Als der preußische König Friedrich Wilhelm I. im Jahr 1713 die Regierung von seinem Vater Friedrich I. übernommen hatte, lag das Land durch Pest und Vergnügungssucht des Hofadels völlig darnieder. In nur wenigen Jahren schuf er mit strenger, teilweise brutaler Hand einen straffen, unbestechlichen Beamtenapparat und strich alle Staatsstellen, die nicht direkt dem allgemeinen Staatswohl dienen konnten.


Schusswaffen sollten handlicher werden


Die in aller Herren Länder vermieteten preußischen Truppen wurden zurückgeholt und zentral straff durchorganisiert. Dazu gehörte auch die Vereinheitlichung der Bewaffnung der Armee, die bisher vom jeweiligen Regimentsinhaber nach Gutdünken und mit Aussicht auf Gewinn beschafft wurde.

Es entsprach nicht mehr dem absolutistischen Selbstverständnis des "Soldatenkönigs", wie er später genannt wurde, militärische Entscheidungen, und sei es nur die Frage der Ausrüstung, dem adeligen Chef einer militärischen Einheit zu überlassen. Aber auch militärtaktische Überlegungen sprachen für eine Vereinheitlichung der Bewaffnung, insbesondere bei den Schusswaffen.


Säbel statt Degen


Schon als 19-Jähriger forderte der militärbegeisterte Kronprinz 1707: "Se. Königl. Hoheit der Chron Printz findet gut dass die gantze Armée egales Degen hätte."

Als der lange Degen der Fußtruppen gegen Reiterangriffe durch das neue Bajonett, das auf das 156 Zentimeter lange Steinschlossgewehr gesteckt werden konnte, nicht mehr unbedingt notwendig war, wurde er durch einen kürzeren Säbel ersetzt. Er war im Getümmel des Nahkampfes besser einsetzbar.

Erst 1715, also zwei Jahre nach Regierungsantritt, konnte Friedrich Wilhelm I. seine Idee eines einheitlichen Säbels für die gesamte Infanterie in die Tat umsetzen. Das Messinggefäß bestand aus einem herzförmigen Stichblatt mit halbrundem Hauptbügel, einem fast kugelförmigen Knauf und einer in zwei Teilen gegossenen mittig anschwellenden Griffhülse mit diagonal nach unten rechts fallenden Griffrippen.


72 Zentimeter lange Klinge


Angedeutete Griffringe an beiden Enden der Hülse sollten noch an den mit Draht umwickelten hölzernen Griff der früheren Degen erinnern. Die 72 Zentimeter lange gebogene Keilklinge hatte einen halbkreisförmigen Zug nahe des Rückens zur Gewichtsersparnis. In Unkenntnis der Tatsachen wurde er früher geheimnisvoll "Blutrille" genannt, womit man brutalste Vorstellungen verband.

Erstmals zeigte der Herrscher auf dieser einheitlich eingeführten Blankwaffe seine Präsenz durch den beidseitig eingeätzten Namenszug "FWR" unter der Königskrone (Fridericus Wilhelmus Rex). Diese sehr frühen Chiffren zeichnen sich dadurch aus, dass das unten angehängte "W" gerade noch das "FR" tangiert. Da Preußen zu dieser Zeit noch keine eigenen staatlichen Produktionsstätten besaß - die staatliche Waffenmanufaktur in Potsdam wurde erst 1722 gegründet - bezog man die Klingen aus Solingen beziehungsweise aus der Grafschaft Mark. Sie zeichneten sich meist durch den breiten Zug, die lange Fehlschärfe und fehlende Bestempelung aus.
Das Armeemuseum Friedrich der Große auf der Plassenburg ist in der glücklichen Lage, einen der zwei noch existierenden Infanteriesäbel aus der Zeit der zentralen Vereinheitlichung zeigen zu können.


Auch ledernes Gehänge erhalten


Die Klinge ist wie bei fast allen frühen Säbeln nach einem Befehl Friedrichs des Großen 1744 gekürzt worden. Man wollte damit den jetzt durch die Heeresvermehrung vielfach kleineren Rekruten die Handhabung der Waffe erleichtern.

Beidseitig findet man die bereits erwähnte überkrönte Herrscherchiffre "FWR". Die Klinge steckt in einer braunen Lederscheide mit Holzkern und innen liegenden Beschlägen. Erfreulicherweise hat sich auch das Säbelgehänge aus ursprünglich geweißtem sämischen Leder erhalten, was ebenfalls eine große Seltenheit darstellt.