Es war eine tragische Verkettung von unglücklichsten Umständen, dass ein junger Mann am 4. August 2012 sterben musste. Er wollte in den frühen Morgenstunden dieses Samstags vom Kulmbacher Bierfest nach Hause laufen - 16 Kilometer bis Weißenbrunn. Um 4.45 Uhr wurde er von einer damals 20-jährigen Autofahrerin auf der B 85 bei Ziegelhütten angefahren. Er starb noch am Unfallort. Die junge Frau hielt nicht an und fuhr nach Hause. Mit ihrem Vater kehrte sie an den Unfallort zurück und fand den Sterbenden vor.

Am Dienstagvormittag begann der Prozess vor dem Jugendschöffengericht Kulmbach - nach einem Jahr und vier Monaten. "Das Gericht hätte gerne früher verhandelt", betonte Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner. Die Verspätung begründete er mit Terminschwierigkeiten der Verfahrensbeteiligten. Unter anderem absolvierte die Angeklagte ein Auslandssemester in Thailand.

Die Verhandlung selbst begann ebenfalls mit Verspätung. Wegen des großen Andrangs von Zuhörern - im Gerichtssaal blieb kein Platz frei - gab es einen Stau vor der Personenkontrolle am Eingang des Justizgebäudes.

Dass die Studentin gefahren war, stand zweifelsfrei fest. Auch, dass sie - mit 1,4 Promille - erheblich angetrunken war. Tatvorwurf: vorsätzliche Trunkenheit im Verkehr und Unfallflucht in Tateinheit mit vorsätzlicher Trunkenheit.

Warum die 21-Jährige nicht wegen fahrlässiger Tötung angeklagt war, ergab sich aus der Aussage des Sachverständigen, der zusammen mit der Polizei das Geschehen nachgestellt hatte. Sein Fazit: Der Unfall wäre auch für einen nüchternen Autofahrer nicht vermeidbar gewesen. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 60 bis 70 km/h war der 30-Jährige erst aus einer geringen Entfernung von 15 bis 20 Meter zu erkennen. Es gab praktisch keine Chance, anzuhalten oder auszuweichen.

Mehr als tragisch sind die Begleitumstände des tödlichen Unfalls: Der jungen Mann aus Weißenbrunn lief auf der falschen, nämlich der rechten Fahrbahnseite, und die junge Frau fuhr extrem weit rechts. Aufgrund seiner dunklen Kleidung war er schlecht zu sehen und hielt die unbekleideten, hellen Unterarme offenbar vor den Körper, weil er mit seinem Bruder telefonierte.

Auf den Heimweg zu Fuß hatte er sich gemacht, weil im Auto des Bruders kein Platz mehr war. Ein Kronacher Taxifahrer lehnte die Fuhre aus der Nachbarstadt ab, und in Kulmbach war kein Taxi aufzutreiben.

Dabei hätte der junge Mann gar nicht heimlaufen müssen: Sein Bruder weckte zu Hause die Mutter, und beide machten sich auf den Weg nach Kulmbach. Unterwegs hatte man auch noch telefonischen Kontakt. "Plötzlich war das Gespräch weg", so der 20-Jährige. Mutter und Bruder fuhren an der Unfallstelle vorbei, ohne ahnen zu können, was geschehen war.

Die Verhandlung wird am Nachmittag fortgesetzt.