Wegen schweren Bandendiebstahls in zwölf Fällen müssen sich seit Montag drei Männer aus Bayreuth, Kulmbach und Münchberg vor dem Landgericht in Bayreuth verantworten. Die drei Angeklagten, 24, 27 und 47 Jahre alt, sollen Ende 2011 und Anfang 2012 bei einer Kulmbacher Firma verschiedene Metallreste beiseite geschafft und an eine Recyclingfirma weiterverkauft haben. Alle drei waren Mitarbeiter des Betriebes.

12 000 Euro in sechs Monaten

Metallschrott ist nicht etwa Abfall, sondern ein wertvoller Rohstoff. Fast 25 Euro soll ein Kilogramm Metall bringen. Der Hauptangeklagte, ein 27-jähriger Mann, der damals im Gegensatz zu den anderen beiden Angeklagten schon nicht mehr für den Metallverarbeitungsbetrieb tätig war, soll den 24-jährigen Mitangeklagten angestiftet haben, die Reste regelmäßig während der Nachtschicht einzusammeln, in einen Karton zu packen und an einen Zaun des Fabrikgeländes abzustellen.
Dort soll der Hauptangeklagte den zehn Kilogramm schweren Karton dann abgeholt und an einen Recyclinghändler in Kronach verkauft haben. Fast 12 000 Euro soll er binnen sechs Monate erlöst haben, mit bis zu 5000 Euro habe er den 24-Jährigen entlohnt.
Der dritte Angeklagte war mit in die Sache geraten, weil er das Geschehen beobachtet hatte. Der 24-Jährige hatte ihn daraufhin eingeweiht und am Gewinn mit insgesamt rund 1000 Euro beteiligt, was der Mann vor Gericht heftig bestritt.
Der 27-jährige räumte zum Prozessauftakt alle Vorwürfe ein. Als Motiv gab er seine Drogenabhängigkeit an. Zusätzlich zu seinen 1300 bis 1400 Euro Nettolohn im Monat will er sich so fast ein halbes Jahr lang 800 bis 1000 Euro nebenbei "verdient" haben.
"Ich habe täglich Cannabis konsumiert und das ganze Geld dafür gebraucht", sagte er.

Fassungslose Richter

Vor Gericht stellte sich am ersten Verhandlungstag auch heraus, dass die Beteiligten zunächst allen Ernstes geglaubt hatten, sie täten der Firma einen Gefallen. Von einem Vorarbeiter wollen sie gehört haben, dass die Firma für den Abtransport des Altmetalls Geld bezahlen müsste. Erst als sich am Richtertisch Fassungslosigkeit breit machte, schoben die Verteidiger nach, dass ihren Mandanten natürlich klar gewesen sei, dass ihr Handeln verboten ist.
Nach ungefähr einem halben Jahr nahm das Ganze ein jähes Ende, weil sich herumgesprochen hatte, dass Privatdetektive im Betrieb sind. Offenbar war damals nicht nur der Metallabfall verschwunden, sondern ganze Aufträge, was freilich nicht Gegenstand dieses Verfahrens ist.
Außerdem soll dem Recyclingabnehmer die Sache komisch vorgekommen sein, er verlangte, angeblich aus steuerlichen Gründen, einen Herkunftsnachweis für den Rohstoff.
Gar nichts mit der Sache zu tun haben will der dritte Angeklagte. Der 47-Jährige, der damals in Kulmbach wohnte und heute in Münchberg zuhause ist, gab an, dass er zwar von den Altmetall-Geschäften erfahren habe, ihm aber von Anfang an die Konsequenzen klar gewesen seien. "Für mich war das Thema schnell erledigt", sagte er. Warum er vom Hauptangeklagten beschuldigt werde, mitgemacht zu haben, könne er sich nicht erklären. Die Verhandlung wird fortgesetzt.