Was ihr politisches Engagement angeht, haben Matthias Hahn und Stefan Ott wohl wenig Gemeinsamkeiten. Der Kulmbacher Hahn ist aktives Mitglied der SPD und engagiert sich für die Gewerkschaft. Der Bayreuther Ott gehört der Jungen Union an.

Wenn Hahn und Ott künftig öfter gemeinsame Sache machen werden, hat das einen triftigen Grund: Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern von "Kunterbunt", einem "Bündnis gegen Rechts". Aus der Taufe gehoben wurde das Bündnis, dem aktuell rund 30 Vertreter unterschiedlichster Parteien und Organisationen oder kirchlicher Einrichtungen angehören, am Mittwoch in einer nicht öffentlichen Veranstaltung. Nach deren Ende informiert Tina Krause, eine der Initiatorinnen des Bündnisses, warum ein solcher Zusammenschluss in der Region überfällig war.

Als sie gemeinsam mit Matthias Hahn und vielen anderen die große Gegendemonstration zum Bayerntag der NPD im Sommer in Schwarzach organisierte, habe sie gemerkt, dass zwar viele Gruppen das gleiche wollen, aber zu wenig voneinander wissen, sagt sie. "Mit einem solchen Bündnis vernetzen wir uns besser - und können im Fall des Falles schneller reagieren."

Was damit gemeint ist, erläutert Matthias Hahn. Er erinnert daran, dass die NPD am 6. Januar beinahe zu einem Aufmarsch auf dem Kulmbacher Marktplatz aufgerufen hätte, die Veranstaltung erst kurzfristig wieder abgesagt habe. "Unser Bündnis ermöglicht es uns, in einem solchen Fall schnell viele Menschen zu mobilisieren und beispielsweise eine Gegen-Demonstration auf die Beine zu stellen."

Die Mitglieder von "Kunterbunt" sind allesamt Multiplikatoren in ihrem Umfeld, erreichen Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Aus der Politik, wie etwa Sabine Steiniger, Stadträtin der Grünen in Bayreuth, oder die Kulmbacherin Christina Flauder, SPD-Politikerin und Mitglied der evangelischen Landessynode.
Sie alle eint ein Ziel: "Farbe bekennen für Demokratie, Toleranz und Menschenwürde", wie es in der Gründungserklärung des Bündnisses heißt. Gemeinsam wollen sie gegen jegliche Form von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus arbeiten, wollen aufmerksam beobachten, was sich in der Region Kulmbach/Bayreuth tut - und Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung leisten.

Der Austausch mit anderen Bündnissen ist durchaus gewollt. Dass mit dem Kulmbach-Bayreuther Bündnis eine Lücke geschlossen und Oberfranken nun von Wunsiedel bis Forchheim "bunt statt braun" ist, würdigt Martin Becher, Geschäftsführer des Bayerischen Bündnisses für Toleranz aus Bad Alexandersbad, der der neuen Gruppierung gewissermaßen als Geburtshelfer beigestanden hat.

Die Gründungsversammlung war nicht öffentlich. Aus organisatorischen Gründen, wie es heißt. Künftig freilich wollen sich Tina Krause, Matthias Hahn und ihre Mitstreiter nicht verstecken: "Wir werden selbstverständlich Gesicht zeigen." Gerne auch gemeinsam mit anderen, die das Anliegen teilen. Denn: "Wir sind ein offenes Bündnis für alle, die sich für unsere Ziele einsetzen wollen."