme. "Ich bin mehr als erleichtert, dass das Gericht minutiös nachweisen konnte, dass er das Geld von unserem Konto abgehoben hat", sagt er im Gerichtssaal.

Spießrutenlaufen und Zuspruch
Die vergangenen zwei Wochen seien nach den ungerechtfertigten Anschuldigungen "ein Spießrutenlaufen" gewesen, so der Elektromeister. Er sei aber auch dankbar für die Unterstützung von vielen Seiten: "Hundert haben mich angerufen und mir Mut zugesprochen, dass ich durchhalte."

Der Ex-Chef, der bereits als Zeuge vor Gericht ausgesagt hat, vermutet, dass sein früherer Buchhalter aus Rache gehandelt hat. "Er wollte uns in die Pleite treiben." Der Elektromeister hofft, "dass das Bundeskriminalamt seinen NSA-geschützten Computer knacken kann, damit die ganze Wahrheit rauskommt und man an die Auslandskonten rankommt, wo er vermutlich das Geld hingeschafft hat".

Festnahme sorgt für Aufsehen
Die Festnahme des Bunker-Manns sorgt im Dezember für großes Aufsehen. Die Hausdurchsuchung zieht sich über vier Tage hin. Dabei öffnet die Polizei auch einen Bunker mit über 1,5 Meter dicken Wänden, den der Mann in seinem Garten gebaut hat. Dort findet man ein Kilo Cannabis, über 20 Rohrbomben, mehrere Kilo Schwarzpulver sowie zwei Handgranaten. Laut Staatsanwalt ist das Arsenal derart hochexplosiv gewesen, dass das ganze Haus, wo auch die Tochter und die Freundin des Angeklagten leben, in die Luft gesprengt worden wäre.

Die Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz hat der Mann eingeräumt. Der Ex-Pionier der Bundeswehr betont aber, dass er alles habe entschärfen wollen.

Unterbrechung nach zwei Stunden
Der Prozess wird nach zwei Stunden immer wieder unterbrochen, weil sich der Angeklagte laut Gerichtsarzt nicht länger konzentrieren kann. Er leidet unter brennenden Dauerschmerzen (Morbus Sudeck) in beiden Handgelenken. Das Cannabis hat nach seinen Worten dazu gedient, die Menge eines starken Schmerzmittels mit großen Nebenwirkungen zu halbieren.

Der Mann hat offenbar jahrelang ein unauffälliges Leben geführt, gilt in seinem Heimatort aber als Sonderling und streitsüchtig. Nachbarn haben bemerkt, dass mit ihm etwas nicht stimmt: "Was soll man von einem halten, der mit Rohrbomben und Handgranaten im Auto rumfährt? Der leidet unter Verfolgungswahn."