Die Angeklagte hatte eine andere Frau aus Untersteinach zu Unrecht bezichtigt, ihr eine geringe Menge an Crystal Speed überlassen zu haben. Die Polizei stellte daraufhin die komplette Wohnung der Untersteinacherin auf den Kopf. Umsonst, denn nicht von ihr stammten die Drogen, sondern von einem jungen Mann, den die Angeklagte am Kulmbacher Bahnhof kennengelernt hatte.

Die Angeklagte wollte die Frau aus Untersteinach nur deshalb in ein schlechtes Licht rücken, damit ihr deren Kinder von Amts wegen abgenommen werden, wie sie später kleinlaut zugeben musste. Weil das alles während zweier offener Bewährungen aufgrund anderer Straftaten geschah, machte bereits das Kulmbacher Amtsgericht im Juli ernst und schickte die 49-Jährige für fünf Monate hinter Gitter, ein Urteil, das die Berufungskammer des Landgerichts nun am heutigen Donnerstag bestätigte.

Ins Rollen war die Geschichte bei einer Personenkontrolle Mitte Juni des vergangenen Jahres in der Konrad-Adenauer-Straße in Kulmbach gekommen. Die Beamten fanden damals bei der Angeklagten eine Konsumeinheit der hochgefährlichen Droge Crystal Speed. Weil die Angeklagte die angeblich wegen Drogengeschichten amtsbekannte Frau aus Untersteinach nicht ausstehen konnte, gab sie an, dass die Droge von dieser Frau stamme. Ihr Ziel war es, der Untersteinacherin eine Abreibung zu verpassen und zu erreichen, dass ihr die Kinder abgenommen werden.

Tatsächlich hatte sie das Crystal allerdings von einem jungen Mann im Umfeld des Kulmbacher Bahnhofs gekauft. Die Polizei rückte dennoch in Untersteinach mit großem Aufgebot an und stellte sicherheitshalber die komplette Wohnung der angeblichen Dealerin auf den Kopf. Völlig umsonst, wie sich später herausstellte und wie die Angeklagte schließlich auch einräumen musste.


Drogentherapie absolviert

Bei ihrem Geständnis blieb sie in der Berufungsverhandlung. Auch die Strafhöhe wollte sie akzeptieren, lediglich eine Strafaussetzung zur Bewährung müsse doch möglich sein, meinten sie und ihr Verteidiger Werner Brandl aus Kulmbach. Unter anderem habe sie mittlerweile erfolgreich eine stationäre Drogentherapie absolviert, befinde sich derzeit in Nachsorge, habe eine Arbeitsstelle aufgenommen und konnte sogar ein gutes Zeugnis dafür vorlegen. Die ganze Geschichte sei aus dem Drogenmilieu heraus entstanden, damit habe seine Mandantin abgeschlossen, meinte der Rechtsanwalt.

Die Vorstrafen und die daraus resultierenden offenen Bewährungen sollten allerdings letztlich stärker gewichtet werden. Unter anderem war die 49-jährige wegen vorsätzlicher Körperverletzung in mehreren Fällen und wegen Beleidigung 2009 bereits zu sieben Monaten auf Bewährung und ein Jahr später wegen Verletzung des Postgeheimnisses in über 200 Fällen und wegen Drogenbesitzes zu über drei Monaten, ebenfalls auf Bewährung verurteilt worden. Worum es dabei im Einzelnen ging, blieb während der Verhandlung im Dunkeln.

"Mehrere Straftaten während einer laufenden Bewährung, da ist der Vertrauensvorschuss dahin", sagte der Vorsitzende Richter Werner Kahler. Das Gericht konnte keinen direkten Zusammenhang zwischen der aktuellen Tat und der langjährigen Drogenkarriere der Angeklagten erkennen und machte deutlich, dass eine Bewährung bei diesen Vorstrafen auszuschließen sei. Nach langer Beratung zog die Frau schließlich ihre Berufung zurück. Sie muss nun nicht nur die fünf Monate absitzen, sondern wahrscheinlich auch die offenen Bewährungsstrafen, außerdem hat sie die Kosten des Verfahrens zu tragen.