Visitenkarten erstellt, Plakate gemacht, Regale gebaut und in jeder freien Minute Schmuck hergestellt: Julia Eschenbacher aus Neuenmarkt macht dieses Jahr zum ersten Mal beim Kunsthandwerkermarkt in Kulmbach mit und war zuvor dementsprechend aufgeregt. "Ich bin den Standaufbau gefühlte 100 Mal im Voraus durchgegangen und habe ausprobiert, ob ich alles in mein Auto bekomme", gibt die 22-Jährige zu. Neben ihrem Mediendesignstudium entwirft die gebürtige Kulmbacherin Schmuck, den sie am Kunsthandwerkermarkt ausstellt. Angefangen hat alles mit Trachtenschmuck.

Doch irgendwann habe sie mal etwas anderes machen wollen. "Da zu dieser Zeit gerade das Thema Upcycling im Trend war, habe ich beschlossen, mich damit zu befassen", erzählt die 22-Jährige. Aus alt mach neu: Julia Eschenbacher hat sich ein paar gebrauchte Fahrradschläuche organisiert und herumprobiert. "Zu meiner Verwunderung waren sie nach der Vorbehandlung ganz weich und haben sich fast wie Leder angefühlt." Seitdem macht die 22-Jährige Ketten und Ohrringe aus alten Fahrradschläuchen. Auch Gießharz kommt bei ihr zum Einsatz.

Beim Kunsthandwerkermarkt freut sie sich besonders darauf, den Kulmbachern ihre Sachen zu zeigen. "Ich mag es super gerne, wenn sich jemand für das, was ich mache, interessiert. Das macht mich schon ein bisschen stolz", meint Eschenbacher. Sie hat sich bereits im Januar bei der Organisatorin des Kunsthandwerkermarktes, Jutta Lange, gemeldet und sich einen Stand gesichert. Bei Michaela Dörnhöfer aus Kulmbach war das ganze etwas Kurzfristiger. Erst vor zwei Wochen hat sie Jutta Lange angerufen. "Nach kurzem Überlegen konnte sie mir noch einen Tisch am Eingang anbieten. Da habe ich mich riesig gefreut", sagt die Kulmbacherin.

Seitdem ging es im Hause Dörnhöfer drunter und drüber. Tag und Nacht saß die Kulmbacherin an der Nähmaschine, um für den Kunsthandwerkermarkt perfekt vorbereitet zu sein. "Wenn mich mein Mann nicht so unterstützen würde, wäre es gar nicht gegangen", meint Dörnhöfer. Egal ob Mützen, Schals oder Kinderkleidung - einen Tag vor der Eröffnung ist alles fertig geworden.


Alte Hasen helfen den Neuen

Ein paar Tipps zum Standaufbau hat sie über Facebook von Seifenfrau Regine Bär aus Heubsch bei Kasendorf bekommen. Sie ist schon zum achten Mal beim Kunsthandwerkermarkt dabei und gibt ihr Wissen weiter. "Sie hat mich ein bisschen an die Hand genommen. Das hat mir wirklich sehr geholfen", sagt Dörnhöfer. Allgemein sei die Stimmung unter den Ausstellern sehr gut. "Die anderen sind hilfsbereit und nett. Da konnte man sich schon im Vorfeld darauf freuen." Neben Michaela Dörnhöfer und Julia Eschenbacher gibt es dieses Jahr sechs weitere Neulinge unter den 35 Ausstellern beim Kunsthandwerkermarkt, der von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Kulmbach-Petrikirche veranstaltet wird. "Es werden immer mehr Aussteller auf unseren Markt aufmerksam", sagt Jutta Lange stolz.

Die Entwicklung des Marktes hat die Organisatorin von Anfang an miterlebt. "Die Besucherzahlen sind bombastisch." In den letzten Jahre seien immer mehr Leute gekommen. Der perfekte Mix von ausgefallenen Handarbeiten macht für Jutta Lange den besonderen Flair des Marktes aus. Selbst entworfene Kinderkleidung, Weihnachtssterne in individuellen Formen, Schmuck aus ausgefallenen Materialien und leckeres Leindotteröl aus Marienweiher: "Ich muss jedes Jahr an mich halten, damit ich nicht mein bester Kunde werde", sagt Lange und lacht.