Die Richterin nannte es am Ende "entweder naiv oder dreist": 16 Mal war einem 27-jährigen Bauhelfer aus Kulmbach der Erwerb der Teufelsdroge Crystal nachzuweisen, und dass, obwohl er schon zwei Strafbefehle erhalten hatte und mehrfach kontrolliert worden war. Wenn er am Ende dann doch mit der verhältnismäßig milden Strafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung davonkommen sollte, dann deshalb, weil er dazu beigetragen hatte, dass sein Dealer geschnappt und wegen Einfuhr von Crystal im Kilobereich zu sieben Jahren verurteilt wurde.

Der Angeklagte war dagegen ein kleines Licht. Er hatte die Drogen zwischen April und Dezember 2014 nur zum Eigenverbrauch erworben. Trotzdem gehörte der Mann zu den sogenannten privilegierten Abnehmern des Großdealers, wie es ein Beamter der Kriminalpolizei bezeichnete, einer von insgesamt nur fünf Abnehmern, mit denen man besondere Kaufmodalitäten vereinbart hatte.


Geld im Briefkasten


Im Falle des angeklagten Kulmbachers sah das so aus, dass das Rauschgift im Aschenbecher eines abgestellten Fahrzeugs oder in einer Garage deponiert wurde und das Geld dafür später in einem Briefkasten landete. Lediglich die Abmachung wurde telefonisch getroffen und genau das wurde dem Angeklagten auch zum Verhängnis, denn die Polizei hatte längst eine Telefonüberwachung eingeleitet.

Vor Gericht räumte der Angeklagte alles ohne Umschweife ein. Auch dass er, obwohl er seinen Führerschein längst abgegeben hatte, mindestens noch fünf Mal meist in Zusammenhang mit den Drogengeschäften kreuz und quer durch Kulmbach gefahren war. Insgesamt ging es um den Erwerb von fast 50 Gramm Crystal Speed der unterschiedlichsten Qualität zu einem Grammpreis von 100, später von 80 Euro. Drei Gramm hätten in der Regel für zwei bis zweieinhalb Wochen gereicht, so viele Konsumeinheiten konnte man daraus machen.


Schon lange auf dem Schirm


Staatsanwalt Bernhard Böxler konnte sich nur wundern, dass der Angeklagte bereits im August 2014 einen Strafbefehl wegen Drogenbesitzes erhalten hatte und sich deshalb auch darüber klar sein musste, dass er längst auf dem Schirm der Ermittler war. Trotzdem habe er weiter Crystal gekauft, zumindest bis zu seiner Festnahme Ende Dezember 2014.

Der Staatsanwalt war es auch, der eine weitere Anklage gegen den 27-Jährigen wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung ins Spiel brachte. Deshalb wird sich der Mann in den kommenden Wochen erneut vor Gericht verantworten müssen. In der Drogengeschichte beschrieb ihn der Ermittler von der Kripo als sehr kooperativ. Er hatte seinen Lieferanten genannt und belastet, so der Beamte. Relativ eindeutig sei es dagegen gewesen, dass der Angeklagte wirklich nur zum Eigenkonsum bezieht und nicht weiterverkauft. Seine Drogenkarriere ist noch relativ jung. Erst 2013 sei er aus reiner Neugier erstmals mit Crystal in Berührung gekommen. Relativ schnell habe er darauf eine Möglichkeit gesucht, regelmäßig an das Rauschgift zu kommen.

Weil er immer mehr nahm, musste er dann seine Ausbildungsstelle kündigen, verlor den Führerschein und wurde krank. Kurz: die Droge zog den 27-jährigen binnen kürzester Zeit ganz gewaltig nach unten.


Zur Suchtberatung


Offensichtlich gerade noch rechtzeitig merkte er es, ging zur Suchtberatung und hörte unter dem gewaltigen Druck der polizeilichen Ermittlungen und der anstehenden Verhandlung von selbst wieder mit dem Konsumieren auf.

Während Staatsanwalt Böxler eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren beantragte, forderte Verteidiger Wolfgang Schwemmer aus Bayreuth eine Bewährungsstrafe von unter einem Jahr jeweils wegen des unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln in 16 Fällen und wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in fünf Fällen.
Das Gericht unter Vorsitz von Nicole Allstadt entschied sich für die goldene Mitte von einem Jahr und drei Monaten. Zusätzlich dazu muss der Mann 1200 Euro an den Arbeitskreis Avalon gegen sexuellen Missbrauch in Bayreuth zahlen, sich zwei Jahre lang regelmäßigen Drogenscreenings unterziehen und weiterhin Termine bei der Suchtberatung wahrnehmen.


Seeleruhig eingekauft


"Wer wesentliche Aufklärungsarbeit leistet, sollte belohnt werden", sagte die Richterin das Strafmaß weit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft sowie die Aussetzung der Strafe auf Bewährung.

Immerhin habe der Angeklagte dazu beitragen können, dass ein Großdealer zu sieben Jahren Haft verurteilt werden konnte, begründete Allstadt das, was man früher Kronzeugenregelung nannte. Eine Strafe von unter einem Jahr sei aber nicht möglich, nachdem der Angeklagte trotz Kontrollen und Strafbefehl zunächst einmal weiter seelenruhig eingekauft hatte.