Er ging bei den Gerichten ein und aus, trug das Gesetzbuch unterm Arm und trat in der schwarzen Robe auf, die ihn als Organ der Rechtspflege kennzeichnete. Doch statt seinen Mandanten zu ihrem Recht zu verhelfen oder sie bei komplizierten Rechtsgeschäften zu beraten, war dieser Rechtsanwalt aus Kulmbach offenbar darauf spezialisiert, Gesetze zu brechen. Am Montag sitzt der Anwalt auf der Anklagebank.

Dann kommen seine Betrügereien vor der Wirtschaftsstrafkammer Hof zur Sprache. Dem 45-jährigen Angeklagten wird Betrug in fünf besonders schweren Fällen und versuchter Betrug in drei besonders schweren Fällen zur Last gelegt. Insgesamt soll er acht Investoren abgezockt und eine Million Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Ein Kaufmann, der bei der Investment-Gesellschaft des Rechtsanwalts angestellt war, muss sich ebenfalls vor Gericht verantworten. Ihm wird Beihilfe vorgeworfen.


24 Zeugen

Der Prozess soll voraussichtlich bis Ende Oktober dauern. Es sind 13 Verhandlungstage terminiert und 24 Zeugen geladen. Den Vorsitz bei dem Verfahren hat der Vizepräsident des Landgerichts Hof, Matthias Burghardt.
Als das Millionenspiel im November 2013 aufgeflogen war, kümmerte sich die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Hof um die Machenschaften des Kulmbacher Juristen. Er wurde festgenommen, seine Kanzlei in Kulmbach und seine Privatwohnung wurden durchsucht.

Die Arbeit der Kripo und der Staatsanwalt war kompliziert und langwierig. Doch es gelang den Ermittlern, das Geflecht zu entwirren und eine Anklage auf die Beine zu stellen, die zum Prozess zugelassen wurde.


Hohe Renditen lockten

Das "Geschäftsmodell" des 45-Jährigen war immer dasselbe: Er schmiss mit horrenden Millionensummen um sich und erweckte bei den Investoren den Eindruck, dass seine Firma in der Lage sei, große Solarprojekte in Rumänien und Italien auf die Beine zu stellen. Hohe Renditen aus dem Geschäft mit der Sonnenenergie lockten, und der Rechtsanwalt versprach, dass der Gesamtkapitalbedarf von teilweise 50 Millionen Euro oder mehr über Großbanken zu finanzieren sei, wenn vorher ein Eigenkapital von fünf Prozent auf ein Treuhandkonto eingezahlt werde. Laut Staatsanwaltschaft zog der Kulmbacher Rechtsanwalt die Gelder ab, und die angeblichen Solarparks in Sizilien, Verona oder Sebis/Rumänien existierten natürlich nicht.

Darauf fielen acht Investoren herein. Sie sahen ihr Geld nie wieder. Es landete auf dem Firmenkonto des Rechtsanwalts, der statt Solargewinnen nur heiße Luft verkaufte.

Drei Anlegern war das Geschäft aber wohl zu heiß. Oder sie hatten den Braten gerochen. Jedenfalls kam es trotz Vertragsabschluss nicht zu den Geldzahlungen. Mit den erwarteten Summen von über neun Millionen Euro hätte sich der schlaue Rechtsanwalt auf einer Karibikinsel zur Ruhe setzen können.


Steuerhinterziehung

Was noch erschwerend hinzukommt: Der Jurist hatte im Jahr 2013 seine schwunghaften Solar-Geschäfte eiskalt weiter betrieben, obwohl er wegen Steuerhinterziehung von 200.000 Euro zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden war und unter Bewährung stand.

Nach seiner Festnahme saß der Mann neun Monate in Untersuchungshaft und musste im August 2014 aus formaljuristischen Gründen gegen Auflagen freigelassen werden. Nachdem wegen Überlastung des Gerichts nicht abzusehen war, wann das Hauptverfahren stattfinden kann, durfte man ihn nicht länger in Haft behalten.