Erster Polizeihauptkommissar Gerhard Renk (60) geht in den Ruhestand.

Seine Polizeikarriere begann er 1970 als Praktikant in Lichtenfels. Dann folgten Ausbildung und Streifendienst in Nürnberg. Bevor er 2004 Inspektionsleiter in Kulmbach wurde, war er zehn Jahre bei der Bayreuther Kriminalpolizei. Dort ermittelte er vorwiegend bei Tötungsdelikten.Im Interview spricht Renk, der in der Gemeinde Mainleus wohnt und mit seiner Frau einen erwachsenen Sohn hat, über gefühlte Sicherheit und Brennpunkte in Kulmbach.

Herr Renk, hätte Ihnen die blaue Uniform gefallen, mit der demnächst auch Kulmbachs Polizisten ausgestattet werden?
Gerhard Renk: Vor 40 Jahren gehörte ich zum ersten Jahrgang der bayerischen Polizei, der die grüne Uniform bekam. Nach so vielen Jahren war es angebracht, mal wieder was Neues zu bringen. Das Verfahren war sehr transparent. Viele Kolleginnen und Kollegen wurden bei der Auswahl beteiligt. Dabei hat man die Funktionalität der Uniform sehr verbessert. In Kulmbach ist geplant, dass unsere Inspektion Ende des Jahres komplett neu ausgerüstet ist.

Warum beenden Sie jetzt Ihren Dienst bei der Polizei?
Ich habe das Pensionsalter für Polizisten erreicht.

Warum wird man Polizist? Was war Ihre Motivation, die grüne Uniform anzuziehen?
Was damals meine Motivation war, kann ich heute gar nicht mehr sagen. Man trifft in jungen Jahren Entscheidungen, deren Tragweite man nicht ermessen kann. Als ich zur Polizei ging, begann die Zeit der RAF (Rote Armee Fraktion) und des Terrorismus. Wichtig für mich ist: Ich habe die Berufswahl nie bereut. Polizist zu sein, ist ein abwechslungsreicher und spannender Beruf. Ich bin kein Weltverbesserer, aber es ist ein Erfolg, wenn man das Gefühl hat, eine Stadt oder Region ein Stück sicherer gemacht zu haben.

War es Ihr Traumjob, in Kulmbach Polizeichef zu werden? Wie haben Sie Ihre Aufgabe gesehen?
Ich bin nie der Typ gewesen, der seine Karriere gezielt geplant hat. Ich war vorher bei der Bayreuther Kripo und bin davon ausgegangen, dass sich dort bleibe. Verschiedenste Umstände haben dann dazu beigetragen, mich auf den vakanten Posten in Kulmbach zu bewerben. Als Inspektionsleiter habe ich mich immer als Teamplayer verstanden und als erster Ansprechpartner, wenn es um die Sicherheit in der Stadt Kulmbach geht. Wir haben das Kulmbacher Modell kreiert, das heißt, mir war es immer wichtig, zu allen Behörden und Rettungsorganisationen einen engen und vertrauensvollen Kontakt zu halten. Das hat sich über all die vielen Jahre und bei allen Einsätzen durchaus bewährt.

Was war Ihr schwierigster Fall? Was ist Ihnen am meisten an die Nieren gegangen?
Als Polizist ist man oft mit fremden Schicksalen konfrontiert. Egal ob bei der Kriminalpolizei oder bei der Schutzpolizei. Eine Abstufung - besonders schlimm oder weniger schlimm - kann und will ich nicht vornehmen. Für die Angehörigen ist jeder Einzelfall oft mit großem Leid verbunden und belastet sie ein Leben lang.

Ist die Kulmbacher Inspektion nach Ihrer Ansicht ausreichend besetzt? Oder schieben die Beamten Berge von Überstunden vor sich her?
Bayern tut sehr viel für die Polizei, was die personelle und die technische Ausstattung betrifft. Allerdings hoffe ich schon, dass bei den jetzt in Bayern geplanten Personalmehrungen auch Kulmbach in Zukunft ein paar mehr Leute bekommen wird. Ich bin froh, dass ich hier Kollegen habe, die einspringen, wenn sie gebraucht werden.

Wie schätzen Sie die Sicherheitslage in Kulmbach ein?
Wir leben hier relativ sicher. Das können wir durch die Zahlen der Kriminalstatistik belegen. Das führt aber auch dazu, dass Störungen intensiver wahrgenommen werden. Dabei muss es nicht sein, dass jemand Opfer einer Straftat wird. Häufig sind es Ordnungsstörungen, die das Sicherheitsgefühl beeinträchtigen und die Bürger verunsichern. Solche Ängste kann man nicht immer mit Verweis auf die Kriminalstatistik und die Aufklärungsquote auflösen.

Der Busbahnhof und der Soccer Court gelten wieder als Brennpunkte, wo sich eine Gruppe auffälliger Jugendlicher trifft. Wie kann man die Probleme dort in den Griff kriegen?
Das sind keine Kriminalitätsschwerpunkte. Aber es sind Orte, wo täglich viele Menschen vorbeikommen und sich gestört fühlen, wenn sich dort eine Klientel trifft, das die Polizei, das Jugendamt und die Justiz beschäftigt. Wir sind am Busbahnhof sehr häufig präsent und führen Alkoholkontrollen durch. Die eine Patentlösung sehe ich hier nicht. Videoüberwachung könnte ein Baustein sein. Was wir auch anregen, wäre nochmals über die Einführung eines Streetworkers nachzudenken, der die Jugendlichen an ihren Treffpunkten aufsucht.

Gibt es in Kulmbach besondere Häufungen von Straftaten?
Nein, wir haben es wie all die Jahre vor allem mit Sachbeschädigungsdelikten, Betrügereien und Körperverletzungen zu tun sowie auch mit Diebstählen. Da meine ich nicht Wohnungseinbrüche, sondern die Entwendung von Handy oder Geldbeutel. Einen Schwerpunkt haben wir bei der Drogenbekämpfung und können Erfolge vorweisen. Waren vor ein, zwei Jahren noch psychoaktive Substanzen wie die Kräutermischungen aus dem Internet ein großes Thema, so stehen jetzt wieder mehr Haschisch, Marihuana und Crystal im Fokus.

Ist schon bekannt, wer Ihr Nachfolger wird?
Ja, bei meiner Verabschiedung am nächsten Montag wird auch mein Nachfolger vorgestellt. Es ist Dominik Salosnig vom Polizeipräsidium. Er kommt für ein halbes Jahr nach Kulmbach und macht seine Führungsbewährung. Danach wird die Stelle bayernweit ausgeschrieben.